Ungewöhnliche Nahbegegnung mit der Kunst

Hörselgau  „Rhapsody in School“: Der bekannte Cellist Gabriel Schwabe besuchte Dritt- und Viertklässler der Grundschule Hörselgau

Nein, die Kinder schlafen nicht – sie hören Gabriel Schwabe mit geschlossenen Augen zu und erträumen sich dazu eigene Geschichten. Foto: Dieter Albrecht

Nein, die Kinder schlafen nicht – sie hören Gabriel Schwabe mit geschlossenen Augen zu und erträumen sich dazu eigene Geschichten. Foto: Dieter Albrecht

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Was hat ein international gefragter Cellist und mehrfacher Musikpreisträger mit Dritt- und Viertklässlern der Grundschule Hörselgau zu schaffen? Die Antwort gibt eine Veranstaltungsreihe, die nun schon das elfte Jahr läuft. Angelehnt an Gershwins „Rhapsody in Blue“ nennt sie sich „Rhapsody in School“ – ein ehrenamtliches Programm zur Musikvermittlung: Solisten, die sich vor ihrem Auftritt in einer Stadt aufhalten, nutzen einen freien Vormittag und besuchen Schulklassen, ehrenamtlich, versteht sich.

34 Schulkinder und ein berühmter Solist, der am nächsten Tag mit der Thüringen-Philharmonie Édouard Lalos Cellokonzert aufführen wird, sitzen einander gegenüber. Schwabe spielt die Bourreé aus Bachs 3. Solosuite, und die Kinder lauschen den ungewohnten Klängen. Sie sollen Fragen stellen, sind aber noch gehemmt. „Wie funktioniert so ein Cello?“, hilft Projektmanagerin Kerstin Klaholz nach. „Das ist doch eigentlich ‘ne Holzkiste?“ Schwabe erklärt, was Wirbel sind, woraus eine Saite besteht, wozu man Kolophonium braucht, warum der Bogen Haare hat, wie die Schwingungen von der Saite auf den Korpus übertragen werden, wie Dämpfer und Tonwolf Lautstärke und Klang verändern ...

Kinder beobachten genau: „Warum bewegen Sie immer Ihren Kopf so hin und her, wenn Sie spielen?“, möchte ein Mädchen wissen. – „Du stehst doch auch nicht stocksteif da, wenn du singst“, entgegnet Schwabe, das versteht jeder.

Der Gast spielt den Anfang des Lalo-Konzerts. Kräftig und doch warm schwingend bricht sich der Klang im halligen Musikraum. Diese abrupten Wechsel, dann wieder sanften Abstufungen von Laut und Leise beeindrucken die Kinder, beginnen ihre Phantasie zu beflügeln. Später verrät ihnen ihr Gast einen Trick, der eigentlich immer funktioniert: „Schließt die Augen und stellt euch vor, ich würde mit meinem Cello eine Geschichte erzählen.“ Und es klappt ...

Wie alt ist Ihr Instrument? Wie viel ist es wert? Schreiben Sie auch selber Musik? Wie sieht Ihr Alltag aus? Wie oft müssen Sie üben? Machen Sie auch mal Urlaub? Die Kinder könnten noch stundenlang fragen. Aber die Zeit läuft. Zum Schluss gibt‘s Autogramme. Vorher aber noch mal Bach − diese „Zugabe!“-Rufe kann man wirklich nicht ignorieren.

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