Schatzsuche auf Schloss Kannawurf

Kannawurf  Junge Griechin Stella Pistofidou will verwaiste Gebäude auf Zeit beleben und von ihrer goldenen Ära erzählen lassen

Alexander Ombeck, Mahir Duman, Stella Pistofidou und Roland Lange (von links) im Schlosshof. Foto: Armin Burghardt

Alexander Ombeck, Mahir Duman, Stella Pistofidou und Roland Lange (von links) im Schlosshof. Foto: Armin Burghardt

Foto: zgt

Unerhörtes tut sich – mal wieder – auf Schloss Kannawurf. Die Vorbereitungen für eine große Schatzsuche laufen auf Hochtouren – und die ist sozusagen Generalprobe für eine größere Aktion in Griechenland. Und eine junge Griechin, Stella Pistofidou, zieht die Fäden. Freitagvormittag sitzt sie mit Roland Lange vom Künstlerhaus Thüringen und Alexander Ombeck vom Unterweißbacher Verein Kulturino sowie Videokünstler Mahir Duman in den Liegestühlen auf der Bühne des Kannawurfer Schlosshofes. Alle gestikulieren. Duman (Istanbul/Berlin) eingeflogen, zeigt, wo er seine Videoinstallationen überall hinprojezieren will.

Die Projekte sollen im ländlichen Raum spielen

Natürlich ist die Szene gestellt, aber noch ist halt nicht viel zu sehen. 16 Schätze will Stella Pistofidou in acht Räumen des Kannawurfer Schlosses die jugendlichen und kindlichen Teilnehmer ihrer Suche am Samstagabend finden lassen. Hinweise geben von ihr gefertigte Postkarten. Und jeder Schatz steht für eine Begrifflichkeit, die einen Märchentext vervollständigt.

Die 26-Jährige hat Industrie-Design an der Ägäischen Universität von Hermoupolis auf Syros studiert.

Jetzt ist sie als Stipendiatin der Robert-Bosch-Stiftung in Kannawurf für einen Probelauf sozusagen. Ihr eigentliches Vorhaben ist es, auf Syros fünf verwaisten Gebäuden aus einer Zeitepoche künstlerisch wieder Leben einzuhauchen.

Es geht um ein Wohnhaus, ein Handelshaus, ein Gefängnis, eine Schule und eine Werft. Sie sollen für fünf Tage – jedes von einem anderen Künstler – wiedererweckt werden und sozusagen selbst von ihrer goldenen Ära künden. Die Geschichte leben und nicht nur einfach über sie lesen. So umschreibt die junge Griechin ihr Ziel. „Die Ruinen von heute sind die Denkmale von morgen“, sagt sie.

Aus den fünf Projekttagen in Griechenland, wird nun ein Tag, ein Abend für Kannawurf.

Die Beschäftigung mit der (temporären) Nutzung von Leerstand im ländlichen Raum sieht Roland Lange vom Künstlerhaus Thüringen als einen Ansatz, den auch sein Verein auf Schloss Kannawurf verfolgt und attestiert dem Ganzen auch eine gewisse Übertragbarkeit in ihr Heimatland, in dem viele ländliche Regionen im Zuge der dauerhaften Wirtschaftskrise leergezogen werden und veröden. Aufgelegt hat das Projekt mit dem Namen stART die Robert Bosch Stiftung in Kooperation mit dem Goethe-Institut Thessaloniki und der Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren. Es soll griechischen Hochschulabsolventen die Möglichkeit geben, sich mit Jugendkulturprojekten für einen Berufseinstieg ins Internationale Kulturmanagement zu qualifizieren. 30 Stipendiaten gibt es. „Thüringen ist mit vier gut vertreten“, sagt Alexander Ombeck. Sein Verein Kulturino firmiert als europäische Projektwerkstatt Kultur im ländlichen Raum. Er hat das Künstlerhaus für Stella als Partner gewonnen – wegen seines guten Rufs und obwohl Schloss Kannawurf ja längst schon wieder zum Leben erweckt wird.

Am heutigen Samstag gegen 18.30 Uhr geschieht das auf besondere Weise. „Kommen Sie!“, laden alle zusammen ein. Ombeck: „Es lohnt sich. Jugendliche, die uns kennen, nehmen zwei Stunden Anfahrt auf sich.“