Mathematik und Physik auf 120 Quadratmetern

Erfurt  25 Jahre Uni Erfurt Sozialistische Kunst: Glasgemälde mit einem Hauch von Bauhaus

Foto: Kathleen Kröger

Eine echte Überraschung erwartet die Studierenden der Erfurter Universität beim Treppenaufstieg im Lehrgebäude der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät. Vom Erdgeschoss und den dortigen Zugängen zu den zwei gut frequentierten Hörsälen nicht zu entdecken, gibt es in der zweiten und dritten Etage des Hauses zwei außergewöhnliche Glaskunstwerke zu sehen. Da das Gebäude in seiner Ursprungsplanung 1962 der Mathematik und der Physik zugedacht war, sind die Namen und Formeln namhafter Wissenschaftler wie Albert Einstein, Max Planck, aber auch Archimedes und Kopernikus auf den bunt gestalteten Fenstern zu lesen.

Die nach Norden gerichteten und nur von innen zu bestaunenden Glaskonstruktionen zieren heute die Treppenhäuser zu den Lehrräumen, Büros und Sekretariate der künftigen Pädagogen. Studierende außerhalb dieses Fachbereichs sehen die je 6 mal 10 Meter messenden Glasbildnisse daher eher seltener.

Die Fenster füllen jeweils das aus zehn Einheiten bestehenden Fensterflächen der Wand aus. Jedes der hochrechteckigen sogenannten „Gefache“ ist durch Metallsprossen noch einmal in neun Flächen unterteilt.

Entworfen wurden die geometrisch mit geraden Linien und bunten Flächen gehaltenen Fenster von Otto Kayser und Gottfried Schüler, die die Herstellung der insgesamt 120 Quadratmeter Glas in Glasschliff- und Ätztechnik bei der Glasfertigung Magdeburg in Auftrag gaben. Der ursprünglich aus dem Bereich der Figurenmalerei stammende und hauptsächlich in Thüringen wirkende Kayser verwirklichte in dem in einfacher Linienführung und Farbgebung gehaltenen Design die Tradition des Bauhausstils.

Auch Schülers Weimarer Einfluss wird in der Formgestaltung deutlich. Der zeitweilige Honorardozent an der Hochschule für Malerei, Graphik und baugebundene Kunst in Weimar und spätere Professor blieb offensichtlich der Tradition des Bauhauses verpflichtet und übernahm nach den Fenstern im Erfurter Universitätsgebäude auch die Fenstergestaltung der Kreuzkirche in Weimar.