Neuntes Pfingstfestival: Geachtete und Geächtete auf Schloss Ettersburg

Ettersburg  Das Pfingstfestival nimmt sich das Jahr 1919 zum inneren Gerüst. Neue Texte von Uwe Tellkamp und Simon Strauß. Konzerte mit Al Di Meola und Anna Ternheim

Der Singer-Songwriter-Star Anna Ternheim aus Stockholm kommt am Pfingstsonntag 2019 zum Solokonzert

Der Singer-Songwriter-Star Anna Ternheim aus Stockholm kommt am Pfingstsonntag 2019 zum Solokonzert

Foto: Daniel Reinhardt/dpa

„Lasst vergehn, was vergeht“, ließ Hölderlin seinen Hyperion schreiben, „es vergeht, um wiederzukehren . . .“ Diese gleichsam dialektische Sentenz steht über dem Auftritt von Rüdiger Safranski, der Ende Juni 2019 in Ettersburg seine Hölderlin-Biografie vorstellt, bevor sie im Herbst darauf erscheinen soll.

Sie könnte auch leitmotivisch überm Diskursprogramm stehen, das Peter Krause Schloss Ettersburg prägend verordnet. Er spickt es mit Widerhaken in den Zeitläuften, mit oft radikalen Gegenentwürfen zu dem, was als gesellschaftlicher Konsens gilt, aber an Bindekraft verliert, obwohl oder weil es geächtet wird.

„Die Geächteten“ hieß 1930 Ernst von Salomons Romandebüt, in dem er sein Leben als Freikorpssoldat seit 1918 verdichtete, der in Weimar die Nationalversammlung schützte und 1922, in der „Organisation Consul“, das Attentat auf Außenminister Walter Rathenau vorbereitete, was ihn ins Zuchthaus brachte. Thomas Thieme wird den Roman in einer seiner konzertanten Lesungen vorstellen und damit am 5. Juni das eigentliche, zwölftägige Pfingstfestival Schloss Ettersburg eröffnen; am gleichen Tag spricht Wolfgang Sobotka (ÖVP), Präsident des österreichischen Nationalrates, mit dem Historiker Jörg Baberowski „Über alte und neue Räume der Gewalt“.

1919 gebe dem Festival „ein inneres Gerüst“, so Schlossdirektor Krause, der das Festival „nebenbei“ organisiert. Die insgesamt 35 Veranstaltungen reichen aber nun von Anfang April bis Ende Juni. Derart will Krause das Programm etwas entzerren.

So werden im Mai Hans Ulrich Gumbrecht (Stanford University) über 1919 sowie die Journalisten Harald Martenstein und Alexander Kissler über den „Kulturkampf“ sprechen. Nachdem Jakob Augstein kürzlich mit Jan Fleischhauer über Links und Rechts diskutierte, wollte er nun mal „einen richtigen Rechten“ zum Gegenpart; der Publizist Karlheinz Weißmann liefert ihn.

„Das geheime Deutschland“ besingen und sprechen derweil am 23. Juni, gleich nach Safranski, Christian Brückner, Theresa Kronthaler und Daniel Heide mit Stefan George und seinem Kreis, der einen ästhetischen Staat gegen den politischen entwarf.

Uwe Tellkamp stellt „Lava“ vor, die Fortsetzung von „Der Turm“, die nicht vor Herbst 2019 erscheint. Mit neuen Texten kommt Simon Strauß, derweil Ulrike Folkerts mit Clemens von Ramin den 60. Geburtstag der „Blechtrommel“ von Grass feiert.

In zehn erlesenen Clubkonzerten treten unter anderem der amerikanische Jazz-Gitarrist Al Di Meola, die schwedische Sängerin Anna Ternheim sowie Christian Friedel mit seiner Band „Woods of Birnham“ auf. Das Duo Friend’n Fellow trifft diesmal auf den Gitarristen und Percussionisten Reentko. Die kubanische Jazzpianistin Marialy Pacheco trifft auf Sänger Max Mutzke, Sängerin Noa und Gitarrist Gil Dor aus Israel auf Bach (in Kooperation mit den Thüringer Bachwochen). Und „Der lyrische Salon“ von und mit Pianist Daniel Heide integriert drei seiner Liederabende in das Programm.

Karten unter www.ticketshop-thueringen.de , Tel. (0361) 2275227. Info: www.schlossettersburg.de