Roßdorf: Ein guter Bekannter wird 80

Wenn die kleine Rhöngemeinde Roßdorf im Landkreis Schmalkalden-Meiningen am 15. Mai den 80. Geburtstag des Malers und Grafikers Walter Nickel feiert, dann feiert ein ganzes Dorf. Keine Berühmtheit, eher einen Bekannten, einen aus ihren Reihen, der seinem kleinen Dorf immer treu geblieben ist.

Roßdorf im Landkreis Schmalkalden-Meiningen feiert am 15. Mai den 80. Geburtstag des Malers und Grafikers Walter Nickel: Foto: Sascha Willms

Roßdorf im Landkreis Schmalkalden-Meiningen feiert am 15. Mai den 80. Geburtstag des Malers und Grafikers Walter Nickel: Foto: Sascha Willms

Foto: zgt

Roßdorf. Mittlerweile wird er schon mal Altmeister genannt, wenn es um die Südthüringer Kunstlandschaft geht. Bereits in der vergangenen Woche wurde der Altmeister achtzig und am Samstag feiert sein Dorf mit ihm. Zum offiziellen Empfang im Vorab zeigte er sich, wie ihn die Roßdorfer kennen und schätzen: "Soweit es mir möglich ist, werde ich in der Gemeinde Roßdorf immer mithelfen." Und auch sie zeigten es ihm mit ihrer Anwesenheit: Fußballer, Hasenzüchter, der Bürgermeister, Roßdorfer Musikanten, Feuerwehrkameraden, Landrat Ralf Luther, der in einem Nachbarort wohnt und die Mitglieder des örtlichen Vereins zur Kunstförderung und Regionalgeschichte, die ihn den Leitwolf nennen.

Viele waren die Schüler des Kunstlehrers, so auch Nickel-Fan Luther: "Und ich bin nicht nur hier, weil ich bei dir ein einziges Mal eine Eins hatte." Walter Nickel ist ihr Künstler. Das Kulturhaus - für eine kleine DDR-Gemeinde durchaus keine Selbstverständlichkeit - trägt seine gestalterische Handschrift, in zahllosen Ausstellungen war die Rhön Thema seiner Aquarelle und Ölbilder, gegenständlicher und abstrakter Kunstwerke. Roßdorf ist kein kulturelles Nest, schrieb die Lokalzeitung zu seinem 65., sondern seine kulturelle Nische, die er stets behütete. Mit seinen Künstlerkollegen entwirft er Roßdorf bis heute als kulturelles Zentrum der Vorderrhön, auch sein Sohn Wolfgang gehört dazu. Walter Nickel ist nicht berühmt, war lange Zeit nur Eingeweihten bekannt, agiert bestimmt, doch immer bescheiden aus dem Hintergrund heraus, mit Frau Gunda an seiner Seite.

Gemeinsam mit dem Künstler Herbert Lubich entriss Nickel ein Stück deutscher und Roßdorfer Geschichte der Vergessenheit: Das "Gefecht am Nebel" zwischen Preußen und Bayern am 4. Juli 1866, bei dem nach Ende des Deutsch-Deutschen Krieges 617 Menschen starben, tobte ganz in der Nähe des Nickelschen Wohnhauses. Das kleine Museum dazu, im örtlichen Gutshof am Schloß, genießt längst überregionale Anerkennung. Ebenso wie die "Wagner-Stube" und die "Kleine Galerie" am selben Ort, die auch in diesem Jahr wieder einen vollen Ausstellungskalender vorweisen kann. Die vierte Ausstellung im August gehört einem Fußballer, einem Frühschoppen-Gast der Blasmusiker, Maler von Rhönlandschaften und Grafiker, dem Roßdorfer Walter Nickel.