Theater Erfurt und Bauhaus-Uni Weimar starten gemeinsame Plakatkampagne

Erfurt  In eine Plakatkampagne zum Spielzeitauftakt „Nur mit dir“ mündet jetzt die Zusammenarbeit des Theaters Erfurt mit der Universität Weimar.

"Nur mit dir" nennt sich die Plakatkampagne. Foto: Max Klingbeil/Leander Branstädt

"Nur mit dir" nennt sich die Plakatkampagne. Foto: Max Klingbeil/Leander Branstädt

Foto: zgt

Es ist ein großer romantischer Traum und kann zum realen Albtraum werden: wenn einer im anderen aufgeht, sich ein Paar derart vereint miteinander, dass sich einer im anderen verliert. In diesem Konzept von Wunsch und Wolke befinden sich Liebesfreude und Liebesleid recht nah beieinander.

Die Soziologie beschreibt Paare, die wechselseitig voneinander abhängig sind, als Verflechtungsbeziehungen. Solche macht ab Donnerstag eine Plakatkampagne sichtbar, mit der das Theater Erfurt in die neue Spielzeit startet.

"Nur mit dir" lautet deren Motto, unter dem Liebesgeschichten auf die Bühne gelangen. Allein das Romeo-und-Julia-Motiv kommt gleich dreimal vor: in den Opern von Charles Gounod und Riccardo Zandonai sowie in Leonard Bernsteins Musical "West Side Story".

Zugleich aber darf "Nur mit dir" als Liebeserklärung eines Theaters ans Publikum verstanden werden, ohne das es sich kaum ereignete. Auch so eine Art Verflechtungsbeziehung.

Auf Großplakaten in Erfurt hat man allerdings Solisten des Hauses miteinander verflochten. Die Idee dazu stammt aus: Weimar. Mit der dortigen Bauhaus-Universität ging das Theater eine noch relativ neue Verbindung ein, die nun erstmals öffentlich wirksam wird.

Aus sieben Porträts wurden neue Identitäten

"Wenn zwei Personen so eng miteinander zu tun haben und in Kontakt stehen, bietet es sich an, sie zu einem Bild zu verflechten", sagt Max Klingebeil aus Sömmerda, der in Weimar Visuelle Kommunikation studiert.

Von ihm stammt der Entwurf für die ungewöhnlichen Fotoplakate, den er mit seinem Kommilitonen Leander Brandstädt umsetzen durfte. Beim Fotoshooting im Theaterfoyer setzten sie Opernsänger in Szene. Im Weimarer Studio zerlegten sie geeignete Motive in Streifen und bildeten visuell zusammenpassende Paare. Perspektive, Proportionen, Licht und Schatten mussten einigermaßen übereinstimmen. Es soll eine ordentliche Fummelei gewesen sein. Letztlich entstanden aus den Porträts von sieben Sängerinnen und Sängern vier neue, leicht schräge Identitäten.

Max Klingebeils Bildsprache spiegele das Spielzeitmotto bestens wider, sagt Marketingchefin Marlies Reich vom Theater. Sie hatte die Idee, mit Weimarer Studenten das Experiment zu wagen, in dem die Freiheit der künstlerischen Lehre auf reale Bedingungen und auch Zwänge trifft. Studium im Praxistest, sozusagen.

Dem vorausgegangen waren Kurse, die der Fotograf Jens Hauspurg als künstlerischer Mitarbeiter an der Fakultät Kunst und Gestaltung leitet. Um inszenierte Fotografie ging es im vergangenen Winter-, um Fotoplakate im Sommersemester.

Hauspurg suchte Kontakt zum Theater Erfurt, traf auf offene Ohren und auch Türen – und kam also mit Studenten der Visuellen Kommunikation vorbei. Die blickten hinter die Kulissen, besuchten Proben, sprachen mit Theaterleuten. Studentische Plakatentwürfe für "Don Giovanni" wie auch für "Wozzeck" entstanden, die man im Haus vorlegte und diskutierte.

Das alles war allein für die Lehre bestimmt, nicht für das Theater. Dann rückte Marlies Reich mit ihrem Vorschlag raus. "Für uns ist das ein göttliches Geschenk gewesen", sagt Jens Hauspurg über die unerwartete Abschlussaufgabe des Kurses.

Elf "wunderbare vielschichtige Entwürfe" konnten die Studenten laut Marlies Reich letztlich präsentieren; Max Klingebeil machte das Rennen.

Seine Fotomotive werden nun für zehn Tage zum Hingucker an vier Orten: Die neun Quadratmeter großen Plakate sollen am Gagarin-Ring, am Schmidtstedter Knoten, am Gothaer Platz und an der Weimarischen Straße neugierig machen. Gestaltet hat sie die Agentur Samt & Seidel, die das Theater als neuen Kunden gewonnen hatte.

Ein Autofahrer wird im Schnitt drei Sekunden Zeit haben, bis das Motiv wieder aus seinem Blickfeld verschwunden ist. Er wird das Spielzeitmotto lesen können und erkennen, dass es hier ums Theater Erfurt geht. Das Logo der Bauhaus-Universität Weimar wird eher Fußgängern auffallen.

Intendant Guy Montavon, so hört man, ist auf jeden Fall an einer weiteren Zusammenarbeit gelegen, "weil er das wirklich großartig" findet.

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