Sachbuch

Hans Thiers beschreibt 23 alte Mordfälle im einstigen Bezirk Gera

Gera.  Kriminalrat a.D. gibt seinen dritten Band mit Mordfällen aus dem Bezirk Gera zwischen 1960 und 1990 heraus.

Kriminalrat a.D. Hans Thiers aus Gera legt seinen dritten Band der Reihe „Mordfälle im Bezirk Gera“ mit 23 Fällen zwischen 1960 und 1990 vor.

Kriminalrat a.D. Hans Thiers aus Gera legt seinen dritten Band der Reihe „Mordfälle im Bezirk Gera“ mit 23 Fällen zwischen 1960 und 1990 vor.

Foto: Ulrike Kern

„Am 17. Mai 1968, 11.00 Uhr, meldete Martin Morawe, wohnhaft in Ronneburg, Straße der Jugend 14, im Volkspolizei-Revier in Ronneburg seine Tochter Rosemarie Morawe als vermisst. Die Vermisste hatte am 15. Mai 1968 gegen 20.30 Uhr die elterliche Wohnung verlassen und war fortan nicht wieder zu Hause erschienen“, beginnt die Geschichte zur besagten Vermisstensache aus Ronneburg in dem dritten Band aus der Reihe „Mordfälle im Bezirk Gera“ des Kriminalrats a.D., Hans Thiers aus Gera.

Ein weiteres Stück Kriminalgeschichte

Nach Band eins im Jahr 2014 und dem zweiten Band im Folgejahr ist nun im Verlag Kirchschlager aus Arnstadt, der in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiern kann, der dritte Band mit 23 Mordfällen aus den Jahren 1960 bis 1990 im ehemaligen Bezirk Gera erschienen. Wieder schreibt der Autor mit seinem Sachbuch ein Stück Kriminalgeschichte, führt den Leser mit zahlreichen Berichten, Vernehmungsprotokollen, Gutachten, Fotos, Skizzen, psychiatrischen Beurteilungen, Geständnissen, Sektionsprotokollen und Gerichtsurteilen an die Tatorte und hinein in die Psyche jener Kindesmörder, Schizophrenen oder anderweitig motivierten Täter.

Fünf Tötungsverbrechen, jene bis 1968, lagen vor seiner Ermittlungszeit. Alle anderen 18, so erzählt der Autor, habe er als Untersuchungsführer der Morduntersuchungskommission und ab 1980 als dessen Leiter selbst auf dem Tisch gehabt. Wie schon für die beiden ersten Bände hat er sich wieder in die alten Akten vertieft – „und sofort ist alles wieder in Erinnerung“, erzählt Hans Thiers (73). Ihm ist wichtig, in seinen Schilderungen authentisch und sachlich zu bleiben. Nichts ist erfunden, sondern alles so passiert. Und ihm liegt auch viel daran, dem Leser die kriminologischen Untersuchungen nahe zu bringen, die breit angelegte Ermittlungsarbeit, die Einbindung der Öffentlichkeit, die Zusammenarbeit aller Ermittlungsbereiche. Immerhin, so erzählt er heute noch stolz, konnte man zu DDR-Zeiten auf eine 98-prozentige Aufklärungsquote blicken.

Vermisstenfall bis heute ungeklärt

Der Fall Rosemarie Morawe gehört leider nicht dazu. Nichts ist über den Verbleib der damals 21-jährigen Frau, die Fördermaschinistin bei der Wismut war, bekannt. Sie gilt seit 1968 noch immer als vermisst. Die Ermittler gingen damals von einem Mord aus, hatten auch einen dringend Tatverdächtigen im Visier, konnten ihm aber nichts nachweisen. Als offener Vermisstenvorgang liegt der Fall, genau wie der der seit 1983 vermissten, damals vierjährigen Michaela Wagner aus Gera, bei der Kripo in Gera. Vielleicht gibt es irgendwann neue Hinweise, dann werden diese Akten wieder geöffnet, erzählt Thiers.

Wieder schildert Hans Thiers die gesamte vorstellbare Palette an menschlichen Verbrechen: Säuglings- und Kindsmorde, wie jenen von 1964 in Camburg oder 1980 in Neustadt/Orla, Beziehungsstraftaten wie jene von 1980 in Elsterberg oder mehrfacher versuchter Mord in schizophrener Psychose im Jahr 1984 in Gera.

Spenden für den Radsportnachwuchs in Gera

Hans Thiers hat in seiner Laufbahn mit den Kollegen der MUK Gera und anderen Kriminalisten und Polizisten an die 150 Mörder überführt – und einige Fälle davon in Buchform verschriftlicht. Wie groß das Interesse der Leser an diesen alten Straftaten ist, zeigen nicht nur die Verkaufszahlen, sondern inzwischen bereits 350 Buchlesungen des Autors gemeinsam mit seinem Verleger Michael Kirchschlager vor cirka 20.000 Zuhörern. Auch diese Tradition der Lesungen und neuerdings auch Tat- und Fundortbegehungen wird mit dem dritten Band fortgesetzt – wenngleich erst nach der Corona-Krise. Und wiederum spenden sowohl der Verleger als auch Hans Thiers, selbst einst erfolgreicher Radsportler und Sieger bei 15 nationalen und internationalen Bahnrennen, einen Teil der Einnahmen an den Radsportnachwuchs der Stadt Gera.

Der erst im März erschienene Band „Mordfälle im Bezirk Gera III. 1960 bis 1990“ ist derzeit online und über den Verlag Kirchschlager zu bestellen, sowie in den derzeit geöffneten Zeitschriftenläden und Globusmärkten in Gera und Hermsdorf erhältlich.