Rektor der Bauhaus-Uni im Gespräch vor seinem Abschied

Seine Laufbahn als Hochschulrektor hat Seltenheitswert: Drei Amtsperioden hat Professor Dr.-Ing. Gerd Zimmermann seit 1992 bis heute an zwei Hochschulen ausgefüllt. Seine Rückkehr 2004 nach einer Unterbrechung von vier Jahren ist eine Besonderheit. Michael Baar sprach mit ihm vor dem Tag des Abschieds.

Höhepunkt: Im Jahr 2004 gehörte Zimmermann zu den Weimar-Botschaftern in Shanghai, wo die Bauhaus-Uni mit der Tonji-Universität kooperiert. Archivfoto: Michael Baar

Höhepunkt: Im Jahr 2004 gehörte Zimmermann zu den Weimar-Botschaftern in Shanghai, wo die Bauhaus-Uni mit der Tonji-Universität kooperiert. Archivfoto: Michael Baar

Foto: zgt

Wie fühlen Sie sich wenige Stunden vor der Amtsübergabe an Ihren Nachfolger?

Gut, schließlich bin ich ja abschiedstrainiert. Ich weiß, wie sich das Loslassen anfühlt. Ganz ehrlich: Seit einiger Zeit merke ich auch, wie die Last abnimmt. Sie war zwar nie so groß, dass ich glaubte, sie erdrückt mich. Aber ich spüre förmlich den Freiheitsgewinn, der mit diesem Abschied verbunden sein wird.

Worauf sind Sie als Rektor besonders stolz?

Stolz wäre hier wohl das falsche Wort. Aber ich freue mich wirklich, dass wir in Weimar mit einem energischen Tempo eine Universität entwickelt haben, die es so noch nicht gegeben hat und die heute – ohne Koketterie – gut aufgestellt ist. Das habe ich Montag erst wieder in Heidelberg sehen können, als ich in einem Hörsaal war, den es in diesem Zustand bei uns eben nicht mehr gibt.

Haben Sie das Gefühl, Wichtiges nicht erledigt zu haben?

Das Gefühl hat man immer. Wenn ich zum Beispiel an die Gebäude in der Coudraystraße und an das Finger-Institut denke, dann kann ich nur Trost daraus schöpfen, dass die Entwicklung dort jetzt in Gang kommt. Ich hoffe sehr, dass sie nicht von den Haushaltsproblemen des Freistaates doch noch einmal gestoppt wird. Und die Entwicklung südlich unseres Hauptgebäudes ist sogar für jedermann greifbar.

Wer war Ihr wichtigster Wegbegleiter als Rektor?

Meine Frau, ganz ohne Zweifel.

Und innerhalb der Bauhaus-Universität Weimar?

Unser Kanzler, Dr.-Ing. Heiko Schultz. Mit ihm haben wir über die Jahre so viele Dinge in Bewegung gebracht. Er war schon Kanzler, als die heutige Universität noch die Hochschule für Architektur und Bauwesen und ich noch nicht deren Rektor war.

Welches war Ihr größter Irrtum als Rektor?

Irrtümer gibt es immer wieder, aber den einen wesentlichen Irrtum kann ich nicht benennen. Viel schwieriger waren Umbrüche. Ich wollte beispielsweise die Fakultät Informatik nicht abwickeln. Letztlich war dieser Bruch aber wohl wichtig dafür, dass unsere Medien-Informatiker heute so extrem gut ausgebildet sind.

War es rückblickend richtig, nach der Unterbrechung bis 2004 noch eine dritte Amtszeit anzugehen?

Aus meiner Sicht eindeutig: Ja. Aber jetzt reicht es auch.

Zu den Kommentaren