Brehm-Gedenkstätte: Die neue Wildnis im Wohnzimmer

Renthendorf  Ein Berliner Gestaltungsbüro gewinnt den Wettbewerb um die neue Konzeption der Dauerausstellung in der Brehm-Gedenkstätte in Renthendorf.

Ein erster Entwurf für die Dauerausstellung in der Brehm-Gedenkstätte vom Gestaltungsbüro Beier und Wellach, Berlin.

Ein erster Entwurf für die Dauerausstellung in der Brehm-Gedenkstätte vom Gestaltungsbüro Beier und Wellach, Berlin.

Foto: Beier/Wellach

Seit Donnerstagabend ist eine weitere Etappe auf dem langen Weg der Restaurierung der Brehm-Gedenkstätte in Renthendorf (Saale-Holzland-Kreis) geschafft.

Eine zehnköpfige Jury aus Fachkräften und Wissenschaftlern hat sich bei dem zuvor deutschlandweit ausgeschriebenen Gestalterwettbewerb für das Büro Beier+Wellach aus Berlin entschieden, das nun gemeinsam mit der Gedenkstätte das Konzept für die neue Dauerausstellung umsetzen soll. „Wenn alle Anträge bewilligt werden und alles nach Plan läuft, wird Ende 2018 schon die erste Hälfte der neu konzipierten Schau, im Jahr 2019 dann die komplette Ausstellung zu sehen sein“, kündigt der Leiter des Hauses, Jochen Süß, an.

Die Brehm-Gedenkstätte Renthendorf erinnert an Leben und Werk zweier bedeutender deutscher Zoologen: Alfred Edmund Brehm (1829-1884), „Tiervater“ und Autor von „Brehms Tierleben“, und dessen Vater Christian Ludwig Brehm (1787-1864), „Vogelpastor“ und Mitbegründer der europäischen Vogelkunde.

Der Rückblick auf eine einzigartige Rettungsgeschichte: Als Jochen Süß im September 2012 als neuer Leiter die Gedenkstätte übernahm, stand die Einrichtung kurz vor der baupolizeilichen Schließung und war ohnehin aus finanziellen Gründen für Besucher nicht mehr geöffnet. Noch im selben Jahr wurde der Zweckverband „Brehm-Gedenkstätte in Renthendorf“ aus sechs umliegenden Gemeinden gegründet und dadurch mit einem geringen Kapitalstock zumindest eine Wiedereröffnung des Hauses ermöglicht. Doch dem Gedenkstättenleiter war klar, dass für eine dauerhafte Sicherung der Gedenkstätte in Renthendorf und eine zeitgemäße Präsentation der kostbaren Exponate eine Generalsanierung stattfinden müsse.

Auch im Innenbereich wird akribisch nach historischem Vorbild saniert

Für die Planung erhielt das Haus im Jahr 2013 den mit 30.000 Euro dotierten Thüringer Förderpreis für Denkmalpflege. „Ein Segen für Projekte, wie unseres, die ganz am Anfang stehen. Damit war eine solide Basis geschaffen“, so Süß, der schon durch die Sanierung der wertvollen Kirchendecke in der Nachbargemeinde Lippersdorf Erfahrungen im Umgang mit dem Denkmalschutz gesammelt und ein Netzwerk aufgebaut hatte. Tatsächlich beginnen bereits im August 2014 die ersten Bauarbeiten für die Generalsanierung und -restaurierung der Brehm-Gedenkstätte. „Die erste halbe Million Euro sieht man gar nicht, denn die Summe ist in die dringend nötige statisch-konstruktive Sicherung des Gebäudes geflossen.“

Mittlerweile ist das Haus von oben und unten trocken gelegt, hat eine Pelletheizung bekommen und moderne Haustechnik. Damit nicht genug: Die Außenfassade, die Zuwegungen, Zäune und Außenanlagen sollen wieder so entstehen, wie sie zu Zeiten von Alfred Brehm, also um 1865 waren.

Auch im Innenbereich werden die alten Möbel, die alten Dielen, die alten Tapeten akribisch nach historischem Vorbild saniert. Beispielsweise werde gerade mithilfe des wohl letzten Model-Stechers Deutschlands, Hans Joachim Frindte aus Mühlhausen, aufgrund von Tapetenresten, die man unter Sauerkrautplatten und Sockelleisten gefunden hat, wieder vier originale Tapeten in klassicher Weise gedruckt.

Ein Glücksfall war, dass Jochen Süß die Hermann Reemtsma Stiftung für sein Brehm-Projekt gewinnen konnte, die es dem Zweckverband über Jahre ermöglichte, bei Förderanträgen an das Land auch den Eigenanteil bereitstellen zu können. Bis Ende des Jahres werden nun 1,5 Millionen Euro von insgesamt 17 Hauptsponsoren investiert sein.

Und langsam ist das Ziel tatsächlich in Sicht. 2018 soll das Wohnhaus der Brehms denkmalgerecht fertig saniert sein. Parallel hat sich Süß in enger Kooperation mit dem Thüringer Museumsverband und der Thüringer Staatskanzlei bereits mit den künftigen Ausstellungsräumen im Inneren des Hauses befasst.

„Es soll ein konzeptionell völlig neues Museum entstehen. Auf der Basis der Lebensleistung der Brehms und ihrer Würdigung schaffen wir ein Museum des Tier-Mensch-Verhältnisses, ein Museum der Naturphänomene, was es in der Museumslandschaft noch nicht gibt. Tenor ist dabei, dass die großen Gedanken der Brehms, die in die Welt gegangen sind, in Gegenwart und Zukunft Bestand haben“, erklärt Jochen Süß sein Anliegen.

Nach einem Gestalterwettbewerb mit zehn Interessenten sind zwei Büros eingeladen worden, das Konzept für einen zweiten Ausstellungsraum zu entwickeln. Dabei überzeugte das Büro Beier+Wellach, das nun im kommenden Jahr nach den Vorgaben des Zweckverbandes als Träger der Brehm-Gedenkstätte an der Dauerausstellung arbeiten wird.

„Unser gestalterischer Ansatz für die Innenarchitektur der Ausstellung sieht daher vor, die Atmosphäre des rekonstruierten Ortes von den thematischen Inhalten zu trennen. Geschichtsort und Themenort bleiben so klar erkennbar und können dennoch sinnvoll nebeneinander bestehen“, umschreiben die beiden Berliner Gestalter ihren Ansatz. Der Raum des Gedenkortes bleibe unangetastet und bilde lediglich die Bühne für inhaltliche Themen. Auf diese Weise wolle man das Konzept der „Wildnis im Wohnzimmer“ durch alle Bereiche der Ausstellungsgestaltung und -didaktik tragen.

Der Antrag für die Finanzierung der Dauerausstellung liegt bereits der Staatskanzlei vor.

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