Eine einzigartige Sammlung für Weimar

Weimar  „Musica Judaica“ an die Hochschule für Musik übergeben. Die Sammlung enthält seltene Buch- und Notendrucke

Nach der Übergabe der Sammlung „Musica Judaica“ des Berliner Historikers Jürgen Gottschalk. Das Bild zeigt von links: Matthias Gottschalk, Jascha Nemtsov und Christoph Meixner, Leiter des Hochschularchivs.

Nach der Übergabe der Sammlung „Musica Judaica“ des Berliner Historikers Jürgen Gottschalk. Das Bild zeigt von links: Matthias Gottschalk, Jascha Nemtsov und Christoph Meixner, Leiter des Hochschularchivs.

Foto: Maik Schuck

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Sie besteht aus etwa 4000 teils sehr seltenen Buch- und Notendrucken und ist eine bedeutende Archiv- und Bibliothekssammlung zum Thema Jüdische Musik und Kultur vom Beginn des 19. bis zum Ende des 20. Jahrhunderts. Im Rahmen einer Feierstunde ist sie am Mittwoch offiziell der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ Weimar übergeben worden.

Die Sammlung „Musica Judaica“ des Berliner Historikers Jürgen Gottschalk (1950–2017) soll durch den Lehrstuhl für die Geschichte der jüdischen Musik am Institut für Musikwissenschaft erschlossen und für die Forschung und die Lehre verfügbar gemacht werden.

„Bereits im vergangenen Sommer wurde die Sammlung durch den Sohn des Sammlers und Rechteinhaber, Matthias Gottschalk, an die Hochschule gespendet“, erläutert Prof. Dr. Jascha Nemtsov, der die Erschließung der Sammlung leiten wird. Und so war Matthias Gottschalk nun auch anwesend, um die Übergabe im Hörsaal des Hochschulzentrums am Horn in Weimar förmlich zu vollziehen.

In einem Grußwort würdigte Vizepräsidentin Prof. Anne-Kathrin Lindig den Sammler, die Sammlung und deren Übereignung an die Musikhochschule. Jascha Nemtsov drückte seine Wertschätzung auch als arrivierter Konzertpianist aus, indem er jüdische Musik aus der Sammlung interpretierte, darunter Tanzstücke von Joachim Stutschewsky und Alexander Krein.

Der Schwerpunkt der Sammlung Gottschalk liegt auf der jüdischen Musik; ein Teil ist den verwandten Themen „jüdisches Theater“ und „jüdischer Humor“ gewidmet. In Deutschland ist diese private Sammlung einzigartig. Sie wurde von Jürgen Gottschalk in den letzten 25 Jahren seines Lebens mit viel Engagement und einem beträchtlichen finanziellen Aufwand zusammengetragen. Bibliographische Raritäten aus dem 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts machen etwa die Hälfte der Sammlung aus. Daneben enthält diese eine repräsentative Auswahl an Standardliteratur.

An der Hochschule ist geplant, die Raritäten der Sammlung in Form eines Findbuches zu erfassen, zu beschreiben und auszuwerten. Das Findbuch „Raritäten der Archiv- und Bibliothekssammlung Musica Judaica von Jürgen Gottschalk“ soll in der Schriftenreihe „Jüdische Musik. Studien und Quellen zur jüdischen Musikkultur“ im Harrassowitz-Verlag (Wiesbaden) erscheinen. Als weiterer Schritt ist eine Digitalisierung und anschließende Internet-Veröffentlichung einiger ausgewählter, bibliografisch besonders wertvoller Ausgaben aus der Sammlung angedacht.

Der Sammler Jürgen Gottschalk wurde 1950 in Berlin als Sohn eines Tiefbauunternehmers geboren. Bis zu Beginn der 1990er-Jahre war er Konservator der Numismatischen Sammlung im Museum für Deutsche Geschichte im Zeughaus Berlin. Darüber hinaus arbeitete er am Forschungsinstitut für Museumswesen und im Deutschen Verlag der Wissenschaften. Nach dem Ausscheiden aus dem Arbeitsleben , widmete er sich allein dem Aufbau der Sammlung „Musica Judaica“. (red)

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