Von der Anschauung der Welt: Autor Cees Nooteboom feiert 85. Geburtstag

Erfurt  Seit 30 Jahren gehört Cees Nooteboom, der 1933 in Den Haag geboren wurde und heute seinen 85. Geburtstag feiert, zum hiesigen Buchmarkt.

Cees Nooteboom bei der Verleihung des Literaturpreises der Konrad-Adenauer-Stiftung 2010 in Weimar.

Cees Nooteboom bei der Verleihung des Literaturpreises der Konrad-Adenauer-Stiftung 2010 in Weimar.

Foto: M. Schmidt

Im Saal des Musikgymnasiums Belvedere in Weimar erhielt Cees Nooteboom im Dezember 2010 den Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung. Bundestagspräsident Norbert Lammert lobte damals die politische Wirkung: Nooteboom herausragendes literarisches Werk hat eine auffällige europäische Dimension, die politisch und kulturell von großer Bedeutung ist, jenseits von Ideologien und verengender Weltanschauung.

Seit 30 Jahren gehört Cees Nooteboom, der 1933 in Den Haag geboren wurde und heute seinen 85. Geburtstag feiert, zum hiesigen Buchmarkt. Seine Bücher – Romane, Gedichte, Reportagen – erschienen sowohl in der DDR, bei Volk & Welt, als auch in der Bundesrepublik, bei Suhrkamp, darunter der Roman „Rituale“ aus dem Jahre 1980, der international für einige Bekanntheit sorgte. Als „Writer in Residence“ verbrachte er das Jahr 1989 in Westberlin. Ein Glücksfall: Nooteboom erlebte hautnah den Mauerfall und die Wiedervereinigung. Zum Durchbruch im deutschen Literaturbetrieb verhalf ihm aber erst eine missverständliche Besprechung im ZDF, als 1991 Kritiker Marcel Reich-Ranicki erklärte, er habe Nootebooms Buch „Die folgende Geschichte“ nicht ganz verstanden.

Das ebnete den Weg. Dabei galt Nooteboom in den Niederlanden lange als ein Außenseiter. Jahrzehnte stand er im Schatten der drei großen, inzwischen verstorbenen Postmoderni-sten: Harry Mulisch, Gerard Reve und Willem Frederik Hermanns. Wahrgenommen wurde er in der Heimat zunächst als Journalist, der das Genre Reisereportage in den niederländischen Journalismus eingeführt hat. So berichtete er vom Ungarn-Aufstand 1956 oder über den VI. SED-Parteitag im Jahre 1963. Inzwischen sind seine Reiseziele eher in der Kunst zu suchen. 2016 erschien ein wunderbarer Essay „Reisen zu Hieronymus Bosch. Eine düstere Vorahnung“.