Bornhagen: Mittelalterfilm im Kasten

Die Dreharbeiten zum Film "Der Medicus" sind beendet, und in der Burgruine Hanstein kehrt wieder Ruhe ein. Landschaftsbauer Stephan Zinke und seine Mitarbeiter gehören zu den letzten, die noch im Gemäuer zu tun haben.

Edgar Hartleib, Timo Herold und Stephan Zinke (von links) rollen den neuen Rasen aus. Dort war vorher ein komplettes Dorf aufgebaut. Foto: René Weißbach

Foto: zgt

Bornhagen. Viel ist nicht mehr zu erkennen von den aufwendigen Bühnenbauten, die im Rahmen der Dreharbeiten für den Mittelalter-Film "Der Medicus" rund um die Burg Hanstein installiert worden waren. Die täuschend echt wirkenden Mauern aus Pappmaschee sind nun ebenso verschwunden wie die großen Zeltstädte am Fuß der Burg. Lediglich ein paar tiefe Reifenspuren in der vom Regen aufgeweichten Erde rund um das alte Gemäuer sowie etliche Abfallcontainer auf dem Gelände zeugen im Moment noch von der großen Kinoproduktion.

"Nach einer Woche war alles wieder vorbei und die Aufnahmen im Kasten", erzählt Stephan Zinke. Der selbstständige Landschaftsbauer aus Arenshausen war mit seiner Firma vom ersten Moment an mit dabei und ist natürlich mächtig stolz darauf, bei solch einem Ereignis mitgewirkt zu haben.

Gerne erinnert sich der 48-Jährige an den Anruf von Anja Müller in seinem Büro. Sie erklärte dem Unternehmer damals, was auf der Burg realisiert werden soll und ob er sich eine Zusammenarbeit vorstellen könne. Als sogenannter Art-Direktor begleitete Frau Müller alle Produktionsvorgänge während der gesamten Filmarbeiten und war auch für die Bühnenbildgestaltung in Bornhagen zuständig. Das Drehbuch des Films erforderte beispielsweise einen täuschend echten Bodenbelag aus Lehm. Diesen mussten Zinke und seine Mitarbeiter herbeischaffen, um damit das Sandsteinpflaster zu überdecken. Alles sollte bis ins kleinste Detail den Gegebenheiten des elften Jahrhunderts entsprechen. "Die Arbeit hat mir und meinen Leuten viel Spaß gemacht. Wann bekommt man schon mal so eine Gelegenheit", freut sich Zinke, der in diesem Jahr sein 22-jähriges Firmenjubiläum feiert. Jetzt, wo Kameraleute, Tontechniker und Visagisten abgerückt sind, kehrt wieder Ruhe ein im Burghof. Zinkes Mitarbeiter haben das matschige Lehm-Stroh-Gemisch wieder beseitigt. Letzte Reste davon spült Mitarbeiter Sascha Schäfer gerade mit einem Wasserschlauch beiseite. Schon ist der Burginnenhof wieder bereit für die nächsten Mittelalterfeste und den normalen Besucherverkehr. Doch nicht alles wurde vom Filmteam wieder mitgenommen. Die Bleiglas-Fensterimitate im Rittersaal etwa bleiben genauso an ihrem Platz, wie ein aus Schalbrettern gefertigter Marktstand innerhalb der Burg. "Alles andere musste leider aus Sicherheitsgründen wieder zurückgebaut werden", bedauert Zinke. So mancher hatte den Wunsch geäußert, die Requisiten in der Ruine zu belassen.

Die Stelle, an der bis vor wenigen Tagen ein Dorf gestanden hatte, musste nun wieder mit Rollrasen ausgelegt werden. Etwa 200 Quadratmeter haben Zinke und seine Mitarbeiter allein gestern zugeschnitten, verlegt und angepresst. Bereits in 14 Tagen könne man sich die Ansicht gar nicht mehr ohne Gras vorstellen, meinen sie stolz. Ein bisschen wehmütig ist ihrem Chef in diesem Moment allerdings schon zu Mute. Geht doch nun einer der interessantesten Aufträge seit Gründung seiner Firma dem Ende zu.

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