Kinofilm über „Heaven Shall Burn“ feiert Premiere in Jena

Jena.  Der Film „Mein Grünes Herz in dunklen Zeiten“ über die Metalband Heaven Shall Burn hat Premiere gefeiert. Die Band saß in Jena im Publikum.

Die Metalcore-Band Heaven Shall Burn ist international bekannt.

Die Metalcore-Band Heaven Shall Burn ist international bekannt.

Foto: Candy Welz

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Die meisten tragen Schwarz, obwohl der Anlass bei Weitem kein tragischer ist. Manche kommen in Bandshirts, Aufnäher auf der Jeansjacke, viele haben langes Haar, einige kommen in Trikots des FC Carl Zeiss Jena, andere erscheinen – sie sind in der Minderheit – schlicht in Jeans und T-Shirt, am Mittwochabend im CineStar-Kino in Jena. Rund 320 Fans pilgerten in das Lichtspielhaus, um ihre Idole gleich in doppelter Auflage zu sehen – live und auf der Leinwand.

Der Dokumentarfilm über die Thüringer Metalband Heaven Shall Burn hatte Premiere. Die Gruppe aus Saalfeld gehört zu den bekanntesten ihrer Art in der Bundesrepublik. Unter dem Namen „Mein Grünes Herz in dunklen Zeiten“ lief der Film zeitgleich in zahlreichen Kinos deutschlandweit an.

Die Dokumentation von Ingo Schmoll zeichnet das Bild einer Band, die so gar nicht den gängigen Klischees der harten Metal-Musiker entsprechen will. Heaven Shall Burn, in der Szene kurz HSB genannt, hat sich dagegen entschieden, allein mit der Musik Geld zu verdienen. Obwohl sie das könnte, wie Auftritte beim Metal-Festival in Wacken oder in Chile vor Tausenden Fans beweisen.

Personenkult liegt den fünf Musikern fern. „Es gibt viele Künstler, die ihr Image nach außen hin kontrollieren möchten“, sagt Ingo Schmoll. Das sei bei HSB von Anfang an nicht der Fall gewesen. „Unser Image ist es, kein Image zu haben“, sagt Gitarrist Maik Weichert.

Der Film kontrastiert und legt den Fokus auf die vielen Facetten der Band und ihrer Lebenswelten. Bestes Beispiel ist Sänger Marcus Bischoff in eben dieser Ambivalenz zwischen Rockstar-Dasein und zurückhaltender Bodenständigkeit. Er ist als Krankenpfleger auf der Intensivstation der Thüringen-Kliniken in Saalfeld beschäftigt, kümmert sich herzlich, ist ein Teamarbeiter. „Es ist schon ein großer Kontrast, wenn man am Wochenende bei einem Festival spielt und dann wieder zum Frühdienst antritt“, sagt er.

Filmemacher Ingo Schmoll hat die Band eineinhalb Jahre lang mit der Kamera begleitet, unter anderem bei den Aufnahmen für das neue Album, das im März erscheint und dem der Kinofilm beiliegen soll, in einem Tonstudio in Bad Kösen, beim T-Shirt-Druck in Gera oder bei Gesprächen mit Verantwortlichen des FC Carl Zeiss Jena, dessen Trikotsponsor HSB war.

Und noch eines wird deutlich in dem Film herausgestellt: Die klare politische und soziale Haltung, die HSB vertritt. Alle Bandmitglieder ernähren sich vegetarisch oder vegan, positionieren sich zudem gegen Rechtsradikalismus und Rassismus.

Dass das mitunter eine komplexe Fragestellung ist, sagt Maik Weichert. Er ist in Blankenhain in einem Wohnblock-Viertel aufgewachsen und sei dort als „Zecke“ teils skurrile Allianzen mit den örtlichen Neonazis eingegangen, die er von der Schule kannte, um sich gegen andere Neonazis zu wehren.

In „Mein Grünes Herz in dunklen Zeiten“ geben die fünf Musiker viele intime Einblicke. Sei es auf eine witzige Art wie bei einem Schwimmtraining in Unterwellenborn oder als emotionaler Moment, als Maik Weichert erklärt, dass ein Lied seinem besten Freund gewidmet sei, der gestorben ist.

„Ich finde euch einfach cool, ihr seid Heavy Metal“, sagt der vielleicht jüngste Fan Arwen im Kinosaal mit verlegener Kinderstimme bei der anschließenden Fragerunde an Band und Regisseur. Danach gibt es Autogramme und ein Foto – zumindest für das kleine Mädchen Arwen – auf dem Schoß von Gitarrist Alexander Dietz.

Dessen Eltern sagen nach dem Filmende: „Wir können mit der Metal-Szene nicht viel anfangen, finden den Film aber faszinierend. Es ist schön zu sehen, dass die Jungs so populär und gleichzeitig bodenständig geblieben sind.“

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