Denkmal für einen weltberühmten Erfurter eingeweiht

Erfurt. Im Boden vor der Predigerkirche sind Sprüche Meister Eckharts nachzulesen. Der mittelalterliche Mystiker soll ins Bewusstsein gerückt werden.

Pfarrer Holger Kaffka, der Gestalter Marc Oschmann und Wissenschaftler Dietmar Mieth (von links) mit einem der sieben in den Boden eingelassenen Sprüche des neuen Meister- Eckhart-Denkmals vor der Predigerkirche. Foto: Susann Fromm

Foto: zgt

Meister Eckhart ist einer der berühmteste Erfurter Bürger weltweit - und doch wissen die Erfurter mit ihm noch nicht so recht etwas anzufangen. Das soll sich ändern. Gestern wurde vor dem Hauptportal der Predigerkirche ein Denkmal eingeweiht, das auf das Wirken des mittelalterlichen Mönchs, Sprachgewaltigen und Mystikers hinweist.

Sieben Lehren aus seinen Gesprächen mit den Dominikanermönchen in Erfurt sind dort als stählerne Bänder in neu verlegte Sandsteinplatten eingelassen. Drei Beispiele:

  • Der Mensch ist der beste, der entbehren kann, was ihm nicht not tut
  • Bist du gerecht, so sind auch deine Werke gerecht
  • Soweit du in Frieden bist, soweit bis du in Gott

Fast 100 Menschen verfolgten die Einweihung des Denkmals, das ein weiter Schritt sein soll, Meister Eckhart ins Bewusstsein der Erfurter und ihrer Gäste zu rücken. Predigerkirche und Predigerkloster sind die einzigen authentisch erhaltenen Orte aus dem Leben Eckharts.

Entworfen hat das Denkmal der Erfurter Mediengestalter Marc Oschmann im Auftrag der evangelischen Kirche, die auch das Geld dafür gab. Angefertigt hat es Metallgestalter Hans Reiche aus Gospiteroda.

"Wir haben uns bewusst für diese Sorte Stahl entschieden, die Rost bildet und sich damit selbst vor weiterem Verfall schützt", erläuterte Oschmann. Im Laufe der Zeit würden die Spruchbänder dunkler, die Buchstaben deutlicher. Die Bänder seien links und rechts des Eingangs so angeordnet, dass sie wie ein Trichter in die Kirche führen.

Dietmar Mieth, Präsident der Meister Eckhart-Gesellschaft und Leiter der Meister Eckhart-Forschungsstelle am Max Weber Kolleg der Uni erläuterte, wie bedeutend das Werk des Mönchs ist, der in Tambach geboren wurde, 1294 bis 1298 in Erfurt lebte und 1303 aus Paris als Magister (deutsch: Meister) hierher zurückkehrte.

"Er war ein Künstler der Worte. Wer heute von Bildung redet, benutzt ein Wort, das Meister Eckhart geprägt hat. Dies gilt auch für das Wort Wirklichkeit", das Eckhart aber im Sinne von "Tätigkeit" gebraucht habe, sagte Mieth, der mehrere Werke über Eckhart verfasst hat.

Er verwies darauf, das der Mystiker weltweit hohes Ansehen genieße, so sei sein Werk vollständig ins Japanische übersetzt und in England gibt es eine eigene Eckhart-Gesellschaft.

In Erfurt hingegen "wird Eckhart noch nicht einmal im Stadtmuseum erwähnt", sagte Predigerpfarrer Holger Kaffka. Er kündigte an, dass der Mystiker auch in der Predigerkirche selbst sichtbarer würde.

Eine Statue oder ein Bild sind dort allerdings nicht möglich, weil niemand weiß, wie Eckhart tatsächlich ausgesehen hat. Alle drei Jahre soll es künftig in Erfurt Meister-Eckhart-Tage geben, sagten Kaffka und Mieth. 2013 fanden sie erstmals statt.

Bei der Predigergemeinde wurde zudem ein eigenes Büro eingerichtet, in dem sich auch Forscher aus Großbritannien niederlassen wollen. Auch wurden schon im Sommer rund 40 Gästeführer mit Eckhart vertrauter gemacht.

Zu dem gestern eingeweihten Denkmal gibt es eine Broschüre. Sie listet die sieben Sprüche auf, erläutert sie und gibt Einblicke in Eckharts Leben und Wirken, auch in Erfurt. Erhältlich ist sie in der Predigerkirche und im benachbarten Café Paul.

Weitere Informationen www.meister-eckhart-erfurt.de

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