Fürstenhof in Sondershausen war berühmt für Annaszucht

Was die wohlschmeckende Südfrucht mit unserer Kreisstadt zu tun hat, das erklärten am Mittwoch Hanna Nagel und Hannelore Kutscha vom Schlossmuseum Sondershausen beim Treff für Neugierige.

Sondershausen. Auch wenn man es kaum glauben mag: Im 18. Jahrhundert waren Sonderhausen und auch Ebeleben richtig berühmt für ihre Ananaszucht. Zirka 150 Jahre wurde die Ananas im Kyffhäuserkreis kultiviert. Wie schon beim letzten Trefffür Neugierige kamen auch am vergangenen Mittwoch wieder viele Interessierte in den Rosa Salon des Schlosses Sondershausen. Etwa 35 gespannte Zuhörer lauschten dem Vortrag von Hannelore Kutscha und Hanna Nagel. Bis heute gibt es kaum Aufzeichnungen über den Anbau der Frucht.

Hinweise zur Ananaszucht im Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen fanden sich nahezu ausschließlich durch Aktenrecherchen. Die Ananas ist eine der ersten Früchte, die aus den fernen Tropen nach Europa importiert wurde. Spanische und portugiesische Seefahrer waren von der köstlichen Frucht, der "nana meant", wie die Ureinwohner von Paraguay sie nennen, so begeistert, dass sie sie 1493 erstmals als Proviant auf ihren Reisen mitnahmen. Schon ein halbes Jahrhundert später wurde die Ananas in fast allen tropischen Ländern, die durch Schiffe erreicht werden konnten, angebaut und gegessen. Der exotischen Frucht sagte man aufgrund ihrer wertvollen Inhaltsstoffe bereits damals eine blutreinigende Wirkung nach. Zudem sei sie gut für die Verdauung, wirke entwässernd und fiebersenkend.

Im 17. Jahrhundert begannen die ersten Anbauversuche unter Glashäusern in Europa. Vorreiter waren die Engländer. Sie gaben der Ananas aufgrund ihres Aussehens den Namen Pineapple, zu Deutsch Kiefernapfel. Einige Zeit später wurde auch im Kyffhäuserkreis der Versuch unternommen, die Südfrucht zu kultivieren. Die erste nachgewiesene Ananasfrucht in der Region zeigt ein Gemälde aus dem Jahr 1737. Die darauf abgebildete Frucht wurde im hochfürstlichen Garten zu Ebeleben gezogen. Sie soll die beste und schönste Ananas unter den 17 geernteten gewesen sein, so Hanna Nagel. In Sondershausen weist der Briefverkehr des Fürsten Christian Günther III. von 1782 auf die dort bestehende Ananaszucht hin. Günther Schäfer, Hofgärtner des Fürstentums Schwarzburg-Sondershausen, und dessen Nachkommen führten die Ananastreiberei in Sondershausen schließlich zum Erfolg.

Im Jahr 1840 ist von 1140 gezüchteten Ananasfrüchten die Rede. Angebaut wurden sie in einem großen Gewächshaus und in den sogenannten Warmhäusern. Von Januar bis Oktober konnte geerntet werden. Die dafür nötigen Temperaturen erzeugten Lohkästen. Drei Jahre brauchte es vom Setzling bis zur Frucht, schilderte Hannelore Kutscha. Die exotischen Früchte wurden bei fürstlichen Treffen zu attraktiven Mitbringseln. Ein Teil war für die Hoftafel und die Hofkonditorei. Der große Teil wurde aber an das Café Schwarzburg in Sondershausen verkauft und durch die gesteigerte Produktion später sogar in anderen Teilen Deutschlands vertrieben. Ihr Ende erlebte die Ananaszucht unter dem Fürsten Karl Günther. Ab 1883 ließ er die Ernte und den Verkauf einstellen. Inzwischen war es billiger geworden, die Ananas beispielsweise aus dem warmen Spanien zu verschiffen. Als 2003 die Parkplätze unterhalb des Achteckhauses angelegt wurden, fand man einige Überreste der Ananashäuser. Wie Luftaufnahmen beweisen, haben diese bis 1927 in Sondershausen bestanden.

Noch aber ist die Geschichte um die Ananaszucht hier in der Region nicht komplett erforscht. "Wir hoffen, dass sich auf diesen Vortrag hin noch Zeitzeugen oder alte Fotos finden", so Hanna Nagel. Beim nächsten Treff geht es um die "Geschichte und Sanierung des Schlossparks Ebeleben". Dazu wird Dr. Folke Dietsch refererieren. Alle Neugierigen sind hierzu am 24. März um 18 Uhr in den Rosa Salon des Schlosses Sondershausen wieder herzlich eingeladen.