Lotte in Weimar, ein buchbares Ereignis

Weimar. Das Nationaltheater spielt Thomas Mann im "Elephant", eine hübsche Maßnahme zum Stadtmarketing.

Szenenfoto aus "Lotte in Weimar" mit Krunoslav Sebrek (Wirt Mager) und Anna Windmüller (Lotte Kestner). Foto: Luca Abbiento

Szenenfoto aus "Lotte in Weimar" mit Krunoslav Sebrek (Wirt Mager) und Anna Windmüller (Lotte Kestner). Foto: Luca Abbiento

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Das Essen fällt aus. Wenigstens auf der Bühne. Obgleich Lotte mehrfache Anläufe unternimmt, uns von dieser vermaledeiten Mittagsgesellschaft im Hause Goethe zu unterrichten, das dann einen so deprimierten Verlauf nehmen wird.

Deshalb vielleicht, aber ganz gewiss, weil die beiden Schauspieler mit der Vorstellung dieser Gesellschaft dann doch überfordert wären, streicht Hasko Weber das Essen in seiner dramaturgischen Küche. Und da nun springt der Kooperationspartner "Elephant" ein und offeriert, nach dem künstlerischen Hors d'uvre, das originale, bei Thomas Mann entliehene Lotte-Menü zum Vorzugspreis von 36 Euro.

Es ist sowohl zur Ehre Hasko Webers gesagt als auch des Hotels "Elephant", wenn diese kleine, hübsche Inszenierung eine Marketingmaßnahme genannt wird. Marketing sowohl für das Nationaltheater, dessen Intendant sein Haus auch in der Stadt verorten und verbreiten will, als auch für das Hotel. So wird das Ereignis "Lotte in Weimar" nicht nur buchenswert, wie uns das elephantische Faktotum Mager überliefert, sondern auch und vor allem buchbar, wie uns seine Nachfolger gerne wissen lassen.

Also haben Hasko Weber und seine Dramaturgin Beate Seidel eine Fassung für zwei Schauspieler und ein Zimmer erstellt, bei dem, das kulinarische Bild ein letztes Mal zu traktieren, zwangsläufig Schmalhans der dramaturgische Küchenmeister ist. Die englische Paparazza ist gestrichen, die Begegnungen mit Riemer, Adele Schopenhauer und August Goethe verknappt, und das Ganze geht mehr zu Lasten Goethes als bei Thomas Mann, auch das gute Weimar bekommt seinen Teil, sehr bekömmlich.

Anna Windmüller behauptet ihre hausfrauliche Erregtheit beim Gedanken an die "Ewigkeitswelt", in der sie sich befindet, und insistiert energisch, das alleinige Sujet des alleinigen Buches des alleinigen Goethes zu sein. Krunoslav Sebrek plaudert und windet sich, mit heiterem Antlitz und sprechenden Händen, sehr amüsant durch vier Rollen.

Scharf zu tadeln bleibt, dass in dem hernach angebotenen Lotte-Menü die Pilze fehlen. Da bitten wir Weimarer Kulturbürger doch sehr um Werktreue!

! Nächste Vorstellungen: 6. 10., 19 Uhr (ausverkauft), 26.10., 16 Uhr

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