Lieder gegen die Klischees: Deutsch-israelischer Jugendchor „Kadya“ eröffnet Festival „Yiddish Summer“

Weimar  Der deutsch-israelische Jugendchor „Kadya“ eröffnet morgen das Festival „Yiddish Summer“

Der deutsch-israelische Jugendchor „Kadya“ während seiner ersten gemeinsamen Proben in Israel.

Der deutsch-israelische Jugendchor „Kadya“ während seiner ersten gemeinsamen Proben in Israel.

Foto: privat

Alan Bern schnallt sich das Akkordeon um, die Mädchen stimmen das Lied an. Wo ist der Mond? Ein fröhliches Lied, ein Kinderlied. Und ein jiddisches Lied. Der Text stammt von Kadya Molodowsky, eine der wichtigsten jiddischen Dichterinnen des vergangenen Jahrhunderts. Vertont hat sie Alan Bern, der künstlerische Leiter und Gründer des Weimarer „Yiddish Summer“.

Ich hätte nie geglaubt, sagt Lana Lubany, dass ich einmal ein Lied in Jiddisch singen werde. Die 20-Jährige ist Palästinenserin und lebt in Jaffa und gehört zum Chor „Stimmen des Friedens“ des arabisch-jüdischen Gemeindezentrums Jaffa-Tel-Aviv. Das Schöne an den Texten von Kadya Molodowsky ist ihre Hintergründigkeit, sagt Henriette Ortmann. Sie ist 19 und singt im Weimarer Chor „Schola Cantorum“ Und beide werden am Samstag in einem gemeinsamen Chor die Gedichte von Kadya Molodowsky singen. Das Konzert wird den „Yiddish Summer“ eröffnen, was man programmatisch nennen kann. Dieser Chor und sein Programm stehen gewissermaßen symbolisch für das Selbstverständnis des Festivals: Nicht nur ein Ort zu sein, an dem an jiddische Kultur erinnert wird, sondern wo neue entsteht.

Gerade sind die Weimarer Mädchen aus Israel zurückgekommen. Und jetzt sind die israelischen Mädchen in Weimar. Wochen, die neben der Musik vor allem Wochen der Begegnungen sind, der überraschenden Einsichten, neuer Freundschaften. Hier wächst nicht nur ein Chor zusammen.

Diese Mädchen, sagt Alan Bern, werden in ihrem Leben nie anfällig für Klischees sein, weil sie erlebt haben, wie leer Klischees sind. Ein Thema, dass sich wie ein roter Faden durch den „Yiddish Summer“ zieht, und durch sein eigenes Leben auch. Er habe sich stets mit Menschen getroffen, die er eigentlich nicht treffen sollte und war immer dankbar für diese Erfahrung. Das tun die Sänger des israelischen Chores auch. Die Politiker haben es vergeigt, jetzt können nur wir es richten. Ein Satz der Mädchen aus Jaffa, der ihn tief bewegt hat. Das Konzert, so seine Hoffnung, soll auch ein Israel jenseits der täglichen Schlagzeilen zeigen.

Bis dahin wird noch fröhlich geprobt, der Prozess ist wichtig wie das Ergebnis. So halten sie es beim „Yiddish Sommer“ schon immer. Lana Lubany treibt vor dem Konzert allem die Neugier um: Wer wird kommen? Wer sind die Menschen, die jiddische Lieder hören wollen?

Das Konzert des Kadya-Jugendchores beginnt Samstag um 20 Uhr im Mon Ami Weimar