Der „Weibliche Blick“ und eine Ermunterung

Erfurt  Im Kunsthaus Erfurt endet am Freitag die Ausstellung „The Female Gaze“: Drei Wortmeldungen und ein Resümee.

Kuratorin Isabelle Meiffert (links) und Monique Förster, Leiterin des Kunsthauses, vor einem unbetitelten Gemälde von Egle Otto.

Kuratorin Isabelle Meiffert (links) und Monique Förster, Leiterin des Kunsthauses, vor einem unbetitelten Gemälde von Egle Otto.

Foto: Franziska Gräfenhan

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Das Spielerische, das Lächelnde, der Humor! Lelah Ferguson muss nicht lange nachdenken, um zu sagen, was für sie von der Ausstellung haften bleibt. Das Thema sei ja mit einiger Schwere beladen. Der Blick auf den eigenen Körper, auf die eigene Sexualität prallt auf Rollenbilder und Schönheitsideale. Da gibt es viele Tabus, viel Sprachlosigkeit, viel Scham. Vor allem die Videoinstallationen haben gezeigt, wie man auch anders damit umgehen kann. Eine Ermutigung für Frauen, findet sie, zu sein, was man will und kann, nicht, was man darf.

Lisa Haubner war überrascht, wie dieses Thema in der Kunst angekommen und von ihr reflektiert wird. Spannend fand sie vor allem die Arbeiten von Selma Alacam, die den weiblichen Körper hinter orientalischem Muster zeigt. Die einen verfangen sich beim Betrachten in den verschlungenen Ornamenten, andere würden den Anblick der nackten Frau als Provokation empfinden. Für sie eine sehr sinnfällige Metapher dafür, wie hartnäckig der Blick auf die Frau auch von kultureller Prägung abhängt. Rosmarie Weinlich hatte im Windschatten der #MeToo-Debatte eine Ausstellung sehr lauter Postulate erwartet. Statt dessen fand sie sehr leise, innige, zarte Töne in den Arbeiten. Das hat sie berührt und ihr selbst sehr intime Momente gegeben. Weil mich, beschreibt sie, viele Arbeiten auf eine intelligente Weise zu mir selbst geführt haben. Zu einer Selbstbefragung nach eigenen Zwängen, Klischees, Unsicherheiten, Komplexen beim Blick auf den eigenen Körper. Ein Thema, an dem sich Frauen ein Leben lang abarbeiten.

Drei Wortmeldungen von Frauen nach dem Besuch im Erfurter Kunsthaus. Zehn Künstlerinnen hatten ihren sehr eigenen Blick auf Körper, Liebe und Sexualität gezeigt. Heute geht die Ausstellung zu Ende.

Wir hatten, resümiert Leiterin Monique Förster, eine wunderbare Resonanz mit einem Publikum das altersmäßig gut gemischt war. Für das Kunsthaus ist das eher ungewöhnlich. Die Arbeiten haben viele Gespräche provoziert, viel Selbstreflexion. Sicher, es gab auch Besucher, die sich überrumpelt gefühlt haben, von den Arbeiten. Aber sehr viele sind schnell zur eigenen Biografie gekommen. Die Spuren, die die Zeit im Körper hinterlassen, und wie man damit umgeht. – Darüber zum Beispiel wurde viel gesprochen. Für Monique Förster war das der prägende Eindruck. Weil es zeigt, wie sehr dieses Thema einen Nerv trifft: Wie subtil Frauen von Körperbildern geprägt werden, wer sie bestimmt und was das über Macht erzählt. Und: Es wurde viel gelacht in den Ausstellungsräumen. Ein wenig Selbstironie, mehr Leichtigkeit und Humor haben im Umgang mit schwierigen Themen immer etwas Befreiendes. Auch ein schöner Effekt.

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