Neues Programm im Fettnäppchen

Omas rebellieren unterm Geraer Rathaus

Gera.  Kein Abschiedsprogramm präsentiert Eva-Maria Fastenau mit dem neuen Solo-Stück „Arrivederci Oma“ im Kabarett Fettnäppchen Gera

Szene aus dem Programm "Arrivederci Oma" im Kabarett Fettnäpchen in Gera.

Szene aus dem Programm "Arrivederci Oma" im Kabarett Fettnäpchen in Gera.

Foto: Foto: Ilona Berger

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„Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“, erklingt im Höhler unterm Geraer Rathaus. Prompt stimmt das Publikum mit ein. Das Scherzlied ist bei Kindern und Erwachsenen gleichermaßen bekannt und beliebt. Zur selben Melodie wird wenig später ein anderer Text zu hören sein. „Wir versaufen Omas kleines Häuschen“. Zum Glück will sie nicht mit Karacho in die Legebatterie düsen. Dann hätte wohl der Tierschutz was dagegen.

Mit Vollgas beginnt Eva-Maria Fastenau ihr neues Soloprogramm. Kürzlich erlebte „Arrivederci Oma“ seine grandiose Premiere. Fastenau lässt die ganze Zeit ihren Fuß auf dem Pedal. Fettnäppchen-Freunden sei gesagt, es ist kein Abschied von der Bühne. Die Kabarett-Chefin trumpft wunderbar auf. Mal stellt sie sich charmant, mal bissig, mal spöttisch auf die Seite der Großmütter dieser Welt. Rebellion der Omas in der Unterwelt. Wo gab es die schon? Schade, dass die Plätze im Kellergewölbe begrenzt sind.

Die meisten aus den Premiere-Publikum sind Großmütter. Sie wissen, dass sie sich als großartige Geschöpfe sehen können. Generös wischen sie blöde Witze mit einem Handstreich weg. Tja, wir lieben eben die Jugend und sie uns innig, weil wir ihnen das Geld in den Schoß werfen. „Silber im Haar und Gold im Herzen“, der Enkel freut sich darüber nicht.

Herrlich erfrischend beäugt Fastenau das Leben der modernen Großmütter, die ihre wertvolle Zeit zwischen Arzt, Physiotherapeuten, Freundinnen und Nachkommen teilen müssen. Ein Terminkalender lässt nichts vergessen. Erst recht nicht, wenn dieser digital ist. Mit Computer, Handy und Tablets kennen sich die betagten Userinnen schon lange aus. Sie versehen schließlich ihre Nachrichten mit jeder Menge Emojis. Peinlich wird es nur, wenn der Finger bei Beileid zu lange auf einem lachenden Piktogramm verweilt. Fastenau kam als Emoji und philosophierte ironisch über den Gebrauch solcher Zeichnen. Irgendwann „kommunizieren wir nur noch mit Bildschrift“. Galant schlägt die Kabarettistin den Bogen zur Bildung. Keine ordentliche Unterrichtsmittel, keine Lehrer. Wer braucht das alles schon? Da modelliert eben Frodo aus dem Auenland Kartoffelsalat. Oder Alexis schreibt und Siri liest vor. Die Enkel wollen eh Blogger oder Youtuber werden. „Wer interessiert sich schon für Buchstaben“, fragt die Kabarettistin. Da sind Deutschlehrer doch überflüssig.

Von Szene zu Szene läuft Eva-Marie Fastenau zu Hochform auf. Da kommt sie als Bademeisterin, die ihre Probleme mit dem Seepferdchen hat und zum Schluss lieber Waldbademeisterin werden möchte, um Bäume zu umarmen. In einem anderen Sketch wird das Dickwerden im Alter beklagt.

„Es liegt eben an den Genen, an den Kühlschrank zu gehen.“ Bühnen-Themen sind ebenso Ehrenamt und Ordensverleihung, der Abschied der Plastiktüte, tyrannische Männer und das Altersheim. In das zu gehen, wehrt sich die moderne Oma. So schnell heißt es in ihrem Leben nämlich nicht Arrivederci. Denn sie möchte nicht mehr die Kreuzfahrt verschieben und sich vielleicht noch einmal verlieben. Willkommen im dritten Frühling.

Die Besucher quittierten das Sinnieren über die Großmütter mit viel Applaus, manchem Schenkelklopfer und natürlich lautem Lachen.

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