Kunstpause: Der Ritt durch den Saugrund

Frank Quilitzsch würde gern die Pandemie im Wald überdauern.

Frank Quilitzsch

Frank Quilitzsch

Foto: Andreas Wetzel

Das Wetter wird schön. Wohin fahren wir heute?

Na, in den Wald.

K. und ich fahren jetzt immer in den Wald. Der Wald ist in Pandemiezeiten so etwas wie ein letztes Refugium, in dem man noch frei atmen kann. Die Bäume stehen auf Abstand, und da wir ein Haushalt sind, dürfen wir dicht neben- oder hintereinander laufen. Wir haben unseren Jahresurlaub im Wald verbracht, wir werden Weihnachten und Silvester im Wald verbringen, und im Friedwald haben wir uns schon mal nach einem schönen Begräbnisbaum umgeschaut. Man weiß ja nicht, was noch kommt.

Leider geht es dem Wald auch nicht gut. Vielleicht sind wir ja gerade deshalb Brüder, die Bäume und wir, und das wollen wir ihnen gern zeigen.

Nur können wir uns beim Sonntagmorgenbettkaffee lange nicht einigen. K. will nach Martinroda, ich auf den Großen Inselsberg. Schließlich fahren wir zum Nationalpark Hainich, wo ich mit den Rangern unterwegs gewesen bin.

Es ist schon Nachmittag, als wir uns am Craulaer Kreuz auf den Weg machen. Auf der Karte sieht es nicht sonderlich weit aus: Betteleiche, Fuchsfarm, Weberstedt, Baumkronenpfad… Wir dürfen nur den Saugrund nicht verfehlen.

Endlich das erlösende Sau-Symbol. Wenig später werden wir von einem bärtigen Mann überholt. Zum Baumkronenpfad? – Immer dem Schwein nach! Eine halbe Stunde später kommt uns der Bartmann wieder entgegen. Er hat umgedreht. Zu weit! Es wird auch gleich dunkel.

Wären wir ihm doch gefolgt. Nein, wir reiten die Wildsau und sind bei Einbruch der Dämmerung… wo? – An der Fuchsfarm.

Bis zum Baumkronenpfad, sagt die Karte, sind es noch einige Kilometer, und noch einige mehr sind es bis zum Craulaer Kreuz.

Was tun? Wieder in den Wald, wo die Wildschweinrotten erwachen? Die schnöde Landstraße entlang? Wo sind die Ranger, wenn man sie mal braucht...

Ein freundliches Ehepaar – auch das gibt’s in Corona-Zeiten! – nimmt uns ein Stück im Wagen mit. Die letzten Kilometer laufen wir. Im selben Moment, da wir am Kreuz in unser Auto steigen, tritt eine Gestalt aus dem Wald. Der Bartmann! Auch er hat’s geschafft.