Burg Hanstein wird zur Kulisse von Romanverfilmung

Auf der Burgruine laufen nächste Woche die Dreharbeiten für die Kinoverfilmung des Romans "Der Medicus". Die Vorbereitungen sind in vollem Gange. Zahlreiche Handwerker lassen aus altem Baumaterial eine mittelalterliche Szenerie entstehen. Dorfbewohner schauen dem Treiben neugierig zu.

Von Seiten der Burg sind optimale Bedingungen für den Dreh des Mittelalterstreifens gegeben. Eventmanager Ulrich Fromm freut sich über die tolle Werbung für das 700 Jahre alte Gemäuer. Dass es nächste Woche im richtigen Moment regnen wird, kann er indes nicht garantieren. Foto: Eckhard Jüngel

Von Seiten der Burg sind optimale Bedingungen für den Dreh des Mittelalterstreifens gegeben. Eventmanager Ulrich Fromm freut sich über die tolle Werbung für das 700 Jahre alte Gemäuer. Dass es nächste Woche im richtigen Moment regnen wird, kann er indes nicht garantieren. Foto: Eckhard Jüngel

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Bornhagen. "Wie sie die Fantasie eines jeden immer wieder neu und anders beflügelt, sich vorzustellen, wie was in dunkler Vergangenheit sich dort zugetragen, wie es ausgesehen haben mag, das ist die Faszination der Burg Hanstein." In den Worten von Klaus Röhrig, Wirt des Bornhagener Klausenhofes, beantwortet die Frage, warum gerade im Eichsfeld für den "Medicus", eine Kinoproduktion der ARD und der Ufa Cinema, gedreht werden soll.

Die Handwerker und Bühnenbildner, die in diesen Tagen auf der Burg Hanstein tätig sind, berichten von der Magie des Ortes und von dem, was zum Schein für die Kamera dort entstehen soll: "Das Genre des Films ist sehr interessant. Weil die Handlung im elften Jahrhundert spielt, muss man ein wenig zaubern, um die mittelalterliche Atmosphäre von damals zum Leben zu erwecken." Der freiberufliche Bühnenmaler Stephan Buttchereit aus Potsdam - bekanntlich die Heimat der berühmten Babelsberg-Filmstudios - gehört zu dem Handwerkerteam, das ganz unterschiedliche Gewerke vereint. Für sie gilt es, trotz aller Euphorie für die anheimelnde Umgebung, möglichst sorgsam mit den wertvollen Baumaterialien umzugehen.

Denn: "Das Schwierigste war in diesem Fall die Materialbeschaffung", schildert Patrik Lange, gelernter Konstruktionsmechaniker, die Suche nach geeignetem Holz. Authentisch, das heißt alt, sehr alt muss es sein. Die Lösung fand sich nicht weit vom Drehort entfernt. In Mackenrode wurden die Filmset-Bauer im Lager einer Holzbaufirma, die sich auf die Restaurierung alter Fachwerkhäuser spezialisiert hat, fündig. Die Firma Holzbau Bode ist weithin bekannt für ihren guten Fundus. "Bedingung ist nur, dass alles wieder so, wie es war, ins Lager zurückkommt." Das Holz ist, wie vieles am Set, nur Leihgabe und darf für die kurze Zeit des Drehs nicht einfach verschnitten werden.

Trotz anhaltender Regenschauer in den letzten Tagen herrscht unter den Arbeitern keinerlei Hektik. Wer als Bühnenbildner für den Film arbeitet, stützt sich bei seinen Tätigkeiten auf Erfahrung: "Anhand dieser Werte wird ein Zeitraum berechnet, in dem alles fertig sein soll." Verregnete Tage kosten da Zeit, die nur bedingt eingerechnet ist. Die Handwerker nehmen es dennoch gelassen. Im Inneren der Burg, das von einem prasselnden Feuer gewärmt wird, fertigen sie Fensterimitate mit historischen Butzenscheiben, während einige Kollegen draußen das Nötigste vorantreiben. Einige neugierige Touristen schauen sich auf dem Gelände um. Sie sehen halb fertige Marktstände und Mauern aus Pappmaschee und werden Zeugen, wie eine eigens angefertigte Holztreppe die Gestalt einer von vielen tausend Schritten ausgetretenen Stiege annimmt. Sägespäne vermischen sich mit Erdklumpen auf dem aufgeweichten Boden. Die Stimmung passt genau, einige Filmszenen auf der Burg sollen tatsächlich im Regen spielen. Dass der sich in Schlammfurchen auf dem eigentlich steinernen Untergrund sammelt, ist einer Gartenbaufirma aus Arenshausen zu verdanken.

Alles soll so realistisch wie möglich aussehen. Und dazu gehören eben auch Dreck und Unrat einer vormodernen Gesellschaft. Einzig die Sägespäne müssen noch verschwinden. Die Treppe soll später ja schließlich nicht wirken, als sei sie gerade erst gebaut worden.

Ob es an den drei Tagen, an denen ab Dienstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit gedreht wird, auch den benötigten Regen geben wird, bleibt abzuwarten. Für die Filmcrew wird sich in jedem Fall alles Nötige in einer kleinen Filmstadt finden, die eigens errichtet werden soll. Rund 150 Darsteller und Statisten werden vor Ort sein. Etwa die gleiche Anzahl bilden Kräfte des Produktionsteams, wie Kameramännern und -frauen oder Maskenbildner.

Ulrich Fromm, Eventmanager und Kassenwart auf der Burg, kennt Ähnliches von vergangenen Film- und Fernsehproduktionen auf dem Hanstein. "Es wurden hier schon Aufnahmen für Reisemagazine oder Naturdokumentationen gemacht." - "Der Medicus" sei aber schon eine andere Kategorie. Allein die Tatsache, dass die Kameratechnik mit einem Kran an Ort und Stelle befördert werden soll, spricht nach Meinung Fromms für die hohe Qualität des Films.

Angesichts des Aufwands und der internationalen Starbesetzung dürfte es nächste Woche umso aufregender für all jene werden, die als Laiendarsteller und Komparsen tatsächlich bei dem Großprojekt vor der Kamera stehen dürfen.

Bei einem Casting im April hatten es auch einige Eichsfelder geschafft, sich eine Statistenrolle zu ergattern. Peter Richter ist einer von ihnen. Zum Dreh hat er es nicht weit, wohnt er doch nur wenige Meter unterhalb der Burg auf der "Schanze" in Bornhagen.

Filmluft schnuppern darf auch ein Angestellter des Klausenhofs, der sich als Sackpfeifenspieler in entsprechender Kleidung als besonders geeignet für den mittelalterlichen Film präsentierte. Nicht zuletzt aus diesem Grund hält Klaus Röhrig die Erstausstrahlung unter freiem Himmel auf dem Burggelände unweit seines Gasthauses für angemessen: "Zumindest eine Sondervorstellung sollte es hier oben geben."

Für die Bornhagener ist eine offizielle Besichtigung des fertigen Filmsets geplant. Allerdings erst am 29. Juni, also nachdem alle Szenen im Kasten sind. Bürgermeister Mario Apel möchte sich damit für die Geduld und Kooperationsbereitschaft der Bürger bedanken.

Martin Jung, direkter Nachbar der Burg Hanstein und seines Zeichens Zimmermann, sieht indes keinen Grund zur Aufregung. "Die Arbeiten und der Verkehr interessieren mich weniger. Sie stören aber auch nicht", meint er voller Gelassenheit.

Ein Wesenszug, den er mit den Kollegen vom Film teilt.

"Der Medicus"

Die internationale Kinoproduktion "Der Medicus" basiert auf dem gleichnamigen Roman und Weltbestseller des amerikanischen Autors Noah Gordon, der auch das Drehbuch zum Film liefert. Regie führt der Deutsche Philipp Stölzl, welcher bereits mit "Nordwand" (2008) und "Goethe!" (2010) als Inszenierer bildgewaltiger Stoffe Erfolge feierte. Im "Medicus" stellt er die abenteuerliche Reise eines jungen Gelehrten vom England des 11. Jahrhunderts nach Persien dar. Hintergrund der Geschichte ist die Etablierung des Arztberufs und der wissenschaftlichen Medizin zur Zeit des unaufgeklärten Mittelalters. Während in Deutschland die Städte Berlin und Köln sowie Landschaften in Sachsen-Anhalt und eben der Hanstein in Thüringen als Kulisse des Abendlandes dienen, werden in Marokko vornehmlich die im Orient spielenden Szenen gedreht. Mit dabei sind namhafte Schauspieler wie Ben Kingsley ("Gandhi") und Stellan Skarsgard ("Fluch der Karibik").

Casting für "Der Medicus"
Casting für "Der Medicus"

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