Star-Tenor Valer Sabadus kommt nach Gotha und Eisenach

Gotha/Eisenach.  Der "Rising Star" am Himmel der Counter-Tenöre gibt sich bei der Thüringen Philharmonie in vier Gala-Konzerten die Ehre.

Der Weltklasse-Countertenor Valer Sabadus singt vier Gala-Konzerte mit der Thüringen Philharmonie in Gotha und Eisenach.

Der Weltklasse-Countertenor Valer Sabadus singt vier Gala-Konzerte mit der Thüringen Philharmonie in Gotha und Eisenach.

Foto: Christine Schneider

Für vier Gala-Konzerte mit der Thüringen Philharmonie gastiert der Weltklasse-Countertenor Valer Sabadus diese Woche in Gotha und Eisenach. In Rumänien geboren, sorgte Sabadus noch als Münchner Student mit seiner delikaten, wunderbar farbreichen Stimme in der Fachwelt für Aufruhr; inzwischen ist der 34-Jährige in den großen Opernhäusern und Konzertsälen der Welt fest etabliert. Dabei beschränkt er sich nicht aufs Barocke, sondern genießt ebenso Crossover-Experimente.

Hätten Sie je geglaubt, dass Singen in Corona-Zeiten gefährlich, weil ansteckend sein könnte?

Im Ernst, ich halte diese Angst für übertrieben. Noch als Student habe ich den Bernoulli-Effekt kennengelernt, und eine berühmt-berüchtigte Übung aus alten Zeiten verlangt, dass man ganz nah vor einer brennenden Kerze singt, ohne die Flamme in ihrem Gleichmaß zu stören. Es kommt also auf die Stimmtechnik an, deren Grundsatz „inhalare la voce“ – also das Einsaugen, nicht Auswerfen der Stimme – verlangt. Vielleicht kennen sich viele Virologen nicht gut genug aus mit der Musik, aber ich finde einen Einkauf im Supermarkt weitaus gefährlicher für alle Beteiligten als ein Konzert unter gängigen Hygieneregeln.

Wie haben Sie als Freischaffender die Krise bisher überstanden?

Zu Anfang habe ich dieses behördliche Kulturverbot als Verschnaufpause, als eine Art Sabbatical empfunden. Auftritte und damit auch viele Reisen waren abgesagt oder verschoben. Immerhin ist so die Gelegenheit entstanden, zur inneren Ruhe zu finden: Ich war viel in der Natur unterwegs und habe den Singvögeln gelauscht. Zum Glück geht es jetzt wieder los mit der Kunst, ich stehe ja auch beim Publikum in der Pflicht.

Fühlen Sie sich von der Politik vernachlässigt?

Wir Künstler sind sehr schlecht in der Krise behandelt worden, da gäbe es vieles zu beklagen. Um es klar zu sagen: Ich halte das Corona-Virus sehr wohl für gefährlich. Trotzdem muss Kunst möglich sein. Wir sollten besser lernen, die richtigen Schutzvorkehrungen zu treffen.

Macht es für Sie einen Unterschied, ob Sie in einer Kleinstadt zu Gast sind oder in einer Metropole?

Mir ist es wichtig, mehr als nur die Flughäfen, Hotels und Bühnen kennenzulernen; ich will unbedingt etwas über Orte, Menschen und ihre Kulturlandschaften erfahren. Und ich freue mich sehr auf Thüringen, auf die Georgenkirche und das Ekhof-Theater und auf die Arbeit mit einem so traditionsreichen Orchester. All das bildet doch ein herrliches altes Kulturgelände. Diese Orte besitzen eine einzigartige Aura, der ich mich nicht entziehen kann. Das bildet einen besonderen Resonanzraum.

Wählen Sie auch die Programme danach aus?

Soweit möglich: ja. „Von Barock bis Britten“ haben die Intendantin Michaela Barchevitch und ich gemeinsam konzipiert; da hatte ich sehr große Spielräume. Das Programm soll die hohe Kunst der hohen Männerstimme vom Barock bis zur Gegenwart facettenreich zum Klingen bringen. Selbstverständlich gehört Bach mit seiner Kantatenkunst dazu, und Arien aus Händel-Opern dürfen nicht fehlen. Mit Mozarts „Voi che sapete“ aus „Figaros Hochzeit“ singe ich eine klassische Hosenrolle, und dann geht es weiter über Gabriel Fauré bis hin zu Britten, von dem ich lieber eine Volkslied-Bearbeitung ausgewählt habe als eine Oberon-Arie aus dem „Sommernachtstraum“.

Gelingt es Ihnen bei solch einem Gala-Konzert, sich für diese jeweils drei bis zehn Minuten mit der Rolle in der jeweiligen psychologischen Situation zu identifizieren? Was geht dabei in Ihnen vor?

Es ist immer ein Vorteil, wenn man solche Arien schon einmal im Kontext der ganzen Oper auf der Bühne gesungen hat. Darin, wie ich die Situation verinnerliche und die Figur charakterisiere, ist es dann im Konzert sehr ähnlich wie auf der Opernbühne. Ich habe das Davor und Danach ebenso im Kopf, während es in der Arie selbst um eine Bestandsaufnahme der Gefühle geht – mit dem Unterschied, dass ich nichts szenisch darstellen muss.

Wir sehen an diesem Programm, dass Countertenöre nicht auf Barockmusik festgelegt sind. Darüber hinaus haben Sie spannende Crossover-Projekte gemacht, zum Beispiel mit dem Pera-Ensemble Istanbul europäische Musik mit orientalischen Instrumenten aufgeführt.

Musikalisch geprägt worden bin ich im Elternhaus von der großen Sinfonik; mein Vater war Cellist im Banater Orchester, meine Mutter Pianistin. Deshalb war die Oper für mich anfangs sogar eine ungewöhnliche Entdeckung, und es hat mich danach immer gereizt, unkonventionelle Wege zu gehen. Der orientalische Touch, die andere Herangehensweise der Musiker: Das war eine wundervolle Erfahrung mit der universellen, Gemeinschaft stiftenden Sprache der Musik.

Oder „Händel goes wild“ mit L’Arpeggiata und Christina Pluhar als Brückenschlag zum Jazz; daran hat mich die Freiheit zur Improvisation interessiert. Trotzdem geht es dann nicht allein um die Musik. Die interkulturelle Begegnung mit Menschen an unbekannten Orten wirkt auf mich stimulierend. Die Hagia Irene in Istanbul, ursprünglich eine alte christliche Kirche, werde ich nie mehr vergessen.

Zuletzt: Warum ist für Sie die Barockmusik nicht alt und überholt?

Ach, in der Musikgeschichte war die Barockoper immer ein Theater der Stimmen. Da galt es zu brillieren, auch Show-Effekte zu liefern. Kastraten waren die unangefochtenen Stars ihrer Zeit. Aber die Faszination für den Hochgesang ist ungebrochen, und die Menschen mit ihren Gefühlen sind heute nicht anders als damals.

Donnerstag, 18 und 20.30 Uhr, im Kulturhaus Gotha sowie Freitag, 17 und 19.30 Uhr, Georgenkirche Eisenach