Vier Stunden Anregung für Geist und Seele — Museumsnacht mit viel Andrang

Peter Riecke
| Lesedauer: 3 Minuten
So wie die sechsjährige Marie aus Gotha waren viele Kinder mit Lampions von der Orangerie zum Schlossinnenhof durch den Schlosspark gezogen, wo die Museumsnacht mit Kurmaus Casimir und der Jenaer Brass Band Blechklang eröffnet wurde. Foto: Lutz Ebhardt

So wie die sechsjährige Marie aus Gotha waren viele Kinder mit Lampions von der Orangerie zum Schlossinnenhof durch den Schlosspark gezogen, wo die Museumsnacht mit Kurmaus Casimir und der Jenaer Brass Band Blechklang eröffnet wurde. Foto: Lutz Ebhardt

Foto: zgt

Gotha  Stiftung Schloss Friedenstein zählte 1151 Besucher. Viele Erwachsene blieben fast bis Mitternacht

Traditionell beginnt die Museumsnacht eigentlich schon 19 Uhr in der Orangerie mit einem Lampionumzug durch den Schlosspark zum Schlossinnenhof auf Friedenstein. Vor allem die Kinder haben Freude daran. Angeführt von den Mühlenpfeiffern aus Wechmar waren es diesmal um 400 große und kleine Wissensdurstige, die dem Dudelsack-Spiel in langer Schlange folgten. Sie empfing eine im Wechsel mal orange, mal rot, mal grün und mal blau illuminiert Südfassade des Schlosses, auf die per Laserlicht noch der Schriftzug „Die Ernestiner – Eine Dynastie prägt Europa“ mit dem Hinweis auf die Thüringer Landesausstellung in Gotha und Weimar bis August 2016 projiziert wurde.

Nach den Mühlenpfeiffern spielte die „Brass Band Blechklang Jena“ auf, die von getragen sanften klassischen Kompositionen bis zum Säbeltanz von Aram Chatschaturjan alles zu beherrschen scheint, was je für Tuba, Posaune, Horn und Trompete geschrieben und arrangiert wurde. In der Schlosskirche stellten die Blechbläser bis spät in den Abend ihre Virtuosität unter Beweis.

Harfenklänge bis Mitternacht

Pünktlich 20 Uhr schnitt Marco Karthe, Referent für Presse und Veranstaltungen, das Band vor dem in den letzen Jahren restaurierten Haupteingang durch, und die Besucher strömten hinein, vorbei an André Sterz aus Hausen, der als solcher nicht zu erkennen war, denn er gab die Kurmaus Casimir in pelzig-herzoglichem Kostüm. Es war der zweite Auftritt des neuen Maskottchens nach dem Barockfest im August.

Unter den Arkaden wurden Leckereien angeboten, frisch gekochte Suppen, selbst gebackene Muffins und anderes. Das taten auch zwei Damen von der Gothaer Kirchgemeinde, unterstützt von Sandra Seeber von der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, die damit 240 Euro einnahmen, die in die Restaurierung der Orgel der Schlosskirche fließen sollen.

In allen Schlossflügeln und auf fast allen Etagen darin lockte die Wissensvermittlung auf anschauliche Art. Von keltischen Einflüssen im Gothaer Land und bedrohten Tierarten über die Digitalisierung der Datenbanken im Museum bis zur Heiratspolitik der Ernestiner reichte das Themenspektrum. Bei Sandra Gerlach, die unter dem Motto „Zutritt verboten — Blick hinter die geheimen Türen des Schlosses“ Führungen anbot, war der Andrang zu Beginn so groß, dass sie ein Megafon gebraucht hätte. Ihr bleib keine andere Wahl, als kleinere Gruppen zu bilden. Marco Karthe hatte eine glückliche Hand, als er erneut die Harfenistin Jessyca Flemming aus Berlin für das Herzogliche Museum engagierte, diesmal im Eingangssaal, dessen Akustik ihre Spielkunst wunderbar wirken ließ. Viele fesselte ihr Spiel so, dass sie erst einmal vor der Harfe Platz nahmen, bevor sie sich in achtsame Stimmung versetzt den Vorträgen am Ausstellungsstück zum Beispiel über das Werk Houdons oder de Vries‘ Farnesischen Stier widmeten und den Vortragenden viele Fragen stellten. Jessyca Flemming bekam nach jedem Beifall und ließ ihre Konzertharfe bis Mitternacht erklingen, weil es das Publikum so wollte. Im Foyer des Versicherungsmuseums gab es ein großes Chorkonzert. Die Museumsnacht zählte 1151 Besucher.