Verschollener Nordhäuser Schatz bald wieder zugänglich

Nordhausen  Nordhäuser Bibliothekar Vincent Eisfeld entdeckt in den USA verschollenen Nordhäuser Historienroman. Eine Neuauflage erscheint in Kürze.

Bibliothekarin Andrea Wilke blättert schon mal durch den Probedruck, der bald auch in diesem Regel steht.

Bibliothekarin Andrea Wilke blättert schon mal durch den Probedruck, der bald auch in diesem Regel steht.

Foto: Peter Cott

Ein liebevoller Blick schweift über den Buchdeckel. Ein Hardcover, das nur noch weniger Korrekturen bedarf und bald gedruckt wird. Wer die Hintergründe des Romans kennt und weiß, wie er zurück in seine alte Nordhäuser Heimat kam, kann Vincent Eisfelds verträumten Blick recht gut nachvollziehen. Als „riesigen Glücksfall“ bezeichnet der 27-Jährige den Fund, den er in seiner Freizeit macht. Dann nämlich durchstöbert der Mitarbeiter der Stadtbibliothek leidenschaftlich in Büchern und alten Dokumenten zu Nordhausens Historie.

Im Herbst ist es, als er gerade zur Geschichte der Schnabelsburg recherchiert und auf eine Überraschung stößt: Der Worldcat, ein online verfügbarer Bestandskatalog aller großen Bibliotheken der Welt, spuckt ihm einen Nordhäuser Autoren aus, der selbst dem Geschichtsfan nichts sagt: Fritz Tanne und sein Buch „Der Tod des Grafen von Hohnstein“. 177 Jahre habe die Geschichte auf dem Buckel, die heute nur noch in drei Bibliotheken – zwei davon in den USA – schlummere, wie Eisfeld erzählt.

Das Exemplar aus Chicago hat er sich digital zugänglich gemacht. Wie es dorthin gelangt ist? Wohl durch Einwanderer aus unserer Region, vermutet er. Und auch über den Fritz Tanne hat er eine Vermutung: „Es wird sich sicher um ein Pseudonym handeln“, glaubt Eisfeld. Allein des Namens wegen. Und weil es außer einem Buch über Bad Frankenhausen an weiteren Spuren Tannes fehlt.

Ein Stück seiner Vergangenheit hat Eisfeld nun wieder verfügbar gemacht, hat den Roman abgeschrieben und im Selbstverlag neu veröffentlicht. „Der größte Aufwand bestand im Setzen und Gestalten“, blickt der junge Verleger auf die vergangenen zwei Monate zurück.

Das Ergebnis ist ab dieser Woche in Buchhandlungen bestellbar und entführt in die Zeit einer Fehde zwischen der Reichsstadt Nordhausen und den Hohnsteiner Grafen im 14. Jahrhundert. In dieser unruhigen Zeit wurde 1368 an der Südostecke des Kohnsteins – genannt der „Schnabel“ – von den Hohnsteinern die Schnabelsburg erbaut. Oft soll Graf Ulrich mit seinen Rittern und Knappen von der kleinen Herrenburg herabgeritten sein, um in der Stadtflur für Aufruhr zu sorgen. Hohe Zölle und wohl noch höhere Lösegelder auf gefangene Kaufleute gehörten laut Vincent Eisfeld ebenso zu den Schikanen des Grafen. Wer erfahren will, mit welcher List die Nordhäuser es ihm heimzahlten, erfährt es in Fritz Tannes wiederentdecktem Roman. „Der die Fehde zu einem historisch-romantischen Gemälde verknüpft, wie es typisch ist für diese Zeit“, schwärmt Eisfeld, der an weitere Entdeckungen dieser Art glaubt. Gerade im 19. Jahrhundert habe es viele Bücher in Kleinstauflagen gegeben. Doch erst 1912 wurden in Deutschland systematisch Bücher gesammelt, lächelt er optimistisch.

Das Buch ist vorbestellbar, aber erst in den kommenden Wochen im Buchhandel.

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