Klaus Rak inszeniert "Moses in Ägypten" von Gioacchino Rossini

Ergreifende Dramatik, pompöse Klänge, sensibler Aufführungsort. In der Umbauphase seines großen Hauses muss das Meininger Theater bei der Repertoireauswahl ungewohnten Spielstätten den Respekt erweisen und zugleich sein stets geneigtes Opernpublikum weiterhin anlocken. Der Ortswechsel, dem in jüngster Vergangenheit bereits bei Schauspiel-Premieren durchaus Erfolg beschieden war, gelang auch diesmal.

Oper in der Kirche: Dae-Hee Shin als Pharao. Foto: Theater

Oper in der Kirche: Dae-Hee Shin als Pharao. Foto: Theater

Foto: zgt

Meiningen. Am Ende der Aufführung der tragischen Oper "Moses in Ägypten" von Gioacchino Rossini in der Stadtkirche Meiningens zeigte sich das Premieren-Publikum mehr als geneigt. Es spendete den Akteuren stürmischen Applaus.

Selbstverständlich gab der sakrale Raum dem biblischen Sujet des Rossini-Werkes eine zusätzlich wirkungsvolle Note. Ein überdimensionales, hinter dem Altar-Kruzifix positioniertes graues Theater-Kreuz fungierte in der Kirche als Mahnung und Projektionsfläche für die deutsche Übersetzung.

Inszeniert hat die Oper Klaus Rak. Ihm waren natürlich ein wenig die Regiehände gebunden. Geschickt wie möglich nutzte er Kanzel und Emporen, einen kleinen Teil des Altarraumes sowie den langen Gang des Mittelschiffes als Pfad für das nach Auszug aus Ägypten strebende israelitische Volk.

Glanz erhielt diese Meininger Inszenierung auch durch die in dunklen Farbtönen edel schimmernden Gewänder aus der Werkstatt von Annette Zepperitz. Die Solisten des Opernabends, oft einander abgewandt oder gänzlich unsentimental Rücken an Rücken stehend, vermittelten das Gefühl von Ferne und Unberührtheit. Sehr passend, denn die mit dem historischen Stoff verwobene Liebesgeschichte zählt wohl nicht zu den wirklich ergreifenden der Opernliteratur.

Die Leistungen der Sänger, keine ungefährlichen Drahtseilakte des Belcanto, schwankten naturgemäß. Punktgenaue Intonationslandungen bei absteigenden und mit Koloraturen verzierten Kantilenen besaßen Seltenheitswert. In Moses Bass (Ernst Garstenauer) hörte man wenig melodisches Gespür. Zumeist unsauber schleppte sich auch der Sohn des Pharao (Xu Chang) daher, sodass der seine Partie ambitioniert gestaltende Pharao (Dae-Hee Shin) den Kronprinz als singender Herrscher überstrahlte. Die anderen, der von Sierd Quarré einstudierte Chor und die drei Damen - Ute Ziemer (Amaltea), Alla Perchikova (Elcia) und Maida Karisik (Amenofi) - schenkten der Meininger Aufführung den erwartet üppigen wie dramatischen Opernton.

Besten Eindruck hinterließ auch die unter ihrem Interims-Generalmusikdirektor Alexander Steinitz spielende Meininger Hofkapelle. Kontrastreich, niemals im Tempo überzogen, wohl aber mit Sinn für harmonische Färbungen und sehr feine Soli (Flöte, Klarinette) wurde musiziert, wodurch sich das typische Klangbild der Musik Gioacchino Rossinis beinah ungetrübt entfalten durfte.

Die harmonische Synthese von Raum- und Orchesterklang steigerte den Wert des Premierenabends erheblich und war - im rückblickenden Vergleich - so ungewöhnlich wie der Spielort selbst.

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