Stadthistoriker gegen Aufgabe der Wasserburg Kapellendorf

Erfurt. Gegen den Verkauf der Wasserburg Kapellendorf erhebt sich Protest der Stadthistoriker. So appelliert der Förderverein Stadtmuseum Erfurt in einem offenen Brief an den Erfurter Stadtrat, die "Aufgabe eines solch wichtigen Denkmals der Stadtgeschichte zu verhindern."

Bild 1: Die Wasserburg Kapellendorf vor wenigen Tagen. Sie kam 1348 in den Besitz der Stadt Erfurt. Foto: Holger Wetzel

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Die Anlage geht in ihren Anfängen auf das 11. Jahrhundert zurück. 1348 kam die Stadt Erfurt in den Besitz von Burg und Herrschaft Kapellendorf. Als kaiserliches Lehen war sie dem Charakter nach einer Reichsstadt gleichgestellt. Anfang des 19. Jahrhunderts rückte die Burg schließlich für wenige Tage in den Mittelpunkt der europäischen Politik, als sie einem Teil der preußisch-sächsischen Armee während der Doppelschlacht von Jena-Auerstedt als Hauptquartier diente.

1998 ging die historische Anlage in das Eigentum der Stiftung Schlösser und Gärten über, die Stadt Erfurt betreibt jedoch bislang das Museum weiter.

Neben der geschichtlichen Bedeutung verweist der Förderverein Stadtmuseum Erfurt auf die Burg Kapellendorf "als ein Musterbeispiel für bürgerschaftliches Engagement". So hatten die Bemühungen des Erfurter Geschichtsvereins das Bauwerk in den 1930er-Jahren vor dem Verfall retten können. Und auch danach blieben stadthistorisch interessierte Erfurter dem Komplex verbunden.

In der Anlage steckt viel Eigenleistung der Erfurter

"Unser Verein hat in den letzten Jahrzehnten viel Engagement und Geld investiert", erinnert der Vorsitzende des Fördervereins, Steffen Raßloff. Dank zahlreicher Veranstaltungen habe die Burg unter Kuratorin Marie Petermann zuletzt deutlich an Profil gewonnen.

"Nun mussten wir ebenso wie die Mitarbeiter aus der Presse erfahren, dass die Stadt die Betreibung der Burg aus Haushaltsgründen rasch an den Besitzer, die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, abgeben will", so Raßloff weiter. Ein solch beispielloser Einschnitt könne aber nicht einfach über die Köpfe der Mitarbeiter und engagierten Bürger hinweg erfolgen. "Wir fordern daher eine offene Diskussion über diese Maßnahme im Rahmen der zum 1. Dezember 2014 unter einem Direktor zusammengeschlossenen Erfurter Geschichtsmuseen." Die Aufgabe einer ganzen Einrichtung widerspräche ebenso wie die ausstehende Wiederbesetzung der Kuratorenstelle für Neuere Geschichte den großen Ambitionen der Stadt. Als Beispiel dafür nennt Raßloff etwa die - angesichts der Haushaltslage umstrittene - Berufung eines auswärtigen Kandidaten als Direktor der Geschichtsmuseen.

"Somit geht es bei der Entscheidung nicht nur um die Burg Kapellendorf, zu der man sich im Kulturkonzept eindeutig bekannt hat", heißt es in dem offenen Brief weiter. Es gehe auch um die Glaubwürdigkeit einer Geschichtskultur, der als "wesentlicher Säule öffentlicher Kulturpolitik" eine hohe Bedeutung zugeschrieben wird.

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