Erfurter GMD-Verfahren: „Nicht mehr als eine Farce“

Erfurt.  Bislang äußerte sich der Dirigent Adrian Müller nicht zu seiner Klage gegen das Theater Erfurt. Nun aber bricht er sein Schweigen.

Adrian Müller dirigierte im Dezember 2018 das vierte Sinfoniekonzert am Theater Erfurt. Es stand unter dem Motto „Wien gestern und heute“.

Adrian Müller dirigierte im Dezember 2018 das vierte Sinfoniekonzert am Theater Erfurt. Es stand unter dem Motto „Wien gestern und heute“.

Foto: Theater Erfurt

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Der Dirigent Adrian Müller wehrt sich gegen den Eindruck, er wolle aus dem Theater Erfurt einfach nur Geld herausschlagen. Es gehe ihm „eben nicht um Geld, sondern um die Einhaltung des Rechts“, betonte der in Zürich lebende Musiker unserer Zeitung gegenüber.

Müller war unter den letzten fünf Kandidaten für die Position des Generalmusikdirektors gewesen, unterlag aber bei der Abstimmung im Philharmonischen Orchester deutlich. Später verklagte er das Theater beziehungsweise die Stadt Erfurt als dessen Träger vor dem Arbeitsgericht.

Er beantragte, über die Auswahl der Bewerber für die Stelle neu zu entscheiden, die Ende 2017 für die Spielzeit 2020/2021 ausgeschrieben worden war.

„Ich bin sehr wohl der Meinung, dass ein Stellenbesetzungsverfahren im öffentlichen Dienst Mindeststandards an Fairness einhalten sollte, die im Übrigen auch vom Grundgesetz zwingend vorgeschrieben sind“, erklärte Müller. Diese habe das Theater Erfurt „grob verletzt.“

Zwei „Kardinalfehler“ am Theater Erfurt

Müller macht zwei „Kardinalfehler“ geltend. Intendant Guy Montavon habe als am Ende allein verantwortlicher Entscheider keines seiner Dirigate gesehen. Gleiches berichtete jüngst Felix Bender, der auf Platz eins der Orchesterabstimmung landete. Bender sagte Montavon ab, nachdem der ihn erst zwei Jahre später verpflichten wollte, zugunsten des Amtsinhabers Myron Michailidis.

Um diesen dreht sich der zweite Kardinalfehler: „dass der amtierende GMD, der gleichzeitig auch Kandidat war, mein Konzertprogramm – also das eines seiner Konkurrenten – ausgewählt hat.“ Derart sei ein unfairer Verlauf des Besetzungsverfahrens sichergestellt worden, so Müller. „Das Verfahren war nicht mehr als eine Farce.“

Generalmusikdirektoren sind für Konzertprogramme verantwortlich. Müllers Einwände bezüglich der Konkurrenzsituation werden aber in der Dirigentenszene durchaus geteilt, wie Nachfragen ergaben.

Müller dirigierte ein Sinfoniekonzert unterm Leitmotiv „Wien gestern und heute“. Neben Schuberts Rosamunde-Ouvertüre und Beethovens viertem Klavierkonzert erklangen Gottfried von Einems „Philadelphia Symphony“ von 1961 und die Orchestersuite zu Roland Baumgartners Oper „Maria Theresia“ von 2012.

Arbeitsgericht verhandelt im Februar 2020

Das Orchester soll sich bei Müller nach der „seltsamen Programmauswahl“ erkundigt haben. Andere Dirigenten sprechen hingegen von einer doch sehr interessanten Zusammenstellung.

Das Arbeitsgericht Erfurt gab Adrian Müller vorläufig Recht und erließ eine einstweilige Verfügung. Ende Februar soll das Hauptverfahren eröffnet werden.

Einen finanziellen Vergleich habe er in der Verhandlung zur einstweiligen Verfügung abgelehnt, erklärt Müller. Die Richterin forderte jedoch beide Seiten auf, Chancen dafür auszuloten. „Dies ist ein Prozess, der durchlaufen werden muss“, so der Dirigent.

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