Jubiläum: 25 Jahre Bachdenkmal auf dem Markt

Ungerührt sitzt Johann Sebastian Bach auf dem Markt. Er hatte nicht nur zu Lebzeiten für Trubel gesorgt - auch sein Denkmal bot und bietet Gesprächsstoff. Vor 25 Jahren wurde es eingeweiht. Ein Rückblick von Kirchenmusikdirektor Alwin Friedel.

Am 20. März 1985 wurde das Bachdenkmal auf dem Marktplatz in Arnstadt eingeweiht. 
Foto-Archiv: Jürgen Ludwig

Am 20. März 1985 wurde das Bachdenkmal auf dem Marktplatz in Arnstadt eingeweiht. Foto-Archiv: Jürgen Ludwig

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Arnstadt. Vor der Enthüllung des Bachdenkmals am 20. März 1985, am Vortag von Bachs 300. Geburtstag, musste der Arnstädter Marktplatz von Schneemassen beräumt werden, damit dieses in ein "Friedensmeeting" eingebundene Ereignis stattfinden konnte. Die Presse berichtete, dass 10 000 Einwohner gekommen waren, um die Einweihung des Denkmals mitzuerleben. Neben Persönlichkeiten der Politik standen auch wir als Vertreter der Kirchen mit auf der Tribüne, als eine der in den Himmel gesandten Friedenstauben zurückkehrte und sich auf dem Superintendenten niederließ. Dieser sagte schlagfertig: "Der Heilige Geist weiß, wo er hingehört." Das war wohl die erste von vielen Merkwürdigkeiten, die das zunächst als provokant empfundene Bachdenkmal seither begleitet haben. Dass Bläser der Staatskapelle Bach-Choräle spielten, wurde für die Parteifunktionäre nicht zur Anfechtung, da ja auf diese Weise die zugehörigen geistlichen Texte fehlten.

Bereits im Vorfeld hatte der Schöpfer des Denkmals, Professor Bernd Göbel aus Halle, auch gegen Ablehnung zu kämpfen. Die Meinungen waren geteilt, gab es doch auch die Vorstellung von einem "würdigen" Bach wie in Eisenach oder Leipzig. Aber der Künstler konnte sich durchsetzen. Was er mit seinem in Bronze gegossenen jungen Bach auf ungewöhnliche, aber gelungene Weise vermitteln wollte, haben inzwischen unzählige Menschen begriffen und akzeptiert. Noch nicht so 1985. Einige Zitate aus einer Zusammenstellung besonders krasser Äußerungen von damals:

"Eine Zumutung für Arnstadt!" - "Wie viele Kinder hatte der? Oder ist das der Schlüsselbund?" - "In einem Vierteljahr muss er ins Marienstift!" - "Der größte Schund, den ich je gesehen habe!" - "Das Geld hätte man für wichtigere Sachen ausgeben können!" - Ein Westdeutscher in der Buchhandlung: "Ich möchte eine Karte von dem versoffenen Kerl auf dem Markt." Schon mehrmals konnten wir mit Professor Göbel über sein Werk diskutieren, z. B. 1990, als gleich nach der Wende die Forderung laut wurde, man müsse das Denkmal nun in die Nähe der Bachkirche umsetzen. Das Für und Wider dieser Idee war auch Inhalt diverser Presseartikel. Bach durfte bleiben, wo er war, nachdem Göbel seine Absicht kundgetan hatte, ihn in Erinnerung an die Reise nach Lübeck den Blick dorthin richten zu lassen, nicht nur zu seinen beiden Arbeitgebern (Rathaus und Kirche). Beim Bach-Kolloquium 2003 in der Musikschule fand eine interessante Begegnung mit Bernd Göbel statt, zuletzt wieder im Rahmen der Bach-Weihnacht 2009. Wir sind stolz auf unser Bachdenkmal, das seit 25 Jahren weltweit wesentlich mit zum Ansehen Arnstadts als Bach-Stadt beiträgt, und wollen an Bachs 325. Geburtstag daran gedenken.

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