Weimarer Knabe-Verlag übernimmt Rudolstädter Greifenverlag

Rudolstadt/Weimar  Der Besitzer des Knabe-Verlags Steffen Knabe bündelt damit vier Verlage unter einem Dach.

Der Weimarer Verleger Steffen Knabe vor seiner Verlagsbuchhandlung "Die Eule" nahe dem Goethe-Nationalmuseum. Das umgebaute Lastenfahrrad ist das Markenzeichen seines Unternehmens. Foto: Thomas Müller

Der Weimarer Verleger Steffen Knabe vor seiner Verlagsbuchhandlung "Die Eule" nahe dem Goethe-Nationalmuseum. Das umgebaute Lastenfahrrad ist das Markenzeichen seines Unternehmens. Foto: Thomas Müller

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Der Greifenverlag Rudolstadt wurde nach der Wende bereits mehrfach eingestellt. Nun soll er im Knabe-Verlag Weimar wieder aufleben.

Verleger Steffen Knabe hat die Namensrechte sowie das Unternehmensarchiv mit den Restauflagen im Oktober übernommen. Zuvor hatte er bereits im Februar den Tourist Verlag aufgekauft. Damit firmieren zwei einstmals erfolgreiche Verlagsmarken unter dem Dach des ebenso traditionsreichen Knabe-Verlages.

Dieses Unternehmensmodell basiere auf diversen Zufällen, sagt Steffen Knabe. Die Wege dahin sind verschlungen. Ursprünglich wollte Knabe 2011 mit dem ehemaligen Leiter des Greifenverlages Holger Elias eine Vertriebsgemeinschaft für beide Häuser gründen. Doch kurz vor dem Start meldete der Greifenverlag Insolvenz an, so dass aus der Zusammenarbeit nichts wurde.

Nach fünf Jahren bot nun Rajko Richter dem Weimarer Verleger die Greifen-Namensrechte nebst Archiv an. Er hatte sie von seinem Vater Norbert Richter geerbt, der einst als Mitarbeiter im Greifenverlag die Edition Burghügel-Verlag herausgab. Letztlich war es auch nur der Burghügel-Verlag, der die Greifen-Insolvenz überlebte. Nach einigem Hin und Her erhielt Norbert Richter zudem die Namensrechte des Greifen.

Nach dem Tod des Vaters entschloss sich Sohn Rajko, sowohl den Burghügel-Verlag als auch die Greifen-Rechte zu veräußern, und wurde mit Steffen Knabe einig. Der wird neben Knabe-, Tourist- und Greifen-Verlag auch Burghügel weiterführen. Insgesamt ein großes Wagnis, wie Steffen Knabe selbst weiß.

"In unserer Branche Geld zu verdienen, ist enorm schwer", sagt er. Noch dazu in der Provinz Thüringen. Knabes Ziel ist dennoch, im kommenden Jahr auf eine schwarze Null zu kommen. Dabei setzt er auf die Stärke seiner Marken, die zu DDR-Zeiten recht namhaft waren: Der ehemalige Tourist Verlag, bis 1990 als Landkarten- und Reiseführer-Spezialist bekannt, soll weiterhin Ansichtskarten und Tourismusliteratur herausbringen. Der Greifen-Verlag soll den gesamten Bereich Belletristik abdecken. Steffen Knabe möchte zudem die Reihe Greifen-Krimi mit regionalen Kriminalromanen wieder erwecken.

Der Knabe-Verlag als Mutterhaus soll seine traditionellen Stärken bei der Kinder- und Jugendliteratur weiter ausbauen. Und Burghügel wird seinen Schwerpunkt auf regionale Geschichte legen.

Vielleicht ist es das Verleger-Gen, das Steffen Knabe antreibt. Schon sein Urgroßvater war verlegerisch tätig und gründete 1932 den Knabe-Verlag in Weimar. Nach dem Krieg erhielten seine zwei Söhne jedoch nur eine Lizenz für Kinder- und Jugendbücher. "Sie machten aus der Not eine Tugend und gründeten die Reihe Knabes Jugendbücherei", sagt Steffen Knabe. Bis zum Ende des Verlages im Jahr 1983 seien dort 300 Titel erschienen, zum Beispiel der Longseller "Knurks hat doch ein Herz".

Erst 2007 entschloss sich Urenkel Steffen Knabe, den Familienbetrieb fortzuführen. Wobei er den Verlag zunächst durch seinen Job als Filmdienstleister querfinanzierte. Spätestens mit dem Kauf der Buchhandlung "Die Eule" nahe dem Goethe-Nationalmuseum in Weimar verschoben sich die Prioritäten. Knabe entschied sich, die Arbeit für den Film aufzugeben, und konzentrierte sich auf die Buchbranche.

Bald darauf traten die Eigentümer des Tourist Verlages an ihn heran. Der alte DDR-Verlag hatte sich inzwischen auf das Ansichtskarten-Geschäft spezialisiert und gehörte nach mehreren Besitzerwechseln zur Wiesbadener Verlagsgruppe Römerweg. Die wollte Tourist veräußern und sah in dessen größtem Kunden, der Buchhandlung am Goethehaus, einen potenziellen Kaufinteressenten. Steffen Knabe überlegte nicht lange und griff zu.

Eine turbulente Geschichte hatte nach der Wende auch der Greifenverlag. Nun wird er drei Jahre vor seinem 100-jährigen Bestehen wieder aktiviert. Und Steffen Knabe hat sich zum Ziel gesetzt, bis dahin ein würdiges Verlagsprogramm erarbeitet zu haben.