Musikszene

Muna-Club in Bad Klosterlausnitz erhält Kulturpreis

Bad Klosterlausnitz.  Andreas Heller, Landrat des Saale-Holzland-Kreises, ehrt den Verein Moonray Spirit für sein Engagement im Freizeit- und Kulturbereich.

Auf Abstand:  Mitglieder des Vereins Moonray Spirit  freuen sich über den Preis des Saale-Holzland-Kreises.

Auf Abstand: Mitglieder des Vereins Moonray Spirit  freuen sich über den Preis des Saale-Holzland-Kreises.

Foto: Ulrike Kern

Das Gelände der Muna, unweit von Bad Klosterlausnitz im Wald gelegen, ist ein geschichtsträchtiger Ort und einer, mit Geschichten. Jene Munitionsanstalt der Reichsluftwaffe – die Abkürzung Muna hat bis heute überlebt -- wurde ab 1934 auf rund 1000 Hektar erbaut. 1936 begann die Einlagerung angelieferter Munition, der Zusammenbau scharfer und der Rückbau defekter Munition für die Luftwaffe. Dafür wurden ab 1944 Häftlinge aus dem Konzentrationslager Buchenwald eingesetzt, die in drei Baracken der Außenstelle Oberndorf untergebracht wurden. Nach dem Krieg wurde das Muna-Gelände Schießplatz der NVA, geriet nach der Wende in Vergessenheit und stand zunächst leer. Bis 1994 junge Menschen dem verlassenen Ort wieder Leben einhauchten.

In den großen Städten, vornehmlich in Berlin, entwickelte sich damals eine bunte Techno- und Clubszene. Warum eine solche Szene nicht auch in Thüringen etablieren, an einem Ort, fast mittig zwischen Gera und Jena gelegen, abseits im Wald? Der Verein Moonray Spirit gründete sich und machte jene verlassene Muna mit der dunklen Vergangenheit zu einer Kommune, wo sich die angesagtesten DJs der Welt einfanden, wo junge Menschen von weither kamen, um gemeinsam zu feiern und zu tanzen. Unter den Besuchern waren damals auch die Gründer des „SonneMondSterne“-Festivals, die daraufhin anfragten, ob die Muna nicht ein eigenes Zelt zu Deutschlands größtem Technofestival an der Bleilochtalsperre bespielen wollten. Sie wollten, und das ganze Muna-Konzept wurde über Nacht in neue Dimensionen katapultiert. Die Hochzeit des Techno-Clubs begann.

Einmal im Monat kamen nun Hunderte Menschen an jenen Ort im Wald, der auch sein Gesicht veränderte. Das Gelände wurde 2015 endgültig Vereinseigentum, die nächste Generation von Mitgliedern übernahm das Zepter, man gründet mit dem Muna-Open-Air ein eigenes Festival, ist auf anderen präsent. Eine Vielzahl kultureller Veranstaltungen fanden seither statt, Konzerte, Kinderfeste, ein frei zugänglicher Basketballplatz wurde geschaffen, eine Rampe für Skater, Fußballtore aufgestellt. Dort, wo Clubs und Jugendeinrichtungen immer mehr sterben, ist die Muna mit ihren Werkstätten längst Freiraum und Anlaufstelle für jedermann geworden. Seit 26 Jahren schon.

Verein gerät allmählich in finanzielle Not

Dafür wurde der Verein mit seinen aktuell 110 Mitgliedern neben einem weiteren Preisträger mit dem Kultur- und Kunstpreis des Saale-Holzland-Kreises geehrt. Landrat Andreas Heller kam persönlich, um den mit 500 Euro dotierten Preis und seinen Dank zu überbringen. Ein wichtiges Zeichen der Anerkennung für die ehrenamtlichen Vereinsmitglieder.

Seit Anfang März kann wegen der Corona-Pandemie in der Muna keine Veranstaltung mehr stattfinden. Dem Verein droht langsam das Geld auszugehen. Deshalb denkt man jetzt neu. „Wir nutzen die Zeit, um alle Räume, die komplette Bar und das Foyer zu sanieren und neue Konzepte zu schreiben. Wir wollen uns künftig noch breiter aufstellen, Ausstellungen und Lesungen veranstalten, Bands eine Bühne geben“, erzählt der Vorsitzende, Martin Kupfer. „Wir müssen diesen Standort vermarkten, damit er zukunftsfähig bleibt. Parallel krempeln wir auch die Vereinsstruktur um.“ Eine Petition zum Erhalt der Jugendbegegnungsstätte wurde auf den Weg gebracht. „Bürokratische Dogmen und finanzielle Beschränkungen machen uns das Leben und Weiterexistieren zunehmend schwerer“, heißt es darin. 3033 Unterschriften aus ganz Deutschland kamen zusammen, leider nur 721 aus dem Saale-Holzland-Kreis – das wären die entscheidenden gewesen.

Keiner rechnet mit Wiedereröffnung des Clubs vor dem Herbst 2021

Schon öfter gab es den Vorwurf der Lärmbelästigung. Für den Verein nicht nachvollziehbar, denn zum einen befindet sich die Muna in einem Gewerbegebiet. Zum anderen dringt aus den dicken Mauern des ehemaligen Munitionslagers keine Musik nach außen. Und für Außenveranstaltungen hat sich der Verein ein geeichtes Schallpegelmessgerät zugelegt, führt akribisch Messprotokolle. „Die vorbeiführende Autobahn 4 ist je nach Windrichtung lauter als wir es sind.“ Auch mit dem Vorwurf der Muna als Drogenumschlagort möchte man aufräumen.

„Dieser Makel hängt dem Ort seit über 20 Jahren an. Allerdings dulden wir hier keinen Drogenkonsum oder -verkauf und haben unsere Security entsprechend instruiert“, so der Vereinsvorsitzende. „Wir würden uns eine bessere Kommunikation mit dem Ordnungsamt des Landkreises wünschen, sind offen für Vor-Ort-Termine“, betont Martin Kupfer auch gegenüber dem Landrat, um sich neuen Projekten und generell erst einmal den Bestand der Jugendbegegnungsstätte über die Coronakrise hinweg widmen zu können.

Seit Schließung des Clubs im März ist man zumindest mit der Musik ins Netz ausgewichen. Namhafte DJs aus ganz Deutschland sind in die Muna gekommen und haben kostenfrei für einen Livestream aufgelegt. Das ersetzt zwar kein Cluberlebnis, hält aber den Ort und die Szene am Leben. Dass jetzt im Dezember der mittlerweile 100. Livestream geplant ist, erfüllt den Verein mit Stolz. Neben den treuen Fans würdigt nun auch der Landrat stellvertretend für den Kreistag das jahrelange Engagement.

Das macht Mut zum Durchhalten auf der langen Durststrecke. Denn keiner im Verein rechnet damit, dass die Muna vor Herbst 2021 wieder öffnen wird.

Mehr unter www.muna.de