Thomas Thieme über Dreharbeiten, Tom Tykwer und Serienkultur

Der in Weimar geborene Schauspieler Thomas Thieme ist ein gefragter Mann: Derzeit steht er für den Sechsteiler „Tempel“ für ZDF neo vor der Kamera. Gleich danach folgen Dreharbeiten für die 16-teilige TV-Produktion „Babylon Berlin“ von ZDF und Sky.

“„Ich bin zwar in jedem dieser sechzehn Teile ein bisschen drin, weil ich als Polizeipräsident eine durchgehende Rolle habe, aber das heißt noch lange nicht, dass ich an allen Drehtagen dabei sein muss“, beschwichtigt Thomas Thieme. Archivfoto: Maik Schuck

“„Ich bin zwar in jedem dieser sechzehn Teile ein bisschen drin, weil ich als Polizeipräsident eine durchgehende Rolle habe, aber das heißt noch lange nicht, dass ich an allen Drehtagen dabei sein muss“, beschwichtigt Thomas Thieme. Archivfoto: Maik Schuck

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Sie sind ja schon wieder für eine TV-Serie engagiert, Herr Thieme!

Meinen Sie „Tempel“?

Ich meinte „Babylon Berlin“. Was ist „Tempel“?

Das ist ein Sechsteiler, den ich gerade für ZDF-neo drehe. Und wenn das zu Ende ist, fängt „Babylon Berlin“, ein - sage und schreibe - Sechzehnteiler an.

Wie viele Drehbücher kriegen Sie denn pro Woche?

Nun bleiben Sie mal auf dem Teppich! Das klingt nur so gewaltig. Ich bin zwar in jedem dieser sechzehn Teile ein bisschen drin, weil ich als Polizeipräsident eine durchgehende Rolle habe, aber das heißt noch lange nicht, dass ich an allen Drehtagen dabei sein muss.

Sie sprechen jetzt von „Babylon Berlin“?

Genau. Aber bei „Tempel“ ist es ähnlich.

Wen spielen Sie bei „Tempel“?

Den väterlichen Freund eines jungen Mannes, der eine Familie gegründet hat und mit dem Leben ins Schlingern gerät. Ich bin ein Boxstall- und Puff-Besitzer...

Aha.

... der in die Jahre gekommen ist und nicht mehr ganz mitkommt mit den neuen Regeln, die in dieser Branche herrschen.

Interessant. Wir reden aber trotzdem über „Babylon Berlin“, das meines Wissens erste Fernseh-Projekt von Tom Tykwer. Fast 40 Millionen Euro, meldet der „Spiegel“, lassen sich ARD und Sky den Serienspaß kosten. Wann beginnen die Dreharbeiten?

Gleich nach Pfingsten, am 17. Mai.

Der Name Tykwer steht doch eigentlich für spektakuläre Kinofilme - ich sage nur „Lola rennt“, „Cloud Atlas“ oder „Ein Hologramm für den König“, letztere beiden mit Tom Hanks in der Hauptrolle. Soll Tom Tykwer mit seiner Hollywood-Erfahrung etwa der deutschen Serienkultur auf die Sprünge helfen?

Das kann ich nicht sagen. Ich kann nur wiedergeben, was er mir gesagt hat, dass er in diesen Serien, die bekanntlich auch in Amerika erfunden wurden, eine große Zukunft fürs Fernsehen sieht.

Bei sechzehn Filmen à 45 Minuten Länge muss das Drehbuch doch ziemlich dick sein?

So ist es.

Und darin taucht Ihr Polizeipräsident wie oft auf?

In jeder einzelnen Folge. Genau gesagt, der Berliner Polizeipräsident Karl Zörgiebel, der im Mai 1929 den Schießbefehl gegeben hat. Das ist dann als „Blutmai“ in die Geschichte eingegangen. Politisch pikant dabei ist, dass Zörgiebel Sozialdemokrat war. Ein bekannter Spruch aus der Zeit: Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!

Also eine historische Serie?

Die Teile spielen allesamt im Jahr 1929, falls Sie das meinen.

Die Serie fußt auf der Romanvorlage „Der nasse Fisch“ von Volker Kutscher. Worin liegt ihre Aktualität?

Gut, dass ich für solche Fragen nicht zuständig bin... Aber es gibt manchmal Sprüche, die einen das Leben lang begleiten und sich immer wieder als wahr herausstellen. So einer ist für mich der Brecht-Satz „Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“. Doch hier denke ich eher an einen anderen Satz, hochaktuell - ich weiß gar nicht, von wem der ist: „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch...“

Lieber Herr Thieme, auch dieser Satz ist von Brecht, aus seinem Stück „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“.

Na großartig! Brecht ist ja eh der Größte... Ich glaube, im Geiste dieses Satzes ist der Film gemeint. Wir wissen doch, was nach 1929 gekommen ist.

Werden bei sechzehn Teilen die Szenen kunterbunt durcheinander gedreht?

Bei diesem Monsterwerk mit Massenszenen und SFX-Sachen... - Sie wissen, was das ist?

Nein.

Special effects. Bei so einem Werk gehe ich davon aus, dass man motivorientiert drehen muss und nicht nach dem Motto: Heute sind wir im Schrebergarten, morgen ist „Blutmai“ und danach Kaffeekränzchen. Mein Polizeipräsident ist praktisch ein Motiv, der ist immer in seiner Direktion, im Büro oder in einem Versammlungsraum. Nur einmal ist er draußen, wo sie ihn fast lynchen.

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