Tiefe Einblicke in die Arnstädter Stadtgeschichte

Arnstadt (Ilm-Kreis). Historiker referieren auf großem Kolloquium über Forschungsergebnisse und regen zu Diskussionen an.

Georg von Kevernburg und seine Gemahlin(Jörg und Nadine Meinhardt vom Kulturverein Ichtershausen) wachten über das Kolloquium. Foto: Britt Mandler

Georg von Kevernburg und seine Gemahlin(Jörg und Nadine Meinhardt vom Kulturverein Ichtershausen) wachten über das Kolloquium. Foto: Britt Mandler

Foto: zgt

Streng ist der Blick, den Nicolas vom Wolfswald durch den Ratssaal schweifen lässt. Der Ritter hat einen Auftrag: Wird hier zu viel geschwatzt, schreitet er ein.

Dabei tagt an diesem Samstagvormittag gar nicht der Stadtrat. Der Verein Stadtgeschichte hat zu einem Kolloquium eingeladen. Historiker aus dem gesamten Bundesgebiet sind angereist, um anlässlich des 750-jährigen Stadtrechtsjubiläums zu erläutern, wie Arnstadt zu dem wurde, was es heute ist.

Dabei stellen sie sich keiner leichten Aufgabe. Nicht nur, dass Nicolas vom Wolfswald, der aus dem Gefolge Georg von Kevernburgs stammt, streng über die Einhaltung der Redezeit wacht. Die Historiker geben auch zu, dass die Quellenlage, was die frühen Arnstädter Jahre betrifft, äußerst dünn ist.

Archäologischen Funden sei mehr zu trauen als schriftlichen Überlieferungen. Denn es ist nur schwer herauszufinden, welche Urkunde echt ist, welche oft Jahrzehnte nach dem eigentlichen Ereignis nachempfunden wurde und wo Geschichte und Legende ineinander greifen.

Klar aber ist: Arnstadts Geschichte war schon immer wechselhaft. Und es gab Zeiten, da waren sich Adelsgeschlechter und Kirchenvertreter alles andere als grün.

Mal verschwiegen sie einander in Urkunden, mal mussten Streitigkeiten öffentlich geschlichtet werden. In den Jahren vor und nach der Stadtrechtsverleihung war eine solche Phase, erläutert Historiker Hiriam Kümper von der Universität Mannheim. Sein Vorredner Ernst Erich Metzner hatte zunächst die Geschichte der Thüringer Herzöge namens Heden oder Hetan im 8. Jahrhundert beleuchtet. Olaf Schneider von der Universitätsbibliothek Gießen ging der Frage nach, ob Herzog Heden II. den heiligen Willibrord als Missionar nach Arnstadt entsandt hatte und in welchem Verhältnis dieser zu Bonifatius stand. Auch hier, so viel ist klar, gab es damals Zoff. Genau belegen lässt sich das mangels schriftlicher Überlieferungen aber nicht.

Museologe Hansjürgen Müllerott stellt eigene Forschungsergebnisse zur Frage vor, wie sich Arnstadt im 13. und 14. Jahrhundert zur Stadt entwickelte. Mit Dieter Heus aus Naumburg kommt ein Numismatiker zu Wort, der die Frage zu klären sucht, ob die bislang nicht zu verortenden Hohlpfennige mit der Umschrift Swarzbvrg aus Arnstadt kommen. Und Michael Fleck aus Bad Hersfeld spricht über Thüringische Besitztümer der Hersfelder. Zu ihnen gehörte einst auch Arnstadt.

Vereinschef Günter Röser freut sich, dass so viele Interessierte den Weg zum Kolloquium gefunden haben. Die Referate sollen möglichst wieder zu einem Heft zusammengefasst und veröffentlicht werden – so, wie es im vergangenen Jahr nach dem Kolloquium über den Hoftag in Arnstadt bereits praktiziert wurde.

Zugleich wirbt der Verein aber auch um Spenden. Denn geplant ist, im Verlaufe des Festjahres noch eine Münze prägen zu lassen. Der Entwurf ist bereits fertig, verweist Günter Röser auf ein prächtiges Ansichtsexemplar. Doch braucht es noch den einen oder anderen Euro, um eine kleine Serie anfertigen zu lassen. Ein Dankeschön richtet er auch an die Spender, die dabei halfen, das Kolloquium zu finanzieren. Denn aus eigenen Mitteln hätte das der Verein nicht stemmen können.