Werkschau von Ulrike Theusner in Weimar

Weimar  Die Weimarer Künstlerin Ulrike Theusner stellt in der Kunsthalle „Harry Graf Kessler“ am Goetheplatz aus

Ulrike Theusner vor ihrer Serie von 24 Porträts aus „Gasping Society“ in der Kunsthalle „Harry Graf Kessler" am Goetheplatz.

Ulrike Theusner vor ihrer Serie von 24 Porträts aus „Gasping Society“ in der Kunsthalle „Harry Graf Kessler" am Goetheplatz.

Foto: Christiane Weber

Skeptisch, fast feindselig blickt der junge Mann dem Betrachter entgegen. Ulrike Theusner ist keine Künstlerin, die sich gefälligen Porträts und Szenerien verschrieben hat. Sie bildet ab, was ihr im Alltag begegnet. Ungeschönt, ungeschminkt, nackt, verletzlich. Ein Rundgang durch ihre neue Ausstellung in der Kunsthalle Harry Graf Kessler, die am morgigen Freitag, 19 Uhr, von Oberbürgermeister Peter Kleine eröffnet wird und bei der Erfurter Museumschef Kai-Uwe Schierz die Laudatio hält, zeigt expressive Sichten einer Künstlerin, die ihren eigenen Weg gefunden hat und geht.

Nicht nur in ihrer Heimatstadt Weimar, längst hat Ulrike Theusner sich national wie international einen geachteten Namen gemacht. Erst am Sonntag hat sie in Mannheim eine Ausstellung ihrer Werke eröffnet. Auch in München sind ihre Arbeite n zu sehen. Von 2016 bis heute hat Ulrike Theusner ihre Werke in 22 Ausstellungen, darunter acht Einzelausstellungen, gezeigt, hebt Ursula Seeger, Fachreferentin Bildende Kunst in der Stadtkulturdirektion, die wachsende Prominenz der Weimarer Künstlerin, Absolventin des Studiengangs Freie Kunst an der Bauhaus-Universität Weimar, hervor. Von New York über Paris und Nizza bis Berlin und München sind Ulrike Theusners Arbeiten gefragt.

Mit einer Auswahl von mehr als 60 Werken aus den letzten zehn Jahren seit ihrem Studienabschluss 2008 – allesamt Mischtechniken und Radierungen – präsentiert Ulrike Theusner sich als selbstbewusste Künstlerin mit individueller Bildsprache. „Aufbruch“ hat sie ihre Weimarer Werkschau überschrieben. Im Rückblick auf das, was sie in den vergangenen zehn Schaffensjahren erreicht hat, sieht sie sich im Aufbruch zu Neuem. Genauso scheinen ihre Protagonisten eine Gesellschaft zwischen Erstarrung, Desillusionierung – und Aufbruchstimmung zu verkörpern.

Zu sehen sind bis zum 11. November Bilder aus ihren Serien „Sweet Bird of Youth“ (2018), „A Rake‘s Progress“ (2013/14) und „Limbo Express“ (2012) sowie Druckgrafiken. Die 24 Porträts aus „The Gasping Society“ (2015/16) beherrschen die Stirnwand der Kunsthalle. Es sind Abbilder einer Lebensart zwischen Resignation, Ausharren und Abwarten, erklärt Ulrike Theusner. Motive im Hintergrund und auf der Kleidung kehren nach außen, was sich in den scheinbar arglosen Protagonisten vorbereitet, die sich trotzig, zuweilen aggressiv einer ungewissen Zukunft zum Aufbruch wappnen. Sie sieht die Dämonen, welche auch den Schlafenden bedrängen, lässt sich von den „Letzten Tagen des Friedens“ zu beeindruckenden Bildfindungen anregen. Ulrike Theusner hofft, dass jeder Betrachter, jede Betrachterin etwas findet in ihren Bildern und dass sie mit ihrer Kunst berühren kann.

1982 in Frankfurt/Oder geboren, verbrachte sie ihre Kindheit, Jugend und Studienzeit in Weimar. An der Bauhaus-Uni studierte sie bei Prof. Liz Bachhuber und Prof. Norbert W. Hinterberger sowie an der Ecole des Beaux Arts „Villa Arson“ in Nizza bei Noel Dolla, Pascal Pinaud und Jean-Luc Verna. Ihr erstes Atelier in Weimar bezog Ulrike Theusner nach ihrem Diplom 2008 an der Bauhaus-Uni im Atelierhaus Erfurter Straße. Seit 2016 arbeitet die vielfach ausgezeichnete, mit Preisen und Stipendien gewürdigte Künstlerin im städtischen Atelierhaus an der Haußknechtstraße. Für sie ein willkommener Rückzugsort, wo sie ihre Bildideen ungestört ausarbeiten kann.

Vernissage, Kunsthalle, Goetheplatz, 28. September, 19 Uhr; Musik: Christoph Theusner, Hans Raths und Robert Boddin; bis 11. November, Di-So 10-17 Uhr.

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