Halb Bleicherode bereitet sich auf Filmdreh vor

Bleicherode  Auf die Dreharbeiten für den Film „Bleicherode“ bereitet sich mit Regisseur Hans-Günther Bücking die halbe Stadt vor.

Anna Neuschulz (rechts) nahm am Montag in Bleicherode bei Marion Mitterhammer Schauspielunterricht.

Anna Neuschulz (rechts) nahm am Montag in Bleicherode bei Marion Mitterhammer Schauspielunterricht.

Foto: Alf Schneider

„Bei uns wird Bleicherode voll sein, die Zuschauer werden die Stadt im Film als sehr lebendige Stadt wahrnehmen“, sagt Regisseur Hans-Günther Bücking. Nicht, dass er sich zum Ziel gesetzt hätte, im Spielfilm die ideale Kalistadt zu zeigen – nein, die Umstände führen dazu: „Es sind einfach viele Komparsen“, erklärt er voller Vorfreude auf die am Montag beginnenden Dreharbeiten.

Nach dem Casting Anfang Januar hatte der in Bleicherode geborene Bücking viel damit zu tun, das Drehbuch zu präzisieren und umzuschreiben, zusätzliche Rollen für Talente wie Jessika Weiß zu erfinden. Fast jeder Castingteilnehmer sollte im Film vorkommen können, und sei es als Komparse etwa in einer Kneipenszene in der „Rumpelkiste“. Das Grundgerüst der Handlung freilich bleibt: Eine Frau kehrt nach einem Jahrzehnt wieder in ihre Heimatstadt zurück, stößt dabei auf alles andere als Freundlichkeit bei den Bewohnern – auch, weil sie einst ihre Tochter einfach zurückgelassen, den Kontakt zu ihr nie wieder gesucht hatte. Diese Frau mimt Bückings Lebensgefährtin Marion Mitterhammer, auch Kabarettist Bruno Jonas steht vor der Kamera. Als Chefdramaturg konnte der renommierte Produzent Erwin Kraus gewonnen werden. Abgesehen davon aber sind es ausschließlich Laien und Amateure, die in diesem Film mitwirken, ihn entstehen lassen. Bücking spricht liebevoll vom „Werkstattprojekt“: „Wir wissen nicht, worauf wir uns einlassen. Aber wir haben sehr viel Spaß!“

Diese Leidenschaft fürs Kino und die neu entfachte Liebe zu Bleicherode ließen Bücking und Mitterhammer ein finanzielles Risiko eingehen, selbst wenn die Postproduktion nach den Dreharbeiten nicht mit der üblichen Viertelmillion Euro zu Buche schlägt. Ein 90-minütiger Spielfilm koste normalerweise zwischen zwei und drei Millionen Euro. „Und das wird nicht reichen bei mehr als 30 Darstellern“, so Bücking. Für „Bleicherode“ bekommt niemand eine Gage, auch nicht Mitterhammer und Bücking. Einzige Bedingung: Ein Catering muss während der zwei- bis dreiwöchigen Dreharbeiten garantiert sein. Bäcker Meyer, Fleischer Ernst und andere ließen sich nicht zweimal bitten. Im Gegenzug werden ihre Läden zu Drehorten, wie auch die Hauptstraße, das Kino, die Löwenburg, der jüdische Friedhof, das Kulturhaus während einer Karnevalssitzung, das Freibad. Letzteres habe auch im Winter seinen Reiz, sagt Bücking.

Der Zuschauer werde viel lachen können, doch auch berührend werde der Film sein, verspricht der Regisseur. Die Vorbereitungen sind in vollem Gange. Am Montag zum Beispiel saß Marion Mitterhammer mit Darstellern im Café „Kulturfloral“, um Schauspielunterricht zu geben.

Im Hintergrund agieren ungezählte Helfer vom Handels- und Gewerbeverein und vom Verein „Südharz erleben“. Ina Burghardt, Chefin des letztgenannten Vereins, hat für ihren „Job“ als Aufnahmeleiterin Urlaub genommen, setzt Überstunden ab, ist seit Wochen am Organisieren der „1000 Kleinigkeiten“. „Mit jedem Tag steigt die Ernsthaftigkeit, wird das Ganze professioneller“, beschreibt sie die Aufregung vor dem Drehbeginn. Dass es derart viel „freundliches Entgegenkommen“ von Menschen aus der Stadt und dem Umkreis gibt, hat selbst sie überrascht.

Jörg Basse (48), Chef des SV Glückauf Bleicherode und beruflich Netzkoordinator bei der Thüringer Energie, gibt den Fleischer Werner Krautwurst. „Er ist ein absolutes Naturtalent. Er kam rein und hat uns aus dem Stand überzeugt. Wir können gar nicht glauben, dass er noch nie geschauspielert haben soll“, so Marion Mitterhammer. Fleischer Krautwurst ist im Leben hin- und hergeworfen zwischen seiner strengen Mutter, gespielt von der Rentnerin Gisela Kalensky, und seiner ehemaligen Geliebten, der schönen Russin Olga Popova. In dieser Rolle agiert Elena Wegener (39).

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