Dubiose Geldflüsse - der MDR taumelt

Politiker in Thüringen und Sachsen-Anhalt haben eine Sondersitzung des MDR-Fernsehausschusses zur Affäre um Unterhaltungschef Foht gefordert. Am Dienstag soll die arbeitsrechtliche Anhörung von Foht beim MDR stattfinden. Er bleibt vorerst suspendiert.

Intendant Udo Reiter schreibt in einem internen Brief an die MDR-Spitze von einer veruntreuten Summe im sechsstelligen Bereich. Foto: Sebastian Willnow/dapd

Intendant Udo Reiter schreibt in einem internen Brief an die MDR-Spitze von einer veruntreuten Summe im sechsstelligen Bereich. Foto: Sebastian Willnow/dapd

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Erfurt. Der MDR hatte offenbar bereits Ende Mai Hinweise für verdächtige Geldtransfers des inzwischen suspendierten Unterhaltungschefs Udo Foht.

Mit der Aufklärung der Vorgänge wurde derselbe externe Gutachter beauftragt, der seit dem Millionen-Skandal beim Kinderkanal die Kontrollmechanismen des öffentlich-rechtlichen Senders überprüft.

Das geht aus einem unserer Zeitung vorliegenden internen Schreiben von MDR-Intendant Udo Reiter an die Aufsichtsgremien des Senders hervor. Ingmar Weitemeier, der frühere Chef des Landeskriminalamtes in Mecklenburg-Vorpommern, erhielt dafür im Mai den Auftrag. Offenbar fielen den Experten für Wirtschaftskriminalität bei ihren Untersuchungen die neuen dubiosen Geldflüsse auf.

Von der Ausweitung des Untersuchungsauftrages erfuhren die Aufsichtsgremien erst jetzt im August. Laut Reiter erhielt der Sender am 26. Juli den "entscheidenden Hinweis" im Fall Foht, sodass der Unterhaltungschef einen Tag später suspendiert werden konnte. Zugleich erstattete der MDR Anzeige bei der Staatsanwaltschaft wegen Betruges und Bestechlichkeit.

MDR-Sprecher Dirk Thärichen lehnte gestern eine Stellungnahme ab. "Um die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nicht zu gefährden, wird der MDR im Zusammenhang mit den aktuellen Vorwürfen gegen Udo Foht keinerlei Informationen mehr nach außen geben", erklärte er lediglich.

Das war die einzige Reaktion des öffentlich-rechtlichen Senders auf immer neue Details zur jüngsten Affäre. In seinem Schreiben vom Freitag erklärt Reiter zu den in den vergangenen Tagen erhobenen Stasi-Vorwürfen gegen Foht, dass nach Ansicht des Personalausschusses des MDR-Rundfunkrates eine Weiterbeschäftigung "ohne Konsequenzen zumutbar" war.

Der Spiegel hatte gestern berichtet, dass eine Schweizer Musik- und TV-Produktionsfirma vom MDR Schadenersatz von einer Million Euro fordert, weil Foht eine Sendung in Auftrag gegeben haben soll, die nie produziert wurde.

Ein ähnlicher Fall wird bereits in dem internen Schreiben an die MDR-Aufsichtsgremien erwähnt. Reiter nennt Burda-Vorstand Philipp Welte, der persönlich an "Vorfinanzierungen" von Sendungen beteiligt gewesen sein solle. Ein Verfahren, das offenbar nicht mit der Herstellungsordnung des MDR vereinbar ist.

Carsten Meyer, Landtagsabgeordneter der Thüringer Grünen und Rundfunkrat, kritisierte gegenüber unserer Zeitung die "Unternehmenskultur" des gebührenfinanzierten Senders. Der Linke-Medienexperte in Sachsen-Anhalt, Stefan Gebhardt, fordert eine Sondersitzung des Fernsehausschusses. "Es muss Schaden vom Sender abgewendet werden - wenn das überhaupt möglich ist", sagte er. Die Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fordern vom MDR zusätzliche Aufklärung in dem Fall, da sich die Regierungen offenbar nicht ausreichend unterrichtet fühlen. Ein Fragenkatalog wurde bereits am Freitag zugesandt.

Der MDR kommt nicht zur Ruhe

Zur neuerlichen Finanzaffäre des MDR sind in den vergangenen Tagen weitere Details bekannt geworden. Produktionsfirmen hatten sich gemeldet, von denen der inzwischen suspendierte MDR-Unterhaltungschef Udo Foht Gelder gefordert haben soll. Offenbar tat er das auch im Namen des Mitteldeutschen Rundfunks.

Namen von Prominenten wie dem Burda-Vorstand Philipp Welte oder Volksmusikproduzenten Hans R. Beierlein werden in Verbindung mit der Affäre genannt. Intendant Udo Reiter selber erwähnt den Burda-Manager in einem internen Schreiben vom vergangenen Freitag. Der Spiegel berichtet, dass Welte dem MDR-Mann Foht 30.000 Euro geliehen haben soll. Laut Reiter als "Vorfinanzierung" für eine Fernsehshow, die nie produziert wurde.

Aufgefallen waren die dubiosen Geldtransfers des Unterhaltungschefs aber erst, als im Zuge der Affäre beim Kinderkanal ein externer Gutachter im Mai mit der Untersuchung der internen Strukturen begann.

Bisher sei dem Sender noch kein finanzieller Schaden entstanden, heißt es. Doch berichtete der Spiegel gestern auch, dass beim MDR eine Schadenersatzforderung in Höhe von einer Million Euro für eine bestellte, aber nicht produzierte Sendung eingegangen ist. Sollte die Forderung berechtigt sein, wären die Finanzen des Senders doch wieder unmittelbar betroffen.

Die Politik in den drei Ländern des Mitteldeutschen Rundfunks zeigte sich gestern alarmiert. Stellvertretend für die drei Landesregierungen forderte die Staatskanzlei von Sachsen-Anhalt vom MDR weitere Aufklärung im Fall des suspendierten Unterhaltungschefs. Deutliche Worte, müssen die Politiker doch neue Gebührenerhöhungen ihrem Wahlvolk erklären.

2005 Veränderungen beim MDR angemahnt

Im Einzelnen soll der MDR Rechenschaft über den Untersuchungsauftrag des externen Prüfers ablegen. Die Landesregierungen wollen allerdings auch wissen, was sich seit 2005 getan hat. Bereits damals mahnte ein externes Gutachten zu Veränderungen bei den Vorschriften für die Beschaffung von Programmleistungen. Zudem soll Auskunft über die künftige Zusammenarbeit mit Firmen gegeben werden, die in die Affären verwickelt sind.

Politiker in Sachsen-Anhalt und Thüringen forderten eine Sondersitzung des Fernsehausschusses. Das Gremium ist ein Ausschuss des MDR-Rundfunkrates. Auch diese Forderung liegt auf einer Linie mit den Landesregierungen. Denn auch diese begehren Auskunft, wie der MDR "eine zeitnahe Information der Gremien sicherstellen will".

Am Dienstag arbeitsrechtliche Anhörung von Foht

Für Dienstag ist die arbeitsrechtliche Anhörung des am 27. Juli suspendierten Unterhaltungschefs geplant. Von der Anhörung hängen weitere arbeitsrechtliche Maßnahmen ab. Vorerst bleibe der Unterhaltungschef suspendiert, hieß es.

Die Affäre trifft den MDR zu einer ungünstigen Zeit. Der Sender war gerade auch mithilfe des externen Gutachters dazu übergegangen, die Folgen des Kika-Skandals aufzuarbeiten. Der frühere Produktionsleiter des Kinderkanals, Marco K. wurde vom Landgericht Erfurt wegen Untreue und Bestechlichkeit zu fünf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.

Chronologie der Affäre Udo Foht

  • Am 26.Juli erhält der MDR den entscheidenden Hinweis im Fall Foth.
  • Am 27. Juli wird Unterhaltungschef Udo Foht suspendiert, zudem ergeht ein Hausverbot.
  • Am gleichen Tag erstattet der MDR Anzeige.
  • In zwei Pressemitteilungen erfährt die Öffentlichkeit von den Vorgängen.
  • Am 28. Juli erscheint ein erster Zwischenbericht im Fall Foht von der Untersuchungskommission.
  • Am 29. Juli reicht der MDR die Rechercheergebnisse an die Staatsanwaltschaft Leipzig weiter.
  • Am 1. und 5. August informiert der MDR inSchreiben die Aufsichtsgremien über den Fall.

Schaden im Kika-Skandal wird auf 8 Millionen geschätzt

Der Produktionsleiter soll unbemerkt etwa 4,6 Millionen Euro in den Jahren 2005 bis 2010 beiseite geschafft haben, um seine Spielsucht finanzieren zu können. Ein vom MDR in Auftrag gegebenes Gutachten beziffert den Gesamtschaden auf etwa 8 Millionen Euro.

Kommentar von Kai Mudra

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