Berliner Architekt Walther Grunwald regt alternative Bebauung des Schießhaus-Geländes an

Ein großzügiger Wohn- und Landschaftspark statt beengter Bauparzellen, mit dem Denkmal im Zentrum statt im Abseits ? diese Vision hat Architekt Walther Grundwald fürs Schießhausgelände skizziert.

Alternative: Eine  Alternative zur geplanten Gestaltung des Schießhaus-Geländes legt nun der Berliner Architekt Walther Grunwald vor. Das Gelände bedürfe nun nur noch einer Förderung.

Alternative: Eine Alternative zur geplanten Gestaltung des Schießhaus-Geländes legt nun der Berliner Architekt Walther Grunwald vor. Das Gelände bedürfe nun nur noch einer Förderung.

Foto: zgt

Weimar. Er ist der Architekt, nach dessen Plänen die Anna-Amalia-Bibliothek saniert wurde. Er begründete die Zeitschneise am Ettersberg und unterstützte den Erhalt von Schloss Ettersburg. Jetzt kreisen die Gedanken des Berliners Walther Grunwald ums Schießhaus. Die Anregung gab Liese Klahn-Albrecht, die den Gentzschen Bau vor zwei Jahren für das Festival MelosLogos entdeckte und damit auch den Gast Grunwald faszinierte. Beide sehen eine Alternative, den Wert des Denkmals verträglicher mit dem dort vorgesehenen Wohnungsbau zu vereinbaren, als dies in der offiziellen Planung der Fall scheint.

Größtes Manko in ihren Augen: die "Allerwelts-Parzellierung" des Geländes. Da sich die LEG in ihren Bauplänen auf den Bereich westlich des Schießhauses beschränkt, sei der Platz entsprechend beengt. Zudem werde das Areal von Straßen zerschnitten. Das Schießhaus selbst bleibe nur Randgeschehen.

Grunwalds Gegenvorschlag: Ähnlich, wie es die Zöllnerstiftung in einem ersten Entwurf vorsah, solle die gesamte Fläche ums Denkmal in die Baupläne einbezogen werden, also auch der Schützengarten im Osten zur Bahntrasse hin und der nördliche Streifen zum Schießhaus-Hölzchen. Das lasse eine lockere Bebauung zu, die einem Landschaftspark gleicht und das Schießhaus sichtbar in den Mittelpunkt rückt. Im Osten kann sich Grunwald reihenhausartige Bebauung vorstellen, im Westen Stadtvillen. Straßen, die das Wohngebiet zentral queren, gibt es in seinem Entwurf nicht, dafür einen Verkehrsring um das Areal, über den die Anwohner ihre Parkplätze erreichen.

Aus Sicht der Stadtverwaltung stünden diesen Plänen jedoch Hemmnisse entgegen, etwa auf dem Schützengarten. Über die Jahre habe sich dort ein Biotop entwickelt. Zudem scheine der Lärm vom Bahndamm her mit Wohnungsbau nicht vereinbar.

Was das Biotop betrifft, räumt ihm Grunwald gegenüber den Bauplänen nachrangige Bedeutung ein. Und die Geräuschkulisse, die die Bahn verursacht, unterscheide sich aus seiner Sicht nicht wesentlich von jener, die das ohnehin zum Bau vorgesehene Gebiet westlich des Schießhauses erreicht.

Für ihr Vorhaben des locker bebauten Landschaftsparks versicherten sich die Protagonisten zahlreicher, auch prominenter Unterstützung. 66 Unterschriften trugen sie binnen einer Woche zusammen. Zu den Fürsprechern zählen die Schauspieler Bruno Ganz und Otto Sander, der Züricher Intendant Elmar Weingarten, der Frankfurter Autor Martin Mosebach, Kunstfest-Intendantin Nike Wagner, der Ehrendirigent der Staatskapelle, George Alexander Albrecht, sowie der Kardiologe und Mäzen Michael Curtius.

Losgelöst vom Schießhaus sehen Liese Klahn-Albrecht und Walther Grunwald ihre Vision nicht. Ein Haus der Künste und der Feste solle es werden – für Institutionen wie die Klassik-Stiftung, die Musikhochschule, die Uni oder das Kunstfest ebenso wie für Vereine und private Gesellschaften. Trotz aller Euphorie bleibt für Grunwald die Einsicht, dass "das Schießhaus als Wirtschaftsmodell tot" sei. Es bedürfe der Förderung, einer Stiftung bzw. eines Mäzens.