Jugendlich frische Interpretation der Johannes-Passion

Arnstadt  Die Weimarer Musikhochschule begeistert am Donnerstagabend ein vorösterliches Publikum in der Bachkirche

Die Johannespassion der Weimarer Sänger in der Bachkirche in Arnstadt.

Die Johannespassion der Weimarer Sänger in der Bachkirche in Arnstadt.

Foto: Kerstin Nonn

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Der Zeitpunkt war nicht unbedingt ideal gewählt. Zum einen war das Bachfest Arnstadt gerade vorbei und deshalb eine gewisse Müdigkeit des Publikums nicht auszuschließen. Zum anderen ist es bekanntlich bis zur Karwoche und Passionszeit noch ein paar Tage hin, so dass auch aus diesem Grunde ein Passionsoratorium jetzt zeitlich nicht unbedingt das Gelbe vom Ei ist. Aber was schert diese Problematik sehr motivierte und hochbegabte junge Leute?

Es ist überdies das glückliche Privileg der Jugend, immer wieder von neuem Revolutionen anzuzetteln, und wenn auch nur, wie schon Tucholsky höhnte, nur in der Musik. Und so priesen die mutigen Weimarer ihre Aufführung vorab als „historisch informierte Spielweise auf modernen Instrumenten“. Wahrlich nichts weniger als die Quadratur des Kreises.

Selbst gemessen an diesem nicht ganz unbescheidenen Anspruch erwies sich die Aufführung der Johannes-Passion am Donnerstagabend in der – allerdings nur halb gefüllten – Bachkirche als voller Erfolg.

Kompatibel mit dem Meisterwerk von Bach

Gelang doch dem Kammerchor der Hochschule für Musik Franz Liszt im Verein mit dem Bachkollektiv Weimar und den Solisten Robert Pohlers (Evangelist), Anna Maria Schmidt (Sopran(, Nils Wanderer (Altus), Nils Hübinette (Tenor), Lars Conrad (Bass) und Christoph Kurzweil (Jesus) eine überzeugende Interpretation. Diese Aufführung erwies sich durchaus kompatibel mit dem Meisterwerk Bachs, das in seiner schillernden Verschlingung von Dramatik und musikalischen Abgründigkeit noch heute zu faszinieren weiß. Das Weimarer Studentenensemble sang und spielte jedenfalls mit einer solchen Frische und Lebendigkeit auf, die den Spannungsbogen nie abreißen ließ und oft unter die Haut ging. Auch die jungen Solisten brillierten sämtlich, ohne in unangemessene Theatralik zu verfallen. Unter diesen Umständen wurde die Johannes-Passion für die Weimarer zu einem verdienten Erfolg. Am Ende gab es minutenlangen Applaus und persönliche Danksagungen an die bewundernswerten Sängerinnen und Sänger sowie das befriedigende Gefühl, dass es doch gut war, dass man sich zu diesem Konzert aufgerafft hatte.

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