Naturtheater Bauerbach inszeniert blutige Machtkämpfe

Bauerbach (Landkreis Schmalkalden-Meiningen). Mit dem Stück "Die wundersamen Träume des Dr. Ritter in Bauerbach" soll Friedrich Schiller ein theatralisches Denkmal gesetzt werden.

Mit seinem Freund Posa (Michael Voigt) will Karlos (Stefan Schael) sein Jahrhundert aus den Angeln heben. Foto: L. Plaschke

Mit seinem Freund Posa (Michael Voigt) will Karlos (Stefan Schael) sein Jahrhundert aus den Angeln heben. Foto: L. Plaschke

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Bevor sich am Samstag um 20.30 Uhr - nein, nicht der Vorhang hebt, denn wir sind im Grünen - bevor sich also die Scheinwerfer richten werden auf einen bunten historisch-literarischen Reigen auf naturbelassener Bühne, ist in dem Dörfchen nahe Meiningen die Aufregung faktisch mit Händen zu greifen. Denn auf die sichere Bank eines publikumserprobten Stückes haben sich die Bauerbacher diesmal nicht gesetzt.

Sein 55. Jubiläum würdigt das südthüringische Naturtheater mit einer wunderbaren Idee, die eigentlich auf der Hand lag. Die theaterbesessenen Laienspieler erzählen in dem eigens dafür geschriebenen Stück "Von den wundersamen Träumen des Dr. Ritter in Bauerbach oder Wie man keinem Fürsten dient" und lassen endlich einmal die eigene Geschichte auf der Bühne lebendig werden.

Stefan Schael als Autor, Regisseur und Darsteller

Spannend muss es gewesen sein, als der von den Schergen des Herzogs Carl Eugen zu Württemberg verfolgte Dichter unter jenem Pseudonym in dem kleinen südthüringischen Dörfchen nahe Meiningen Zuflucht fand. An dem Gut der Henriette von Wolzogen, dem heutigen Schillermuseum, kommt eh kein Bauerbachbesucher vorbei, und nun dominiert der in windschiefer künstlerischer Version hingezauberte Fachwerkbau die rechte Holunderfront des Naturtheaters, während links unter den alten Bäumen ein imposanter schiefer Turm auf den alten Miller wartet.

Genau, jenen Vater jener Luise, die just in diesen aufregenden Monaten des jungen Dichters Fantasien dominierte. Wie sehr hierin auch Wolzogens hübsche Tochter Chartlotte involviert war, dies und viele andere Zusammenhänge lässt der kunterbunte historische Bilderbogen auf der Naturtheaterbühne nacherleben.

Denn als Initiator und feinsinniger spiritus rector hat sich Stefan Schael eine "bürgerliche historien-dramatische Tragikomödie" einfallen lassen, für die er in Personalunion als Stückautor, Regisseur und Darsteller verantwortlich zeichnet. Man erinnert ihn hier nicht nur als langjährigen Schauspieler in großen Rollen am Staatstheater Meiningen, sondern setzt auf seine Regieerfahrung, unter anderem beim Shakespeare in Bauerbach.

Nun also bedient sich Stefan Schael in seiner frappierenden Hommage der beiden Stücke um Luise Millerin und Don Karlos, mit denen Schiller in jener Asylzeit schwanger ging. Und das unorthodoxe Mit- und Gegeneinander der Figuren wird geschickt legitimiert durch den Traumstatus, in dem einem von Liebeswirren und herzoglichen Schergen bedrängten Dichter schon mal etwas durcheinander geraten kann.

Den szenischen Aufregungen im Schillerschen O-Ton, die im flotten Wechsel die Bühnenmitte unter der Holzbrücke bevölkern, liefern die wundersamen Klänge einer schwedischen Cello-Formation eine emotionale Entsprechung.

Der überzeugenden Stückidee folgen die Laiendarsteller mit Hingabe. Die Doppelrollen - Jessica Meier als Luise und Charlotte sowie Thomas Voigt als Ferdinand und Witzelmann, Wolzogens Schwiegersohn in spe - sind von inhaltlicher Duplizität. Um allerdings all die anderen Rollen besetzen zu können, benötigten die Bauerbacher Unterstützung aus der Region. Sogar das Mettheater von Mellrichstadt hat beigesteuert.

Von dort kommt auch Rudi Ledermann, studierter Agraringenieur, der sich mit viel historischer Detailkenntnis in der Titelrolle eingerichtet hat. Mit Rotschopf und schlacksiger Lässigkeit gerät der erfahrene Darsteller dem überbrachten Schillerbild überraschend nah, und auf dem Schreibtisch des mit der Feder fuchtelnden Stürmers und Drängers fehlen auch die angefaulten Äpfel nicht.

Leidenschaftliche Liebeshändel und blutige Machtkämpfe als Schillers große dramaturgische Leidenschaften beleben auch seine Geschichte um den spanischen Infanten Karlos, mit dem das Naturtheater, im Kontext des aktuellen Thronwechsels in Spanien hier in der ersten Liga spielt. Mit Stefan Schael als jener Königssohn, der sein Jahrhundert in die Schranken zu fordern gedenkt, holt sich ein Profi die Laienpartner auf Augenhöhe. So auch den Marquis von Posa, als der Michael Voigt die Schillersche Gedankenfreiheit einfordert.

Eine wunderbar stücktragende Idee ist die Magd Judith. Einer historischen Wolzogenschen Bediensteten nachempfunden, darf sich Sarina Schielke mit resoluten Vorwürfen sogar in Schillers Schreiberei einmischen. Gedankenfreiheit ist ihr eher wurscht, aber ein Happyend für Luise ist doch das Mindeste, findet die Bauerbacher Magd, im wirklichen Leben Krankenschwester.

Premiere Samstag um 20.30 Uhr, Karten kosten 10 Euro an der Abendkasse. Weitere Vorstellungen und Karten unter: info@naturtheater-bauerbach.de

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