Berlin. Bei Maischberger treffen die Fraktionschefs von AfD und FDP aufeinander. Chrupalla macht aus seiner Haltung zum Krieg keinen Hehl.

Zu Beginn versuchte es Sandra Maischberger noch mit etwas harmlosem Small Talk. Ob ihre beiden Gäste, Christian Dürr und Tino Chrupalla, denn auch mal gemeinsam eine Currywurst in der Kantine des Bundestages essen würden, wollte die Moderatorin wissen. Immerhin säßen die beiden Fraktionsvorsitzenden von FDPFDP und AfD mittlerweile bereits seit sechs Jahren gemeinsam im Bundestag.

"Maischberger": Das waren die Gäste

  • Christian Dürr, Fraktionsvorsitzender FDP
  • Tino Chrupalla, Fraktionsvorsitzender AfD
  • Claudia Major, Militärexpertin
  • Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur von „Die Zeit“
  • Dunja Hayali, „ZDF heute-journal“-Moderatorin
  • Wolfram Weimer, Verleger von „The European“

Eine Frage, die Christian Dürr mit einem klaren Nein beantwortete. Seiner Meinung nach unternehme die AfD in jeder Sitzungswoche den Versuch,„die Demokratie lächerlich zu machen“. Die Partei biete deswegen – entgegen ihrem Namen – keine wahre Alternative für Deutschland. Dennoch kommt die Partei in bundesweiten Umfragen zuletzt auf fast 20 Prozent. Mit der Ampelregierung sei hingegen nur noch jeder Fünfte zufrieden, zitierte die Moderatorin aktuelle Umfragen. Am Mittwoch gab die AfD bekannt, bei der nächsten Bundestagswahl einen Kanzlerkandidaten aufstellen zu wollen. Lesen Sie mehr: Jetzt erst recht: Protest ist kein Grund, die AfD zu wählen

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Maischberger: AfD will weiter auf russisches Gas setzen

Eine erschreckende Zahl, zu der auch der monatelange Streit der Regierungsparteien über das sogenannte Heizungsgesetz und die mangelhafte Kommunikation seinen Teil beigetragen haben dürfte. Wie sähe dafür die Alternative der AfD aus, wollte Maischberger wissen. Für Tino Chrupalla ganz klar: russisches Gas, antwortete der Fraktionsvorsitzende wie aus der Pistole geschossen. „Günstiges Gas war unser Standortvorteil“. Er sei überzeugt, dass Deutschland auch in der Zukunft wieder mit Russland wirtschaftliche Kontakte knüpfen werde. Statt das Land zu sanktionieren, forderte er deshalb den „Wirtschaftskrieg“, den Robert Habeck inszeniert habe, zu beenden.

Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion Christian Dürr.
Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion Christian Dürr. © Bernd von Jutrczenka/dpa

Den Einwurf von Christian Dürr, wonach Russland aktuell einen Angriffskrieg gegen die Ukraine führe, bei dem jeden Tag Menschen ermordet würden, überfuhr Chrupalla mit schlichtem Whataboutism. „Hätten wir eine wertegeleitete Politik, dürften wir auch beim Irakkrieg von Amerika kein Öl kaufen“, argumentierte er plump. Dürr konnte es kaum glauben. „Sie versuchen gerade einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg, der auch unsere Sicherheit bedroht, zu rechtfertigen. Ich finde das einfach unanständig“, sagte der FDP-Mann.

AfD-Chef bei Maischberger: Bei einer Szene eskaliert die Situation

Obwohl die Stimmung bisher schon aufgeheizt und der Schlagabtausch zwischen den beiden Fraktionsvorsitzenden hart war, eskalierte sie komplett, als Chrupalla mit dem Auftritt eines Parteikollegen in einer russischen Propaganda-Talkshow konfrontiert wurde. Eine Talkshow, in der an anderer Stelle auch mit der Bombardierung von Dresden und Berlin gedroht wurde. Er bewerte weder die Aussagen eines Moderators noch seines Parteikollegen, verkündete Charpalla. Lesen Sie mehr zum Thema: Gehen den Russen die Panzer aus, Professor Masala?

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„Da wird in einer russischen Sendung Deutschland direkt bedroht“, schaltete sich Dürr fassungslos ein. „Und Sie verteidigen weiterhin die Auftritte von Ihren Kollegen in solchen Sendungen?“ Das sei doch gar nichts, wischte Chrupalla die Vorwürfe vom Tisch und warf stattdessen der FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann „Kriegstreiberei“ vor. Dürr ließ das so nicht stehen: „Die Unterstützung der Ukraine ist europäischer Konsens.“ Man stelle sich nur vor, was passiert wäre, wenn Deutschland die Ukraine nicht unterstützt und keine Waffen geliefert hätte. „Dann wären Grenzen längst verschoben worden und wir wären direkt bedroht.“ Auch interessant: Rechtsextremist nimmt "Kuschel-Droge" – die verändert alles

Tino Chrupalla, AfD-Bundesvorsitzender und Fraktionsvorsitzender der AfD.
Tino Chrupalla, AfD-Bundesvorsitzender und Fraktionsvorsitzender der AfD. © Kay Nietfeld/dpa/Archivbild

Waffenlieferungen werden diesen Krieg in keinster Weise beenden“, wetterte Chrupalla weiter. Statt Russland für den Ukraine-Krieg zu verurteilen, entschied sich der AfD-Mann, das russische Narrativ einzunehmen: „Dieser Krieg wurde auch von der Ukraine mit verursacht“, sagte er. Eine Sichtweise, die FDP-Fraktionschef Dürr ziemlich befremdlich fand. „Das ist Verwechslung von Opfer und Täter“, betonte er kopfschüttelnd. Man dürfe das nicht relativieren.