„Marienleben“ von Hindemith in Jena: Poetische Glut und sachliche Kühle

Jena.  Am Samstag gaben Juliane Banse und Liese Klahn in der Jenaer Rathausdiele einen Liederabend von exzellenter musikalischer Qualität. Eine Rezension.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Auf dem Programm stand Paul Hindemiths Liederzyklus „Das Marienleben“ opus 27.

Die Sopranistin Juliane Banse zählt zu den international herausragenden Sängerinnen ihrer Generation und hat sowohl im klassisch-romantischen Opern-, Oratorien- und Liedrepertoire als auch im Bereich der Klassischen Moderne Hervorragendes geleistet. Ihre Liedbegleiterin war die in Weimar lebende Pianistin Liese Klahn, die neben Juliane Banse auch Christiane Karg und Thomas Quasthoff begleitet hat. Sie ist eine geschätzte Kammermusikpartnerin und hat mit ihrer künstlerischen Konzeption der Reihen „Klingendes Schloss“ und „MelosLogos“ in Weimar hohe Maßstäbe gesetzt.

Paul Hindemith komponierte die Urfassung seines „Marienlebens“ in den Jahren 1923 und 1924 nach dem 1912 entstandenen fünfzehnteiligen Gedichtzyklus von Rainer Maria Rilke. Glenn Gould hielt Hindemiths „Marienleben“ für den größten Liedzyklus, der je geschaffen wurde. Diese Einschätzung muss man keineswegs teilen, doch die Zuhörer in der Jenaer Rathausdiele spürten vom ersten Lied (Geburt Mariä) an, wie Juliane Banse genau den Ton traf, den Paul Hindemiths Liedklang erfordert. Es war, als ob die mystisch durchglühte, lichtdurchflutete Poesie Rilkes von einer kompromisslosen Konstruktion, von einem härteren Klangmaterial ummantelt und geschützt wird. Das verlangte der Sängerin stimmlich und gestalterisch außerordentlich viel ab und stellte ebenso die Pianistin vor enorme Anforderungen.

Die stimmliche Intensität, mit der Juliane Banse den gesamten Zyklus sang, beeindruckte das Publikum ebenso wie die Differenziertheit und der Reichtum ihrer künstlerischen Gestaltungskraft. Juliane Banse und Liese Klahn spannten durch Gesang und Klavierbegleitung einen weiten sakral-kühlen Innenraum auf, den es braucht, damit Rilkes Verse von der Geburt, vom Leben, Leiden und vom Tod Marias ihre poetische Glut entfalten können. Das Publikum dankte mit lang anhaltendem Applaus.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.