Drei Kobolde mit Fernweh

Großbreitenbach  Der Zeichner der „Abrafaxe“ ist in Großbreitenbach geboren worden. Jetzt verewigt er sich im Ehrenbuch der Stadt

Thomas Schiewer (sitzend rechts) bekommt das Ehrenbuch gereicht. Die Kobolde aus dem „Mosaik“, die Abrafaxe, sind berühmter als er – also zeichnete er sie mit gekonnten Strich in das Buch. Viele „Mosaik“-Fans schauten zu.

Thomas Schiewer (sitzend rechts) bekommt das Ehrenbuch gereicht. Die Kobolde aus dem „Mosaik“, die Abrafaxe, sind berühmter als er – also zeichnete er sie mit gekonnten Strich in das Buch. Viele „Mosaik“-Fans schauten zu.

Foto: Karl-Heinz Veit

Das „Mosaik“, jene Hefte, die zu DDR- Zeiten so schwer zu ergattern waren und deren aktuelle Ausgaben bis in unsere Zeit vielen gelesen werden, kennt jeder. Historische Ausgaben zählen zu den begehrten Raritäten jedes Trödelmarktes. Dig und Dag und Digedag, das wissen nur die Älteren, sind jene Comicfiguren, die einst vom Zeichner Hannes Hegen (im hohen Alter verstarb er vor wenigen Jahren) bereits in den 1950er-Jahren das Licht der Welt erblickten und fortan Heft für Heft durch eine grenzenlose Welt und durch die Menschheitsgeschichte stapften.

Unzählbar sind die Abenteuer, die sie erlebten.

Manch einer der Älteren hat nicht zuletzt aus dem Mosaik ein gehöriges Maß Wissen und Anschauung über die Welt geschöpft. Damals, im umzäunten, kleinen Land, war es nur den Comicfiguren, aus denen später die Abrafaxe wurden, gestattet, alle Grenzen schadlos zu überwinden. Die Leser und Bildbetrachter der spannenden Geschichten mussten mit Fernweh daheim bleiben.

Im Pressegespräch zur Vorbereitung der Sonderausstellung im Thüringer Wald-Kreativmuseum „Die Abrafaxe in Großbreitenbach“ tauchten Bürgermeister Hans Jürgen Beier (parteilos) und Museumsleiterin Annelie Wilhelmi noch einmal tief in die Mosaik-Erinnerungswelten und in eine besondere Beziehung der Mosaikhefte zur Stadt ein. Man hatte nämlich herausgefunden, dass der „Mosaik“-Zeichner der Abrafaxe, Thomas Schiewer, ein Großbreitenbacher ist.

Da lag nichts näher, als ihn, der in Großbreitenbach geboren wurde, dann als Zweijähriger mit den Eltern und deren Arbeit wegen nach Hennigsdorf zog, um eine Sonderausstellung zu bitten. Am Samstagnachmittag begrüßte Bürgermeister Beier in Anwesenheit von Ilm-KreisLandrätin Petra Enders (Linke) Thomas Schiewer mit Gattin zur Ausstellungseröffnung – und eine große Schar ältere, aber auch ganz junge Gäste.

Die Gelegenheit, dem Zeichner der Abrafaxe bei der Arbeit, die üblicherweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit erledigt wird, zuzuschauen, wollten sich die „Mosaik“-Fans, darunter auch der Bürgermeister, nicht entgehen lassen.

Ehe sich Schiewer an den Arbeitstisch setzte, erzählte er aus seinem Leben und von Großbreitenbach, wo er als Kind bei der Oma oft zu Gast war. „Am liebsten kam ich hierher, weil mir die Tante, die in Langewiesen auf der Post arbeitete, Mosaik-Heftchen schenkte. Die habe ich gehütet wie einen Schatz.“ Das Zeichentalent bekam Schiewer in die Wiege gelegt. Und es konnte nicht anders kommen, dass er auf Umwegen zu seiner wirklichen Profession fand und nunmehr 18 Jahre die Abrafaxe, seine Abrafaxe, ins Mosaik Heft zeichnet.

Am Samstag verewigte er diese abenteuerlustigen Comic-Figuren im „Ehrenbuch der Stadt Großbreitenbach“, und die Ausstellungsbesucher durften ihm dabei zuschauen.

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