Huths Spiegelzeltblog: Federleichter Sommerabend-Soundtrack - das David-Orlowsky-Trio

Matthias Huth
| Lesedauer: 4 Minuten
"David Orlowsky spielt seine Klarinette so innig und gleichzeitig furios, dass es einer menschlichen Sanglichkeit durchaus entspricht", resümmiert Matthias Huth. Foto: U. Arens

"David Orlowsky spielt seine Klarinette so innig und gleichzeitig furios, dass es einer menschlichen Sanglichkeit durchaus entspricht", resümmiert Matthias Huth. Foto: U. Arens

Foto: zgt

Man hört nebenbei die Vögel singen, und später wird ein Feuerwerk das Konzert untermalen. Sanft finden Klarinette, Kontrabass und Gitarre zueinander und entwickeln mit konzentrierter Intensität ihr Zusammenspiel. Das David-Orlowsky-Trio zählt trotz diverser Preise wie dem Klassik-Echo noch zu den Geheimtipps, was auch das mäßig gefüllte Spiegelzelt bewies.

Das kammermusikalische Konzept, welches Klezmer- und osteuropäische Folklorekulturen einbezieht, baut auf Melodiosität und eingängige Rhythmik. David Orlowsky spielt seine Klarinette so innig und gleichzeitig furios, dass es einer menschlichen Sanglichkeit durchaus entspricht. Ihm zur Seite steht an der Akustikgitarre Jens Uwe Popp, der sowohl im Akkordischem, als auch bei solistischen Linien sein Instrument souverän und kreativ beherrscht. Dritter im Bunde ist der Kontrabassist Florian Dohrmann. Er sorgt für den polyrhythmischen Schwung und bedient mit schnellen und präzisen Basslinien dynamisch konzentriert seine Kollegen.

Der Reiz des Trios beim Konzert am Donnerstag liegt in der Intensität der Musik, welche sich überwiegend im geringen Dezibelbereich abspielt. Das zwingt einerseits zum konzentrierten Hören, andererseits lässt es viel Spielraum für boleroartige Steigerungen. Die Eigenkompositionen der drei Virtuosen beschreiben alltägliche Glücksgefühle ("Aer"), erlebte Landschaften ("Durch Nacht und Wind") oder sinnliche Stoffe ("Satin") oder toben sich in jiddischen Tanzwelten aus ("Heyser Bulgar"). Dabei schafft es das Trio nicht immer, einer gewissen Einförmigkeit zu entgehen, sodass die durch Orlowsky moderierten Beschreibungen der Titel oftmals gleiche kompositorische Strukturen, die stark dem gängigem Klezmer verpflichtet sind, aufweisen. Das tut aber dem lyrischen Ambiente des Abends kaum Abbruch, und so präsentieren die Musiker auf hohem Genreniveau den Soundtrack für einen lauschigen Sommerabend. Manchmal schimmert bei den Ansagen Orlowskys oder der Komposition "Goldfinger" auch ein sympathischer, leiser Humor durch, und das wird vom Publikum dankbar goutiert. Es ist ein sehr spezielles musikalisches Segment, welches hier seine begeisterte Fangemeinde findet, aber wer sich auf dieses Trio einlässt, wird mit sanfter, entspannender Melodik entlohnt. Drei furiose Zugaben beenden den Zeltabend, und entlassen das Auditorium mit federleichten Füßen.

Spruch des Abends

"Es macht Spaß, unsere Musik zu spielen." David Orlowsky, als er die käuflichen Notationen des Trios empfiehlt.

Fazit

Federleichte Kammermusik für ein klezmeraffines Publikum.

Die guten Seelen (3)

In dieser kleinen Rubrik möchte ich Ihnen Menschen vorstellen, welche durch ihr Engagement das Spiegelzelt liebenswert gestalten. Heute: Conrad Hoffmann (42).

Welchen Beruf hast du außerhalb des Spiegelzelts?

Ich bin Einzelhändler und betreibe in der Marktstraße in Weimar das kleine "Trödel- und Antikcafé". Außerdem spiele ich Bass bei der Band "Die Art" und singe und spiele im Duo "Behringsee".

Was ist deine Aufgabe im Spiegelzelt?

Ich arbeite als Einlasser und packe ansonsten überall im Zelt mit an.

Was macht dir hier am meisten Spaß?

Ich genieße es, nach den Auftritten abends im Zelt mit den Kollegen zusammenzusitzen, die Künstler noch von einer privaten Seite kennenzulernen und ein Bierchen zu trinken.

Welcher Abend hat dir bis jetzt am besten gefallen?

Außer von Malmsheimer war ich auch vom "Ray Collins' Hot Club" begeistert.

Und dein nettestes Zelterlebnis?

Ich bin jetzt seit sechs Jahren im Zelt beschäftigt. Fast jeden Abend kommt eine alte Oma und bringt einen kleinen Begrüßungsschnaps mit. Und sie verabschiedet sich mit den Worten: "Hoffentlich sehen wir uns das nächste Mal wieder." Und ich hoffe dann immer, dass der Spruch keine Hoffnung bleibt. Und das nicht nur wegen des Schnapses...

Abstimmen und gewinnen

Mehr als 30 Künstler treten in diesem Jahr im Spiegelzelt in Weimar auf. Wir möchten von Ihnen wissen: Wer ist Ihr Favorit? STIMMEN SIE HIER AB

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Matthias Huth, Autor dieses Blogs, sitzt (fast) jeden Abend im Spiegelzelt am Kritikertisch und beschreibt seine Eindrücke exklusiv für unsere Zeitung in diesem Blog.