Krimi um Weimarer Cranach-Altar

Weimar. Der weltberühmte Cranach-Altar in Weimar wurde mit Infrarot entschlüsselt. Das Gemälde stammt vermutlich nicht vom Maler-Genie.

Der Cranach-Altar von Weimar - zu sehen in der Herderkirche. Foto: Candy Welz

Der Cranach-Altar von Weimar - zu sehen in der Herderkirche. Foto: Candy Welz

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Die Geschichte des bekanntesten Thüringer Altars muss neu geschrieben werden - und damit zugleich eine der schönsten Legenden der Reformation. Über viele Jahrzehnte hieß es, dass Lucas Cranach der Ältere den Altar der heutigen Herderkirche begonnen habe. Nach seinem Tod hätte dann der gleichnamige Sohn das Werk vollendet.

"Die gemeinsame Tätigkeit von Vater und Sohn gehört in das Reich der Anekdoten", sagt Professor Gunnar Heydenreich. Vielmehr habe der Sohn das Werk ausgeführt - von der Vorzeichnung bis hin zum letzten Pinselstrich.

Der Kunstexperte hatte das Altargemälde bereits 2010 im Stile eines Kriminalisten mit In-frarot-Technik untersucht. Dabei machte er die Vorzeichnung unter der Farbschicht sichtbar. Diese Linien und Schraffuren verglich Heydenreich mit denen Hunderter anderer Gemälde.

Nach eigenem Bekunden bezog er in diesen Vergleich auch Cranach-Gemälde aus den Kunstsammlungen in Weimar, Gotha und Eisenach mit ein. Die Vorzeichnung des Weimarer Altars "stammt eindeutig von Cranach dem Jüngeren", ist der Forscher überzeugt,.

Heute stellt Heydenreich seine Forschungsergebnisse auf einer Cranach-Tagung in Weimar vor. Bereits im Vorfeld sagt die Leiterin der Konferenz, Karin Kolb, dass eine Zuschreibung des Altarbildes an den Sohn längst überfällig sei.

Sie stützt sich dabei auch auf die Entstehungsgeschichte des Altars. Er wurde 1555 vollendet und damit zwei Jahre nach dem Tod des älteren Cranach. Die Hauptarbeit hatte also, so oder so, beim weniger berühmten Sohn gelegen.

Bereits vor drei Jahren berichtete unsere Zeitung ausführlich über Heydenreichs Infrarot-Studien. Damals herrschte in Weimar und darüber hinaus noch große Skepsis vor. Das, so sagt Karin Kolb, hatte einen einfachen Grund. "Cranach der Ältere gilt seit dem 19. Jahrhundert als sakrosant. Vielen ist er immer noch doppelt so viel wert wie der Sohn."

Das berühmteste aller Cranach-Gemälde ist ebenfalls in Weimar zu sehen. Es zeigt Luther als Junker. Heydenreich ist sich nach umfänglichen Studien sicher: "Dieses Porträt ist das qualitätsvollste und vermutlich auch früheste Werk einer Reihe von Darstellungen Luthers als Junker, die später in Cranachs Werkstatt entstanden."

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