Stehende Ovationen für Heinz Rennhack in Eisenach

Eisenach. Der 77-jährige Komödiant spielt am Theater Eisenach Molières "Der Geizige" und das Ensemble spielt gut mit.

Heinz Rennhack als Harpagon in Eisenach, dahinter eine hysterische Gesellschaft. Foto: Inka Lotz

Heinz Rennhack als Harpagon in Eisenach, dahinter eine hysterische Gesellschaft. Foto: Inka Lotz

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Was für ein armes Würstchen, dieser reiche Harpagon! Ihm kam die Liebste abhanden. Jetzt quält es ihn. Er windet sich auf dem Boden, der ihm unter den Füßen schwand. Er fleht, er betet, er schluchzt, sie möge doch wiederkehren. Was Liebeskranke eben so machen.

Man möchte ihn fast in den Arm nehmen und trösten. Aber eher möchte man ihm eine reinhauen. Sein "Herzensschatz", sein "Ein und Alles" ist nicht die junge Mariane (Jannike Schubert), die er zu ehelichen gedenkt, die aber mehr noch sein Sohn Cléanthe (Raphael Kübler) begehrt. Untröstlich trauert er der Geldkassette nach, die er im Garten vergrub, aus dem sie nun verschwunden ist. Diese komische Verzweiflung, wenn Harpagon am Tiefpunkt ist, ist der Höhepunkt in der Darstellung, wie sie der 77-jährige Komödiant Heinz Rennhack am Theater Eisenach abliefert - wofür Tankred Dorst seine Textfassung von 1967 extra auffrischte.

"Der Geizige" ist eine Rolle, die Molière vor 350 Jahren zunächst sich selbst zum Geschenk machte und fortan vielen Schauspielergenerationen. Rennhack hat die Kraft und das Vermögen, es anzunehmen und ans Publikum weiterzugeben.

Dafür wurde er bei der Premiere bejubelt und mit stehenden Ovationen gefeiert. Sein Harpagon ist dabei gleichsam eine Altersvariante seines habgierigen August Deibelschmidt, der im DDR-Fernsehen "Spuk im Hochhaus" trieb. Krank vor Geiz, kommt er nun asthmatisch, fußlahm, panisch daher.

Die Autorität, die ihm allein Geld verleiht, müssten andere spielen. Das tun sie leider nicht; es bleibt etwas unklar, weshalb sie den Kerl lange nicht links liegen lassen. Gleichwohl gelingt Peter Bernhardts Inszenierung über weite Strecken, den Protagonisten einzubinden in ein Ensemble, das im Lustspiel eine hysterische Gesellschaft mit Lust laut und deutlich spielt.

! Nächste Vorstellungen: 10. & 11. Oktober. Karten: 10 bis 21 Euro. Ab dem 24. Oktober auch in Meiningen.