Gegen die Umsonst-Kultur – Deutsche Künstler fordern Respekt vor geistigem Eigentum

Gera  Aus dem „Project Fair Play“ ist ein Konzeptalbum entstanden – ein Gespräch mit dem Initiator und Musiker Lando van Herzog.

Beteiligte Künstlerin Yvonne Catterfeld

Foto: Agentur

Das gab es noch nie in Deutschland: Oscar-, Grammy-, Echo-, Grimme-, Deutscher Film-, Deutscher Comedy-, Deutscher Fernseh-, Goldene Kamera- und Literaturpreisträger, sowie ein YoutubeStar, ein Paralympicssieger und Weltrekordhalter reichen sich die Hand zu einem Projekt, das sich gegen die Umsonst-Kultur richtet. Dazu haben alle Beteiligten das Musikkonzeptalbum namens „Project Fair Play“ (Projekt fair spielen) aufgenommen, das im Handel ist.

Sie haben ein Projekt „Fair Play“ initiiert. Stellen Sie es bitte vor.

Basis dieses Projekts ist das gleichnamige Musik-Konzeptalbum , auf dem wir Künstler und Kulturschaffende aus unterschiedlichen Genres Stellung nehmen zum Thema Respekt vor geistigem Eigentum. Heutzutage, da man Musik, Bild, Film, Texte, und so weiter im Netz zu Dumpingpreisen oder, wenn man es darauf anlegt, umsonst erhält, ist es schwer, als Künstler von seiner Arbeit zu leben. Die meisten schaffen das nicht. Kultur und Musik können aber nur dann existieren, wenn die Schöpfer der Werke fair entlohnt werden.

Welche Künstler stehen dahinter?

Unterschiedlichste Künstler wirken mit, unter anderem Frank Schätzing, Yvonne Catterfeld, die Söhne Mannheims, Till Brönner, Marianne Rosenberg, Christoph Maria Herbst oder Joyce Ilg. Ein einmaliges Konzeptalbum, 35 Tracks mit Tiefgang, großes Kino. Popsongs, BigbandSounds, Interludes, Dancefloor Burner, Film- und Symphonieorchester, Technobeats, Poetryslam, hippe Jazzimpressionen, Hits, Ouvertüre und Finale.

Wie entstand diese Idee und wann?

Das Thema „Schutz des geistigen Eigentums“ wird immer wieder auf Musik- und Kulturmessen und in Petitionen zum Thema gemacht. Die Problematik ist den Fachleuten bewusst. Wie aber kann man dieses Anliegen auch den Menschen draußen, außerhalb der Fachkreise, vermitteln? Obwohl noch niemand darauf gekommen war, lag es doch nahe, dass wir Künstler mit unseren ureigensten Mitteln, der Kunst und der Musik, Stellung zu dieser Thematik beziehen, indem wir ein Musikalbum dazu produzieren. Also begannen wir vor fünf Jahren damit. Und jetzt endlich ist das Album veröffentlicht und im einschlägigen Online-Handel erhältlich.

Sie stellen sich gegen die UmsonstKultur. Wie ist es um die bestellt? Haben Sie ein paar Zahlen?

Ein Beispiel aus der Musikbranche: Das Jahrbuch 2016 des Bundesverbandes der deutschen Musikindus­trie stellt bei einer Untersuchung über Musikkonsumenten fest: Fast die Hälfte der 30- bis 39-Jährigen ist bereit, für Musik zu bezahlen. Das heißt doch, der Rest ist nicht bereit zu bezahlen. Da zeigt sich doch die ganze Respektlosigkeit gegenüber künstlerischer Arbeit.

Was würden Sie sich wünschen – vielleicht nicht nur für Deutschland, sondern international im Umgang mit geistigem Eigentum?

Dass Menschen den hohen Wert von künstlerischer Arbeit erkennen und fair dafür bezahlen wollen. Dieses Bewusstsein wollen wir mit dem Projekt erreichen.

Wie kann man denn die Nutzer umerziehen? Oder vielleicht auch die Politik?

Wenn man der Umsonst-Unkultur den Kampf ansagt, erwarten die meisten Menschen strafrechtliche Maßnahmen. Das ist nicht unser Ansatz. Wir rufen auf zum „Project Fair Play“ gegenüber künstlerischer Arbeit. Unsere Musikbeiträge sollen Brücken in den Köpfen der Menschen bauen und Bewusstsein erzeugen, dass Kultur ihren Wert hat. Und Politik darf dazu nicht schweigen!

Welche Rolle spielen Streaming-Dienste, und wie fair gehen diese mit Künstlern um?

In der Branche rechnet man als Entgelt des Künstlers für das Streaming eines seiner Songs zwischen 0,05 und 0,2 Cent. Ein Rechenbeispiel: Der erfolgreiche Song eines etablierten Künstlers wäre 500 000 Mal gestreamt worden. Für dieses exzellente Ergebnis erhält er dann 500 000 mal 0,2 Cent. Das sind 100 000 Cent, sind 1000 Euro. Allein die Produktion des Songs hat aber mehr als 5000 Euro gekostet. Meistens läuft es viel schlimmer: Oft hat der Song eines nicht so bekannten Künstlers gerade einmal 5000 Streams. Dafür erhält er dann 10 Euro. Das ist heute die bittere Realität.

www.project-fairplay.com

Zu den Kommentaren