Ruhla widmet Festwoche einem lange vergessenen Komponisten

Ruhla. Wer um Himmels Willen war Friedrich Lux? Was hat es auf sich mit jenem Mann, dem zu Ehren seine Geburtsstadt Ruhla das laufende 2013 als "Lux-Jahr" ausgerufen hat, obgleich nicht einmal irgendein Jubiläum dazu veranlasst?

Am 9. Juli 2013 war der 118. Todestag von Friedrich Lux. Aus diesem Anlass fand eine Gedenkfeier statt, an der auch Mitglieder der Folklorevereinigung "Alt-Ruhla" teilnahmen. Foto: privat

Am 9. Juli 2013 war der 118. Todestag von Friedrich Lux. Aus diesem Anlass fand eine Gedenkfeier statt, an der auch Mitglieder der Folklorevereinigung "Alt-Ruhla" teilnahmen. Foto: privat

Foto: zgt

Wie verirrt sich ein auf Mallorca geborener junger Mann namens Miquel Àngel Parera Salvà in das thüringische Berg- und Uhrenstädtchen, um die künstlerische Beratung der vom 15. bis 21. Juli anberaumten Festspielwoche zu übernehmen?

Fragen über Fragen.

Aber hat nicht schon Manches mit ebensolchen Fragezeichen begonnen, was wenige Jahre später als etabliert gilt und geschätzt wird über den Ort der Entdeckung hinaus? Der galante Barockdichter Menantes, den ein gleichermaßen rühriger wie einfallsreicher Pfarrer samt Mitstreitern zurückholte ins literarische Gedächtnis der Öffentlichkeit über den thüringischen Geburtsort Wandersleben hinaus, ist ein solches Beispiel.

Jetzt also der Komponist, Organist und Dirigent Friedrich Lux, der am 24. November 1820 im heutigen Haus Nr. 45 in der Köhlergasse in Ruhla geboren wurde und, fast völlig erblindet, am 9. Juli 1895 in seiner Wahlheimat Mainz hochgeehrt starb. Keines der vor und nach der Wende erschienenen gängigen Lexika widmet dem Künstler auch nur eine Zeile. Politische Vereinnahmung oder gar Missbrauch seiner Person und seines Werkes, wie sich mutmaßen ließe, war dafür nicht ursächlich. Friedrich Lux, der ob seines umfangreichen, vielgestaltigen Werkes in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu den profiliertesten Musikerpersönlichkeiten gehörte, war über die von Weltkriegen und Systemwechseln geprägte Zeit nach ihm schlichtweg in Vergessenheit geraten.

Ein Menuett für die Lehrerin

Lux wurde als fünftes von sechs Kindern des Ruhlaer Kantors Georg Heinrich Lux geboren, der u.a. das bis heute gesungene Volkslied "Ach, wie ist‘s möglich dann ..." komponiert hat. Dass in diesem musikalischen Elternhaus mehrfach auch Franz Liszt zu Besuch war, wird auf den Sprössling nicht ohne Wirkung gewesen sein. Mit elf Jahren schrieb F. Lux ein Menuett, das er einer Lehrerin widmete, mit zwölf Jahren gab er ein erstes Orgelkonzert in Gotha und ein erstes Klavierkonzert in Eisenach. Ab 1834 lernte Friedrich Lux im Gymnasium in Gotha, wo er in Komposition unterrichtet wurde. Gelegentlich eines Hofkonzertes erregte er die Aufmerksamkeit des Gothaer Herzogs, der ihm daraufhin für weitere musikalische Studien u.a. in Dessau finanziell unterstützte. Am dortigen Hoftheater fand er Anstellung als Musikdirektor, schrieb er u.a. die mehrfach aufgeführte Oper "Das Käthchen von Heilbronn".

1851 ging Friedrich Lux nach Mainz. Dort war er bis 1853 Kapellmeister am Stadttheater, dann übernahm er Lehrtätigkeiten in musikalischer Theorie, in Klavierspiel und Gesang. 1864 wurde er aus 70 Bewerbern zum Dirigenten des mit ihm erfolgreichen Oratorienvereins "Liedertafel" gewählt. Immer wieder führte ihn der Weg auch in seine Heimatstadt - ein damals weithin geschätzter Ort der "Sommerfrische". Die dort angesiedelte Sage vom Schmied und dem Landgrafen bot ihm schließlich den Stoff für seine bekannteste, 1882 uraufgeführte und an über 30 europäischen Bühnen gespielte Oper "Der Schmied von Ruhla".

Diese Oper - deren Noten und Partitur man 2009 im Mainzer Stadtarchiv fand - stand am Beginn der einheimischen Lux-Renaissance. In Ruhla gründete sich 2010 das Friedrich-Lux-Kuratorium in der Folklore-Vereinigung "Alt Ruhla" und im selben Jahr der Lux-Festspielverein. Seitdem bemühen sich viele ,, die Lux-Festspiele zu dem werden zu lassen, was Touristiker ein "Alleinstellungsmerkmal" nennen. Nach den Veranstaltungsreihen "Wir machen mit" (2011) und "Eine Idee verbindet" (2012), die für ein Wochenende einluden, wagt man nun den nächsten Schritt und offeriert unter dem Motto "Eine Region erklingt neu..." erstmals eine Lux-Festspielwoche.