Das Wort „Wunderkind“ hören sie nicht gern

Kälberfeld  Familie der 13 Jahre jungen Pianistin ist seit Kurzem in Kälberfeld zu Hause. Eltern stellen ihr Leben in den Dienst der musikalischen Talente ihrer Kinder, denn auch der Sohn vermag Beachtliches

Familie Hahn im Proberaum von Tochter Laetitia, die bereits als Pianistin unterwegs ist und Konzerte gibt. Die Eltern Christian und Annette unterstützen ihre Kinder, auch die Ausbildung von Sohn Philip, der ebenfalls ein Ausnahmetalent am Klavier ist.

Familie Hahn im Proberaum von Tochter Laetitia, die bereits als Pianistin unterwegs ist und Konzerte gibt. Die Eltern Christian und Annette unterstützen ihre Kinder, auch die Ausbildung von Sohn Philip, der ebenfalls ein Ausnahmetalent am Klavier ist.

Foto: Jensen Zlotowicz

Triviale Klavierstücke wie „Für Elise“ würde Laetitia Hahn nie spielen, obwohl die Pianistin Beethoven mag. Sie mag tatsächlich auch Rockmusik von „Guns N‘Roses“. Die 13-Jährige ist ein nachgewiesen hochbegabtes Kind, bereits als Pianistin unterwegs und baut im nächsten Jahr bereits ihr Abitur. In die Schule kam sie als Vierjährige. Da spielte sie den „Türkischen Marsch“ am Klavier, ohne groß dafür zu üben. Mit zehn Jahren hatte Laetitia ein 90-Minuten-Programm drauf.

Ihr jüngerer Bruder Philip (7) steht ihr kaum nach. Auch er ist hochbegabt und spielt bereits virtuos Klavier, wird zum Teil von den selben Lehrern unterrichtet.

Im Haus der Familie Hahn in Kälberfeld ist noch längst nicht alles perfekt. Dazu fehlte in den wenigen Wochen seit dem Einzug die Zeit. Die Familie ist viel auf Achse, zu Konzerten oder zum Klavierunterricht. Die Eltern stellen ihr Leben seit Jahren in den Dienst der Talente der Kinder. Eigentlich bräuchten die Rastlosen kein Haus.

Schon TV-Auftritte und im Duett mit Lang Lang

Der Umzug aus Nordrhein-Westfalen über Rheinland-Pfalz nach Kälberfeld ist der zentralen Lage und der Klavierausbildung der Kinder geschuldet. „Wir haben etwas in Thüringen an der A4 gesucht“, sagt Vater Christian Hahn. Die Familie pendelt zwischen Hannover, Zürich, Weimar und Frankfurt, wo Laetitia unterrichtet wird oder studiert. Das tut sie seit eineinhalb Jahren an einer Fachhochschule in der Schweiz. Etwa 60 000 Kilometer pro Jahr ist die Familie mit dem Auto unterwegs.

Welche Schule Laetitia und Philip jetzt besuchen, das wollen die Eltern nicht erzählen. Die Situation mit zwei hochbegabten Kindern war in der Vergangenheit mit Schulen und neidischen Eltern nie leicht. Es lagen reichlich Steine im Weg, erzählt der Vater, ein Immobilienmakler. Es gab diverse Schulwechsel. Viele Schul- und Studienaufgaben erledigt Laetitia auf dem Tablet-Computer, oft im Auto.

Vater Christian managt seine Kinder, die schon Fernsehauftritte hatten, etwa bei „TV total“. Mit dem Star-Pianisten Lang Lang hat Laetitia schon gemeinsam im chinesischen Fernsehen gespielt. Nur Dieter Bohlen hätte man einen Korb gegeben. Die Überschrift „Wunderkind“ lesen die Eltern nicht gerne, denn es treffe die Sache nicht. Außer Begabung brauche es nämlich Disziplin, Musikalität und Technik, wenngleich diese im internationalen Maßstab nicht mehr das Nonplusultra sei. Man könne sich wie die Asiaten zum Beispiel acht Stunden täglich beim Üben quälen. Wichtiger ist für Hahns aber Musikalität und Authentizität.

Gigantisch schnell zu spielen, sei nicht das Maß der Dinge. Beim Schimmel-Wettbewerb seien die Hahn-Kinder die einzigen gewesen, die das dort aufgestellte Trampolin unbefangen und frei von künstlichen Attitüden genutzt hätten.

Dass die Eltern von Laetitia und Philip Hahn keine Musiker sind, habe im Management schon Nachteile, sagt der Vater. Die meisten Orchester-Konzerte würden über „Vitamin B“, also Beziehungen, vermittelt und da seien Musiker mit ihrem Netzwerk im Vorteil. Hahn akquiriere aber keine Auftritte. Die beiden Kinder nehmen mit Erfolg an diversen Klavier-Wettbewerben teil. Konzerte wie jetzt zum Jahreswechsel mit der Klassikphilharmonie in Hamburg kämen auf Anfrage zustande.

Liszt und Beethoven sind Lieblingskomponisten von Laetitia Hahn, Chopin weniger. Ihr Repertoire ist schon enorm. Zwei- bis dreimal im Jahr wird das Programm gewechselt. Es gibt Stücke, die spielt Laetitia noch nicht, Rachmaninoff zum Beispiel. „Bei solchen Griffen würde sie sich die Finger kaputt machen“, weiß der Vater. Als Pianistin will ein gutes Maß zwischen Ehrgeiz und Gesundheit gefunden werden. Im Haus der Neukälberfelder stehen natürlich zwei Klaviere. Und bei den Auftrittsreisen sind zwei E-Pianos an Bord. Laetitia steht in Kürze beim Klavierhersteller Kawai unter Vertrag. „Die Marke spielt auch Grönemeyer“, sagt das aufgeweckte Mädchen, das nebenbei auch durch ihren Händedruck imponiert.

Was sie sich wünscht? Ein Auftritt mit der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach oder ein Konzert auf der Wartburg wären Träume. Der Unterricht beim Meisterlehrer Dmitri Bashkirov sei derweil schon greifbar.

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