Luthers Verständnis von Herrschaft formte sich am Weimarer Hof

Weimar  Neue Broschüre der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig beleuchtet die Kulturstadt als Ort der Reformation

Mark Schmidt und Ulrike Köppel von der Weimar GmbH sowie der Historiker und Publizist Steffen Raßloff (rechts) als Redakteur des neuen Heftes präsentierten gestern die Broschüre „Orte der Reformation – Weimar“. Foto: Weimar GmbH

Foto: zgt

„Am Himmel über Weimar, der ziemlich voll ist, strahlen auch Luther und die Reformation“, weiß Mark Schmidt, Marketing-Leiter der Weimar GmbH. Immerhin war Martin Luther in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts mehrfach Gast in Weimar. Mit seinen Predigten am Hofe nahm er die herzogliche Familie für den protestantischen Glauben ein. Die ernestinische Residenzstadt entwickelte sich zu einem Hort der Reformation. Die Aufenthalte in Weimar beeinflussten ihrerseits auch Luther in seinem Herrschaftsverständnis, das er im Jahr 1523 in seiner „Zwei-Reich-Lehre“ niederschrieb.

Mit Luthers Präsenz in Weimar gehen freilich auch authentische Orte der Reformation einher: das Residenzschloss etwa, die Stadtkirche mit ihrem Cranachaltar, das einstige Franziskanerkloster am Palais und nicht zuletzt die Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek mit ihrer Bibelsammlung, deren Herzstück die Lutherbibel aus dem Jahr 1534 ist. In diesem Monat nahm die Unesco die Weimarer Lutherbibel in ihr Programm „Memory of the World“ auf.

„Auch die Orte der Reformation sollen ein touristischer Reiseanlass werden, um nach Weimar zu kommen“, wünscht sich Ulrike Köppel, Geschäftsführerin der Weimar GmbH, mit Blick auf 500 Jahre Reformation, die 2017 gefeiert werden. Um Luther in Weimar aus eigener Kraft zu bewerben, habe der Tourismusgesellschaft der Stadt bislang aber das Geld gefehlt. In der Luther-AG, in der sich neben der Weimar GmbH die Klassik-Stiftung, die Stadtkulturdirektion und die evangelische Kirche finden, wurde dieses Ziel zum Gemeinschaftsprojekt erklärt. Das Ergebnis: Alle vier Institutionen bündelten Ideen, Kraft und Geld, um der Stadt Weimar das 26. Heft in der Reihe „Orte der Reformation“ der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig zu widmen.

Auf mehr als 50 Seiten berichten die Autoren über die Weimarer Stätten, die direkten Bezug zur Reformation haben. In dem Heft, dessen Redaktion der Historiker und Publizist Steffen Raßloff übernahm, kommen unter anderem Weimars Superintendent Henrich Herbst, der Direktor der Anna-Amalia-Bibliothek, Michael Knoche, Christian Hain vom Goethe- und Schiller-Archiv, und Christopher Spehr, Kirchenhistoriker der Schiller-Uni Jena, zu Wort.

Über die reine Beschreibung Weimars als bedeutungsvoller Ort der Reformation hinaus wird der Leser über viele andere Besonderheiten der Kulturstadt informiert. Dazu gehören ein Ausflug zu Weimars Kirchenbauten und ein Überblick zu den Kulturhöhepunkten und der genüsslichen Seite der Stadt.

Das Heft kostet 9,90 Euro und ist in Weimars Tourist-Information, im Kirchenladen wie auch im Buchhandel erhältlich.

Zu den Kommentaren
Kommentare sind für diesen Artikel deaktiviert.