Thüringens Theater demonstrierten für eigene Zukunft

Die neueste Demonstrationsrunde für Thüringens Theater und Orchester hätte sich am Samstag gern warmgelaufen, aber von warm konnte keine Rede sein. Bei sechs Grad und Regen fielen die geplanten Platzkonzerte und Open-air-Aufführungen deutlich kleiner aus. Mit ihren großen Sorgen fanden die Theater dennoch Gehör, mehr oder minder.

Weimars Blechbläser spielten vor kleinem Publikum. Foto: Candy Welz

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Thüringen. Das Weimarer DNT hat es vergleichsweise gut. Auf dem Theaterplatz findet sich an einem Samstagvormittag, so nasskalt er auch sein mag, immer ein Publikum. Ein paar hundert Zuhörer - Touristen und kampferprobte Theaterfreunde - kamen zusammen, als die zehn Blechbläser der Staatskapelle unter dem Säulenvordach ein kleines Programm von Jazz bis Bruckner präsentierten. Ursprünglich hatte die ganze Staatskapelle auftreten sollen, aber das Wetter war nur der robusten Blechfraktion zuzumuten. Auch in Erfurt, wo die Neue Oper vor der Staatskanzlei demonstrierte, mussten die empfindlichen Streichinstrumente unausgepackt bleiben. Die Hornisten vertraten das Philharmonische Orchester.

Die halbstündige Aktion "Auf die Plätze! Theater! Los!" war vom Thüringer Landesverband des Bühnenvereins initiiert worden. In den acht Theaterstädten gingen Ensembles und Orchester zeitgleich um 11 Uhr auf die Straße und warben für sich und für die Erhaltung der Kulturlandschaft. "Stellen Sie sich vor, wie diese Stadt aussähe ohne das Theater", rief der Weimarer Musiktheater-Dramaturg Michael Dißmeier dem Publikum zu. Natürlich werde das Theater subventioniert, "aber es gibt der Stadt dieses Geld doppelt und dreifach zurück".

In Erfurt warb Intendant Guy Montavon bei der Landesregierung um Unterstützung. Das Blumengebinde in Form des Theaterlogos konnte er zwar nicht der Ministerpräsidentin überreichen, die zum Kirchentag gereist war. Aber von Staatskanzlei-Chef Jürgen Schöning bekam er den nicht nur angesichts des Wetters erfreulichen Satz zu hören, die Landesregierung lasse niemanden im Regen stehen.

Doppelintendant Ansgar Haag setzte Prioritäten: Statt an seinem Meininger Stammsitz demonstrierte er mit der Eisenacher Filiale, wohl wissend, dass das skelettierte Theater Eisenach eine neuerliche Kürzungsrunde kaum überstehen könnte.

Das Rudolstädter Ensemble lud seine Unterstützer nach einer Kundgebung ins Haus ein und zeigte, zwei Wochen vor der Uraufführung, eine Probe der "Schicksalssymphonie". Hauptdarsteller im Stück von Steffen Mensching und Michael Kliefert ist ein Orchester, das gegen das drohende Aus anspielt. In Rudolstadt ist das ein Szenario von erschreckender Aktualität.

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