Traumfabrik Kalistadt Bleicherode

Bleicherode  Die Dreharbeiten zu „Bleicherode – Der Film“ haben begonnen. Voller Einsatz aller Mitwirkenden auf Friedhof.

Marion Mitterhammer Schauspielerfahrung war gleich während des ersten Drehtages zu dem Bleicherode- Film gefordert.

Marion Mitterhammer Schauspielerfahrung war gleich während des ersten Drehtages zu dem Bleicherode- Film gefordert.

Foto: Marco Kneise

Der wohl gefragteste Job am Montagvormittag auf dem alten Jüdischen Friedhof von Bleicherode war der des Schirmhalters. Während über der Stadt die Sonne schien, gingen am Vogelberg immer wieder heftige Regenschauer hernieder. Gepaart mit dem teils starken Sturm waren dies nicht unbedingt die besten Wetterbedingungen für die Neulinge im Filmgeschäft. Denn pünktlich nach Plan starteten um 9.30 Uhr die Dreharbeiten für das Projekt „Bleicherode – Der Film“. Aber alle machten das Beste aus der Situation und sahen es pragmatisch. Denn zu einer Beerdigungsszene passt doch Regenwetter eindeutig besser als Sonnenschein. Und Regisseur und Kameramann Hans-Günther Bücking ist durch Dreharbeiten im winterlichen Schweden sowieso kälteerprobt.

Schon in der ersten Szene, die am Montag gedreht wurde, kamen die Bleicheröder zum Einsatz; vor der Kamera und als technische Helfer. So standen die „Klageweiber“ des Bleicheröder Carneval Club einmal nicht auf der Bühne, sondern vor einem frischen Grab. Für die Damen sind ja die schwarzen Klamotten nichts Neues, nur dass sie dieses Mal nicht wie gewohnt für Lacher sorgten. Sondern sie stellten die Freunde und Bekannten der verstorbenen Emmi Funke, der Mutter der Hauptrolle Lotti Funke, dar. Die „Klageweiber“ waren nicht die einzigen Karnevalisten, die am Vormittag am Filmset zu finden waren. Klaus Klaschewski, bekannt als „Der Doofe von Bleicherode“, fungierte als Mädchen für alles. Und trotz kalter Füße verlor er nicht seinen Humor. Einige seiner Sprüche, die er immer wieder ad hoc aus dem Handgelenk schüttelt, lockerten bei den Wartenden immer wieder die Stimmung auf.

Frank Rostek ließ es sich auch nicht nehmen, dem Set einen Besuch abzustatten. Schnell wurde ihm jedoch klar, dass er eindeutig nicht für das Filmgeschäft geschaffen ist. Nachdem der Bürgermeister schon durch seine, von Hans-Günther Bücking offiziell bescheinigte, Talentlosigkeit im Casting scheiterte, wären die ständigen Wiederholungen der Szenen für ihn die nächste Hürde. „Ich hätte einfach nicht die Geduld für die ständigen Wiederholungen“, gab er unumwunden zu.

„Das macht aber unser Projekt aus. Keiner ist perfekt und wir sind keine Profis. Aber zusammen sind wir stark“, brachte es Ina Burghardt auf den Punkt. „Andere reden nur, wir machen. Damit wollen wir auch positive Signale senden, was man gemeinsam alles schaffen kann.“ Von der Dauer der Arbeit, bis eine Szene fertig gedreht ist, zeigte sich auch Maxim Seeboth überrascht. Der Schüler der 12. Klasse betätigt sich in der Technik. „Ich habe mir die Dreharbeiten anders vorgestellt. Es dauert alles sehr lange und es sind richtig viele Leute am Set“, so der junge Niedergebraer. Maxim will aber auch weiterhin bei der Stange bleiben. Vier Tage in den Ferien sind erst einmal für seine Mitarbeit fest eingeplant. Und wenn die Schule wieder beginnt, möchte er trotz Abi-Vorbereitungen, weitermachen. „Wenn es meine Zeit erlaubt, bin ich dabei“, erzählt der Gymnasiast, der später gern beruflich etwas mit Film oder Fotografie machen würde.

Zum Technikstab gehören unter anderem auch drei Studenten der TU Ilmenau. Sie studieren „Angewandte Medien- und Kommunikationswissenschaft“ und wurden von der Universität für die Dauer der Dreharbeiten freigestellt. „Wir sind aus persönlichem Interesse dabei, da wir alle film- und technikaffin sind. Und wenn in Bleicherode mal ein Film gedreht wird, dann müssen wir einfach dabei sein“, so die drei Studenten unisono.

Für die Maske und die Frisur der Hauptdarstellerin Marion Mitterhammer, mit Hans-Günther Bücking die einzigen Profis am Montags-Set, war an diesem Tag Monika Jörke zuständig. „Ich hätte jetzt nicht gedacht, dass die Dreharbeiten so ein Aufwand sind“, staunte die Friseurmeisterin aus Nohra.

„Ruhe bitte, Kamera läuft“, ertönte da die Stimme Hans-Günther Bückings aus dem Hintergrund. Und schon machte sich Marion Mitterhammer, nun in schicken Pumps statt in den dicken Stiefeln, auf den Weg zum Grab ihrer Mutter. „Prima, danke“, so beendete der Regisseur den Auftritt. „Das höre ich nicht oft“, gab Marion Mitterhammer verschmitzt zurück.

Mehr Fotos unter www.ta-nordhausen.de

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